Fußball

Pokal-Balsam auf den Liga-Horror Schalke siegt (tatsächlich), RB rächt sich

So tasmanisch-desaströs die Bilanz in der Fußball-Bundesliga ist, so schadlos hält sich der FC Schalke 04 im DFB-Pokal. Auch in der zweiten Runde gibt es ein Erfolgserlebnis - gegen Viertligist Ulm. Überzeugend ist der Sieg des Teams von Huub Stevens indes nicht.

SSV Ulm 1846 - FC Schalke 04 1:3 (0:1)

Huub Stevens lachte erleichtert und klatschte zufrieden in die Hände: Mit einem bitter nötigen Erfolgserlebnis hat der "Jahrhunderttrainer" sein wohl letztes Intermezzo als Aushilfscoach bei Schalke 04 beendet und dem Bundesliga-Tabellenletzten ein wenig Einkaufsgeld für den Winter verschafft. Die seit 29 Ligaspielen sieglosen Königsblauen bezwangen in der zweiten Runde des DFB-Pokals den Regionalligisten SSV Ulm mit 3:1 (1:0) und kassierten für den Einzug ins Achtelfinale 700.000 Euro. Damit muss der angeschlagene Sportvorstand Jochen Schneider in der Transferperiode im Januar für den hochverschuldeten Klub vor allem eine Verstärkung für den Angriff finden.

SSV Ulm - Schalke 04 1:3 (0:1)

Tore: 0:1 Serdar (27.), 0:2 Raman (51.), 0:3 Raman (63.), 1:3 Reichert (82.)
SSV Ulm:
Reule - Stoll, Reichert, Geyer (78. Krebs), Schmidts - Sapina (68. Beck) - Heußer, Coban - Jann (72. Kienle) - Gashi (79. Heilig), Rühle (72. Higl); Trainer: Bachthaler.
Schalke: Fährmann - Ludewig (46. Thiaw), Becker, Nastasic, Oczipka - Stambouli, Serdar - Schöpf, Harit (77. Bozdogan) - Skrzybski (89. Kutucu), Raman (67. Hoppe); Trainer: Stevens.
Schiedsrichter: Daniel Schlager (Hügelsheim)
Besonderes Vorkommnis: Fährmann hält Foulelfmeter von Reichert (82.)

Wer als Stevens-Nachfolger nach der kurzen Winterpause die fast schon aussichtslose Mission Klassenerhalt übernehmen wird, soll am Mittwoch bekannt gegeben werden. Als Kandidaten gelten neben Friedhelm Funkel (67) die beiden Ex-Stuttgarter Christian Gross (66) und Alexander Zorniger (53), die Schneider aus seiner Zeit beim VfB kennt. Gross trainierte zuletzt in Saudi-Arabien und Ägypten, Zorniger den dänischen Ex-Meister Bröndby IF. "Ich habe Spaß gehabt in diesen fünf Tagen", sagte Stevens. "Wir haben die nächste Runde erreicht, das ist das Wichtigste. Endlich ist uns mal wieder ein Sieg gelungen."

Mit seinem ersten Tor seit dem letzten Schalker Bundesligasieg am 17. Januar (2:0 gegen Borussia Mönchengladbach) erzielte Suat Serdar die Führung (27.). Benito Raman sorgte mit einem Doppelpack (51. und 63.) für die Entscheidung. Für Ulm traf Johannes Reichert (82.) im Nachschuss nach seinem eigenen Foulelfmeter. Wie schon in der ersten Runde beim 4:1 gegen den Regionalligisten Schweinfurt 05 hatten die reichlich verunsicherten Schalker eine Halbzeit lang wieder Probleme mit dem drei Klassen niedrigeren Klub. Die erste Torchance hatten die couragierten Ulmer durch Nicolas Jann (23.), das erste Tor jedoch erzielte Serdar mit einem Distanzschuss - wie aus heiterem Himmel. Erst nach der Pause wurde das Stevens-Team dominanter. Der Lohn: Nach einem Schuss von Harit, den Ulms Keeper Maximilian Reule nach vorne abwehrte, staubte Raman zum 2:0 ab. Ehe er auch noch die endgültige Entscheidung nachlegte.

TSG Hoffenheim - SpVgg Greuther Fürth 6:7 n.E. (1:1; 2:2)

Den wilden Pokaltanz der SpVgg Greuther Fürth wollten die Spieler der TSG Hoffenheim schon nicht mehr mit ansehen. Andrej Kramaric und Co. flüchteten nach dem 6:7 im Elfmeterschießen gegen den Zweitliga-Dritten im Sprint in die Kabine. Die Fürther feierten derweil ihre vorzeitige Bescherung mit Siegesschreien und La Ola. Nach der regulären Spielzeit und der Verlängerung hatte es 2:2 (1:1) gestanden.

Den ausführlichen Bericht gibt es hier!

FC Augsburg - RB Leipzig 0:3 (0:1)

RB Leipzig hat sich für seine "Niederlage" im Terminstreit gerächt und dem FC Augsburg gründlich das Weihnachtsfest verdorben. Die spielerisch klar überlegene Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann setzte sich im einseitigen Bundesliga-Duell verdient mit 3:0 (1:0) durch und zog zum dritten Mal nacheinander ins Achtelfinale ein. Willi Orban (11.) brachte den Finalisten von 2019 mit seinem Kopfballtreffer früh in Führung, den Rest besorgten Joker Yussuf Poulsen nach feinem Solo (74.) und Angelino mit einem schönen Schuss von der Strafraumgrenze (82.). Augsburg konnte sich bei seinem überragenden Torhüter Rafal Gikiewicz bedanken, dass das vierte Pokalduell mit RB (jetzt 2:2 Siege) nicht viel früher entschieden war.

