Sabotage in 2. LigaVermummte Preußen-Fans ziehen VAR den Stecker - und sehen trotzdem Pleite

Für Hannover 96 geht es nicht voran im Kampf um den Aufstieg - Dynamo Dresden verspielt in der Nachspielzeit wichtige Punkte gegen den Abstieg. In der 2. Fußball-Bundesliga ist am Sonntag mächtig was los. Das Kurioseste passiert aber beim Duell zwischen Münster und Hertha BSC - und das nicht mal auf dem Rasen.
Karlsruher SC - Dynamo Dresden 3:3 (1:3)
Aufsteiger Dynamo Dresden hat im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga wichtige Punkte verspielt. Beim Karlsruher SC gab das Team von Trainer Thomas Stamm am Sonntag eine Führung spät noch aus der Hand und kam nur zu einem 3:3 (3:1). Durch das Remis verpassten es die Sachsen (26 Punkte), sich im Ringen um den Klassenerhalt Luft zu verschaffen. Niklas Hauptmann (3./44.) und Ben Bobzien (28.) trafen für Dynamo, für Karlsruhe waren Marvin Wanitzek (23. und 90.+4, jeweils Foulelfmeter) und Louey Ben Farhat (68.) erfolgreich. Die Karlsruher, die zuletzt zwei Partien nacheinander gewonnen hatten, stecken mit 34 Zählern im grauen Mittelfeld fest.
Im Wildpark spielten zu Beginn nur die Gäste, die früh jubeln durften. Einen unplatzierten Schuss von Dynamo-Kapitän Hauptmann ließ KSC-Torwart Robin Himmelmann durch die Hände rutschen. Zwar fand Karlsruhe durch Wanitzeks Elfmetertor, das auf ein Foul von Dresdens Keeper Tim Schreiber an Christoph Kobald folgte, wieder ins Spiel - doch Dynamo schlug schnell zurück. Bei einer Flanke von Jason Ceka sah Himmelmann erneut schlecht aus, Bobzien beförderte den Ball am Schlussmann vorbei ins Netz. Hauptmann leitete derweil seinen zweiten Treffer selbst ein und spitzelte eine Hereingabe von Vincent Vermeij über die Linie.
Nach der Pause zwang Bobzien (48.) Himmelmann zu einer starken Parade, danach kamen die Gastgeber jedoch viel stärker auf. So entschärfte Schreiber einen Fernschuss von Wanitzek nur mit viel Mühe. Acht Minuten später war er jedoch machtlos, als Ben Farhat den Ball wunderschön in den Winkel schoss. Kurz darauf traf Karlsruhes Roko Simic (71.) nur den Pfosten. Kapitän Wanitzek behielt bei seinem zweiten Elfmeter in der Nachspielzeit die Nerven.
Hannover 96 - SpVgg Greuther Fürth 1:2 (0:1)
Hannover 96 hat sich einen empfindlichen Patzer im Aufstiegsrennen geleistet. Das Team von Trainer Christian Titz unterlag vor eigenem Publikum dem bisherigen Tabellenschlusslicht SpVgg Greuther Fürth mit 1:2 (0:1). Das Kleeblatt rückt damit auf den Relegationsplatz 16 vor und hofft wieder verstärkt auf den Klassenerhalt.
Noel Futkeu belohnte die Gäste für eine starke erste Hälfte. Der Angreifer setzte sich im Strafraum durch und verwertete wuchtig aus der Drehung (33.). Nach der Halbzeitpause kam 96 schnell durch den Ausgleich von Maurice Neubauer zurück (50.), ehe Jannik Dehm Fürth erneut in Führung brachte (57.). 96-Kapitän Enzo Leopold vergab dann vom Elfmeterpunkt die Chance auf den erneuten Ausgleich (73.).
96 ging als klarer Favorit in die Partie, war aber angesichts des Aufwärtstrends der Franken gewarnt. Der spielerische Fortschritt des Teams von Coach Heiko Vogel war dann auch bei den Niedersachsen klar ersichtlich. Das Auswärtsteam hielt von Beginn an in den Zweikämpfen dagegen und ließ Hannover nicht in sein Positionsspiel kommen. Im Ballbesitz wurde Fürth immer wieder mit schnörkellosen Angriffen gefährlich und hielt auch im zweiten Durchgang gegen nun stärker drängende 96er dagegen.
Preußen Münster - Hertha BSC 1:2 (0:1)
Fußball-Zweitligist Hertha BSC hat seine Minimalchance auf einen unverhofften Aufstieg am Leben gehalten. Bei Abstiegskandidat Preußen Münster siegte das Team von Trainer Stefan Leitl durch ein spätes Tor mit 2:1 (1:0). Der Rückstand auf die Aufstiegsränge beträgt neun Spieltage vor Saisonende acht Punkte. Für Aufsehen sorgte eine VAR-Sabotage durch Münsteraner Fans.
Marten Winkler erzielte den Siegtreffer für Berlin (90.+3). Zuvor hatte Münsters Jannis Heuer (46.) die Führung durch einen Foulelfmeter von Fabian Reese (45.+4) egalisiert. Nach dem befreienden Sieg gegen Eintracht Braunschweig in der Vorwoche (2:1) stecken die Preußen mit der Niederlage weiter im Abstiegskampf fest.
Im Preußenstadion kam es zu einem Kuriosum: Wie die DFB Schiri GmbH bestätigte, hatte ein Zuschauer den Stecker am VAR-Monitor gezogen. Als Schiedsrichter Felix Bickel an die Seitenlinie gebeten worden war, hatte er auf einen schwarzen Bildschirm geblickt. Anscheinend hatte ein über den Zaun gesprungener vermummter Fan ein Kabel aus dem Gerät gerissen. "Dem VAR den Stecker ziehen", stand parallel auf einem Spruchband an der Preußen-Kurve.
Kurz vor der Pause hatte Münsters Niko Koulis den Hertha-Profi Michael Cuisance im Strafraum zu Fall gebracht. Bickel ließ laufen und wurde wenig später von Video-Schiedsrichterin Katrin Rafalski gebeten, sich die Szene noch einmal anzuschauen. Der Referee stand ratlos vorm Bildschirm und bezog sich kurz darauf in seiner Begründung über das Stadionmikrofon ausdrücklich auf den Kölner Keller: "Meine Kollegin Katrin Rafalski hat festgestellt, dass der 24er von Münster Cuisance klar am Schienbein trifft. Deswegen lautet meine finale Entscheidung: Strafstoß." Reese verwandelte. Der Schiedsrichter trifft eine Entscheidung in einem derartigen Fall auf Basis der VAR-Informationen. Formal ist das On-Field-Review nicht verpflichtend.