Fußball

So läuft der fünfte Spieltag Schalke ist dem Abgrund näher als gedacht

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Ziemlich weit unten.

(Foto: Matthias Koch/Pool)

Es ist Revierderby in der Fußball-Bundesliga und keiner geht hin. Gut, hauptsächlich, weil niemand ins Stadion darf. Aber vielleicht auch, weil der FC Schalke die Realität noch ablehnt und Borussia Dortmund sich wieder in die Krise redet. Der FC Bayern erlebt dagegen ein Déjà-vu und in Berlin herrscht Gesangsverbot.

Spiel der Woche: Borussia Dortmund - FC Schalke 04

So schlimm ist das doch gar nicht, was der FC Schalke so macht. Sicher, Platz 17 ist ungünstig, außerdem sind die Knappen seit Januar in der Bundesliga 20-mal in Folge sieglos geblieben. Und natürlich, die schlechteste Defensive und die - mit Mainz und Wolfsburg - schwächste Offensive der laufenden Saison ist auch nicht berauschend. Aber Abstiegskampf, davon ist Schalke "noch weit weg". Sagt zumindest Manuel Baum, seit kurzem als Trainer verantwortlich in Gelsenkirchen. Denn: "Wir haben jetzt erst den fünften Spieltag."

Das ist natürlich richtig, aber einerseits steigt an diesem fünften Spieltag das Revierderby, das für viele Fans von Königsblau und Schwarzgelb wichtigste Duell des Jahres. Und andererseits, und das beschreibt die Schalker Not vielleicht am besten, wäre so ein 0:3 im Revierderby bei Borussia Dortmund am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei ntv.de) kein schönes Ergebnis beim Tabellendritten. Aber doch ein Fortschritt gemessen an den Gastspielen beim Ersten in Leipzig (0:4) und beim Zweiten in München (0:8). Also ist der Abstiegskampf doch ziemlich nah.

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Dem Ex-Schalker Benedikt Höwedes zufolge herrscht daher "unheimlicher Druck", zugleich allerdings auch "die große Chance, diese Blockade ein wenig zu lösen." Was überraschenderweise auch für die Dortmunder gilt, nachdem die Borussia am Dienstag nicht nur mit 1:3 bei Lazio Rom verlor, sondern einmal mehr lethargisch, fehlerbehaftet und unkonzentriert agierte. Oder wie Sportdirektor Michael Zorc sagte, der einen zwar ausgelutschten, aber eben zutreffenden Witz machte: "Wir haben in Rom vor allem im Spiel gegen den Ball die Abstandsregel vorbildlich eingehalten."

Trainer Lucien Favre steht - wieder oder immer noch? - in der Kritik, zu wenig aus dem Potenzial der Mannschaft zu machen. Dass er Stammtorwart Roman Bürki wiederholt auf die Bank setzte, ohne nach dessen auskurierter Erkältung eine nachvollziehbare Begründung dafür zu liefern, verstärkt diese Entwicklung. Eine Torhüter-Diskussion ist historisch gesehen nur in den aller-seltensten Fällen stimmungsfördernd.

Dabei ist das mit der Stimmung bei Geisterspielen und Fast-Geisterspielen ja ohnehin so eine Sache, aber viel wichtiger als die Laune vor Anpfiff ist ohnehin die Laune nach Abpfiff. Die wird bei den Dortmundern nur gut sein, wenn es einen (klaren) Sieg gibt und könnte bei den Schalkern schon in Ordnung sein, wenn eine knappe Niederlage nach einer guten Leistung gibt. Was deutlich macht, wie trist die königsblaue Lage ist.

Was ist sonst noch los?

Vor rund einem Jahr war diese Paarung eine verhängnisvolle, vor allem für den FC Bayern. Damals nämlich fertige Eintracht Frankfurt den Rekordmeister mit 5:1 ab, Niko Kovac war danach nicht mehr Trainer in München, Hansi Flick übernahm und führte den Klub zum Triple. Das war in Frankfurt, diesmal sind die Bayern Gastgeber. Mit einem Sieg heute um 15.30 Uhr (alle Spiele im Liveticker bei ntv.de) könnten Robert Lewandowski & Co. Tabellenführer werden. Allerdings braucht es dazu Berliner Hilfe, denn Hertha müsste parallel verhindern, dass RB Leipzig gewinnt. Eine schwierige Aufgabe, denn der Hauptstadtklub hat seit dem Auftakterfolg in Bremen dreimal in Folge verloren, während die ungeschlagenen Sachsen inklusive Pokal und Champions League fünf von sechs Spielen gewannen.

Ein ähnlich ungleiches Duell scheint es in Mainz zu geben: Der FSV steht noch ohne jeden Punkt da, Borussia Mönchengladbach spielte unter der Woche 2:2 beim italienischen Vizemeister Inter Mailand. In der Bundesliga allerdings konnten die Fohlen nur eines von vier Spielen gewinnen, da kommt das Schlusslicht vermeintlich gerade recht. Das vierte 15.30-Spiel bestreiten der 1. FC Union, der vom Gesundheitsamt Treptow-Köpenick die Erlaubnis für 4500 nicht-singende Fans erhalten hat und der SC Freiburg.

Am Sonntag um 15.30 Uhr empfängt der VfL Wolfsburg den ordentlich gestarteten Aufsteiger Arminia Bielefeld - vielleicht gelingt es den Niedersachsen im fünften Versuch ja mal, nicht Unentschieden zu spielen. Um 18 Uhr beschließen Werder Bremen - nach Quarantäne - und die TSG Hoffenheim - nach dem zweiten Sieg im 16. Europapokalspiel der Vereinsgeschichte - das Wochenende. Den Spieltag komplettieren am Montagabend ab 20.30 Uhr dann Bayer Leverkusen und der FC Augsburg.

Was war gestern los?

Eine schlimme Serie überdauert das Wochenende auf alle Fälle, egal, was der FC Schalke 04 macht: Der 1. FC Köln gewann nämlich auch das 15. Bundesliga-Spiel in Serie nicht. Beim VfB Stuttgart gerät der Kriselklub schon nach 23 Sekunden in Rückstand - ohne überhaupt einmal in Ballbesitz gewesen zu sein. Nur zwei Minuten nach dem Blitzrückstand klingelte es schon wieder, diesmal aber nur am Lattenkreuz des Tores von Timo Horn. Doch - vielleicht ein kleiner Funke Hoffnung oder doch schon ein großes Vorbild für den FC Schalke - Köln fiel nicht auseinander, arbeite sich zurück ins Spiel und kam durch ein Stuttgarter Elfmetergeschenk zum Ausgleich. Die Horror-Serie, sie hielt. Ein Pünktchen Hoffnung hat das 15. sieglose Spiel aber gebracht. Immerhin.

Unseren ausführlichen Spielbericht finden Sie hier.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Die Psyche ist ein großes Thema. In den Gesprächen mit den Spielern hört man, dass die Fantasie abhandengekommen ist, ein Tor zu schießen. Es ist gar nicht mehr im Kopf, dass wir eines schießen können."

Der Schalker Trainer Manuel Baum über die offensiven Sorgen seiner Mannschaft, die in den jüngsten 20 Bundesliga-Spielen bedauernswerte elf Tore erzielte und nicht ein einziges dieser 20 Spiele gewann.

Quelle: ntv.de