Fußball

FC Bayern leidet und tritt nach Rummenigge: "Wir sind beschissen worden"

Der FC Bayern verfehlt sein Ziel, wieder kommt das Champions-League-Aus vor dem Finale. Trainer und Spieler legen vor, es folgt ein wütender Karl-Heinz Rummenigge: Er knöpft sich den Referee vor und spricht von Betrug.

Eines vorweg, als zwar nicht bindende, aber faktenbasierte Sprachregelung: Die Fußballer des FC Bayern sind im Viertelfinale aus der Champions League ausgeschieden. Und das nicht unverdient, schließlich haben sie zweimal gegen Real Madrid verloren. Im Hinspiel vor einer Woche in München mit 1:2, weil sie in der zweiten Halbzeit völlig die Kontrolle verloren. Und nun, an diesem Dienstagabend mit 2:4 (2:1, 0:0) im Estadio Santiago Bernabéu. Sie sind aber nicht gescheitert.

Vor allem nicht gemessen an dem, was bei nüchterner Betrachtung vor diesem Rückspiel zu erwarten gewesen war. Dafür haben die Münchner den Madrilenen vor 78.346 Zuschauern einen zu leidenschaftlichen Kampf geliefert, der einiges an Dramatik bot. Und doch bleibt erst einmal festzuhalten: Es hat auch in diesem Jahr wieder nicht gereicht. 2013 hatten die Münchner mit Trainer Jupp Heynckes das Triple aus Meisterschaft, Pokal und dem Gewinn der Königsklasse gefeiert. Es folgen drei Jahre mit Josep Guardiola, in denen der FC Bayern zeitweise fantastischen Fußball spielte - und stets im Halbfinale der Champions League gegen eine spanische Mannschaft ausschied: 2014 gegen Real Madrid, 2015 gegen den FC Barcelona und im vergangenen Jahr gegen Atlético Madrid. Guardiola ging, Carlo Ancelotti kam - und wieder ist, streng nach Reihenfolge, Schluss gegen Real.

"Zeugen eines unglaublichen Fußballspiels"

Und nun? Lässt sich durchaus konstatieren, dass die Bayern ihr Ziel nicht erreicht haben. Sie waren es ja, die den Gewinn der europäischen Königsklasse propagiert hatten. Alles andere wäre allerdings auch wenig sinnvoll gewesen, schließlich kann national schon lange kein Verein mehr den Branchenprimus ernsthaft gefährden. Wie sie aber ausgeschieden sind, das bietet kaum Grund, an sich zu zweifeln - was ja eh nicht die Art der Mia-san-mia-Bayern ist. Das sah wenig überraschend auch Karl-Heinz Rummenigge so, als er sich in der Nacht nach dem Aus im Festsaal des Teamhotel Gran Meliá Palacio de los Duques, einem Palast aus dem 19. Jahrhundert im Zentrum Madrids nahe der Plaza Mayor, zu seiner obligatorischen Bankettrede aufschwang.

"Wir waren heute alle Zeugen eines unglaublichen Fußballspiels", sagte der Vorstandschef der FC Bayern München AG. "Nach 90 Minuten haben wir in Madrid 2:1 gewonnen", rechnete er vor. Nun trug er zu seinem schwarzen Anzug keinen Hut. Aber hätte er das getan, so hätte er ihn vor der Mannschaft gezogen. Schließlich habe das ganze Drehbuch vor dieser Partie nicht unbedingt für die Münchner gesprochen. Robert Lewandowski an der Schulter verletzt und im Hinspiel nicht dabei; Mats Hummels verletzt, Jérôme Boateng verletzt. "Es gibt so Spiele, die schreiben Geschichte." Das nun sei so eines gewesen. Auch wenn diese Niederlage sehr schmerze.

Und dann knüpfte er unseligerweise dort an, wo die Spieler und Trainer Ancelotti kurz nach dem Spiel aufgehört hatten: Er knöpfte sich, verbal wohlgemerkt, den Unparteiischen Viktor Kassai und die Assistenten vor: "Was machen eigentlich diese Verbände? Wir haben da sechs Schiedsrichter auf dem Platz - sechs Schiedsrichter. Wir haben eine Gelb-Rote Karte, die nicht einmal ein Foul war." Damit war Arturo Vidal gemeint, für den das Spiel nach 85 Minuten beendet war. Allerdings hätte er schon viel früher fliegen können.

Doch Rummenigge zählte weiter auf: "Wir haben zwei Tore, zum 2:2 und zum 3:2, die abseits waren. Wir haben einen Abseitspfiff von Robert Lewandowski, der alleine aufs Tor zuläuft." Kurzum: "Ich habe heute erstmals so etwas wie wahnsinnige Wut in mir. Wut, weil wir beschissen wurden." Dennoch, wohl im Ansinnen die Kurve zu kriegen, dankte er den Spielern: "Wir haben eine tolle Mannschaft mit einem tollen Charakter." Den Trainer lobte er übrigens nicht. Die Niederlage sei zwar bitter, aber der FC Bayern auch bekannt dafür, daraus Kraft zu ziehen. "Es ist kein Grund, heute Abend traurig zu sein." Und kein Grund, so stillos nachzutreten. Auch wenn es wieder nicht gereicht hat.

Quelle: n-tv.de