Fußball

Tönnies bei "Klamroths Konter" "Schalke muss man können"

toennies.JPG

Clemens Tönnies ist seit 2001 Aufsichtsratschef von Schalke 04.

Sein erstes Tier hat Schalke-Chef Clemens Tönnies als Kind getötet, der russische Staatskonzern Gazprom ist ihm als Sponsor "herzlich willkommen" und jetzt glaubt er, den richtigen Trainer gefunden zu haben - nachdem er "ein paar Mal danebengelegen" habe.

"Wann haben Sie das erste Mal ein Tier getötet", fragt Moderator Louis Klamroth gleich zu Beginn des Gesprächs. "Wir haben ja mitgeholfen, als Kinder schon, beim Schlachten und so weiter", erzählt Clemens Tönnies. "Wir sind damit groß geworden, und für uns war das auch nichts Unangenehmes." Tönnies ist gelernter Metzger, zudem Fleischwaren-Großhändler, Milliardär - und Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04.

Auf die Frage, was komplizierter sei, der Handel mit Schweinen oder Fußballern, sagt er: "Och, wenn Schalke gut läuft, dann gibt's keine Probleme." Man könne die beiden Bereiche nicht vergleichen. "Das eine ist publikumswirksam und wahnsinnig emotional - im Fußballgeschäft - und das andere ist die Emotionalität ums Produkt. Fleisch steht immer ein bisschen im Fokus, weil die Leute zu Recht sagen: Wo kommt das her, wie wird es gewonnen?"

Wenn es um sein Unternehmen geht, wurden solche Fragen in der Vergangenheit nicht immer so beantwortet, wie er sich das vermutlich wünscht. Angesprochen auf Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen entgegnet Tönnies, sein Unternehmen habe als Marktführer dafür gesorgt, dass der Mindestlohn gezahlt werde und dass sich die Bedingungen verbessert haben. "Wir haben im Grunde genommen die Branche ein Stück weit gezwungen, dem auch zuzustimmen." Aber kann er garantieren, dass alle, die für ihn arbeiten, in seinem Unternehmen oder in Subunternehmen, den Mindestlohn bekommen? "Ich kann nicht dafür garantieren, dass jeder unserer Partner redlich arbeitet, aber wir achten darauf, wir kontrollieren das, soweit wir das dürfen."

n-tv zeigt "Klamroths Konter" mit Clemens Tönnies am Dienstag um 23.30 Uhr und am Mittwoch und 17.30 Uhr.

Aber natürlich geht es in "Klamroths Konter" auch um Fußball. Ihm habe gefallen, was der neue Schalke-Trainer Domenico Tedesco nach dem Saison-Auftaktsieg gegen Leipzig gesagt habe, so Tönnies. "Ich habe mit ihm telefoniert, hab ihm natürlich gratuliert, hab der gesamten Mannschaft gratuliert, und er hat gesagt: 'Ja, das Spiel hat mir ganz gut gefallen, aber wir haben noch nicht alles richtig gemacht, wir müssen besser werden.' Also, von Euphorie ist zumindest in dem Team nichts zu spüren." Schalke müsse das Ziel haben, in der Champions League zu spielen. "Wir haben eine gute Mannschaft, wir haben einen guten Trainer, wir haben ein gutes Miteinander vor allen Dingen, und ich glaube, dass wir die Chance haben."

"Man darf ja nicht vergessen, dass es nicht immer nur der Trainer ist", sagt Tönnies über die Probleme seines Vereins. "Wir haben uns in den letzten Jahren bemüht, den richtigen Trainer für Schalke zu finden, und haben ein paar Mal danebengelegen. Wir haben das korrigiert und das Management ausgetauscht. Wir haben jetzt einen Trainer gefunden, wo wir sagen: Jawoll, der zeigt seine Handschrift, ist sehr, sehr jung. Wir geben ihm das volle Vertrauen, weil wir davon überzeugt sind." Schalke sei "nicht so einfach zu händeln". Die Erwartungshaltung liege sehr hoch. "Nicht so sehr bei mir persönlich, sondern beim Umfeld, bei den Fans und so weiter. Schalke ist schon 'ne Wucht. Das muss man können. Ganz eindeutig."

Vorbehaltlos stellt Tönnies sich nicht nur hinter Tedesco, sondern auch hinter den umstrittenen Sponsor von Schalke 04. Die Beteiligung des russischen Staatskonzerns Gazprom rechtfertigte er sowohl mit finanziellen Notwendigkeiten ("wir müssen ja in der Lage sein, eine Mannschaft zu honorieren") als auch mit dem Anspruch, Fußball-Diplomatie zu betreiben. Man dürfe die bestehenden Brücken zu Russland nicht einreißen. "Und der Sport ist eine der Brücken, die uns ermöglichen, weiter im Konsens zu bleiben mit den Russen."

Auf Klamroths Frage, was denn passieren müsse, damit Gazprom als Sponsor nicht mehr in Frage komme, sagt Tönnies: "Es passiert nichts. Sie kümmern sich nicht um unser Tagesgeschäft … Sie lassen uns gewähren und sind uns als Sponsor nach wie vor herzlich willkommen."

Quelle: ntv.de, hvo