FC Augsburg - RB Leipzig 0:3 (0:1)

Tore: 0:1 Orban (11.), 0:2 Poulsen (74.), 0:3 Angelino (82.).
Augsburg:
Gikiewicz - Gumny (78. Gruezo), Gouweleeuw, Uduokhai, Iago - Khedira, Oxford (78. Niederlechner) - Caligiuri, Strobl, Vargas - Gregoritsch; Trainer: Herrlich.
Leipzig: Gulacsi - Orban, Upamecano (88. Martel), Halstenberg - Mukiele (77. Adams), Sabitzer, Kampl, Angelino - Haidara (88. Samardzic), Forsberg (63. Poulsen), Dani Olmo (77. Borkowski); Trainer: Nagelsmann
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)

Leipzig hatte die Begegnung wegen des engen Kalenders erst im neuen Jahr spielen wollen, was Augsburg ablehnte. Der FCA werde schon noch "merken", dass RB auch jetzt bereit für den Pokalfight sei, sagte Nagelsmann dazu pikiert - und behielt recht. Weil er den Gegner "sehr tief" und deshalb "eher begrenzten Raum" erwartete, setzte er auf "viele unbequeme, bewegliche Mittelfeldspieler". Das war genau der richtige Ansatz. Leipzig mit den neu ins Team gerückten Emil Forsberg und Dani Olmo spielte dominant und war technisch überlegen. Nordi Mukiele hatte per Kopf die erste gute Gelegenheit, doch Gikiewicz zeigte seine erste von zahlreichen Paraden (10.). Die anschließende Ecke brachte die Gästeführung: Angelino trat sie, Orban war aus fünf Metern zur Stelle. Jeffrey Gouweleeuw hatte sich zuvor verschätzt.

Kapitän Marcel Sabitzer (13.) und Marcel Halstenberg (21.) vergaben Chancen zu einem zweiten Treffer, ehe die Hausherren erstmals überhaupt im RB-Sechzehner auftauchten. Die Halbzeitbilanz machte die Kräfteverhältnisse deutlich: 28:72 Prozent Ballbesitz, 2:8 Ecken, 1:12 Torschüsse aus Sicht der Gastgeber. Nach dem Seitenwechsel legte Augsburg seine Zögerlichkeit immer mehr ab und attackierte deutlich früher. Das eröffnete RB Räume, Gikiewicz musste gegen Kevin Kampl (50.) und Forsberg (52.) retten. Poulsen, schon beim 2:0 in der Liga Mitte Oktober per Traumtor erfolgreich, brachte nach einem Konter die Entscheidung, die Angelino formschön abrundete.

1. FC Köln - VfL Osnabrück 1:0

Dank Anthony Modeste hat der 1. FC Köln erstmals seit drei Jahren das Achtelfinale erreicht. Der Stürmer entschied das Duell mit dem hartnäckigen Zweitligisten VfL Osnabrück mit seinem Tor und bescherte dem Favoriten zwei Tage vor Heiligabend ein glanzloses 1:0 (1:0). Modeste (45.+1) traf unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff. Für den lange verletzten Franzosen war es das erste Tor seit dem 1:1 in der Bundesliga beim FC Augsburg am 7. Juni. Auf wen die Kölner in der nächsten Runde treffen, wird am 3. Januar ausgelost. Angesetzt ist das Achtelfinale am 2. und 3. Februar.

1. FC Köln - VfL Osnabrück 1:0 (1:0)

Tor: 1:0 Modeste (45.+1)
Köln:
Timo Horn - Wolf, Mere, Bornauw, Katterbach - Skhiri - Salih Özcan (69. Hector), Duda - Limnios, Modeste (69. Rexhbecaj), Jakobs (54. Thielmann); Trainer: Gisdol.
Osnabrück: Kühn - Gugganig, Beermann, Trapp - Multhaup, Taffertshofer (80. Ihorst), Henning (58. Reis), Wolze - Amenyido - Kerk (80. Schmidt), Santos (58. Heider); Trainer: Grote.
Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen)

Kölns Trainer Markus Gisdol hatte vor dem Tabellenzehnten der 2. Liga gewarnt - und die Gäste aus Osnabrück erwiesen sich von Beginn an als unangenehmer und schwieriger Gegner. Mit viel Einsatz, Laufarbeit und lautstarken Kommandos gelang es dem VfL, den Favoriten vom eigenen Tor fernzuhalten. Bei einem Freistoß von Sebastian Kerk (28.) hatte Osnabrück zudem die erste gute Chance. Köln kam dagegen zunächst nicht in die Gefahrenzone. Es mangelte an Tempo, Ideen und Präzision, um den Zweitligisten vor Probleme zu stellen.

Am auffälligsten war noch Ismail Jakobs, doch auch der Junioren-Nationalspieler konnte sich nicht entscheidend durchsetzen. Sein erster Torschuss (35.) flog deutlich vorbei. Kurz darauf landete der Ball nach einer Grätsche von Ellyes Skhiri eher zufällig an der Latte (36.) des Osnabrücker Tores. Köln kam nun zu einigen Abschlüssen und erhöhte den Druck. Modeste wurde bei seiner ersten gefährlichen Aktion gerade noch geblockt (45.), kurz darauf traf der Franzose nach schönen Zuspiel von Ondrej Duda zum 1:0. Mit der Führung im Rücken kontrollierte der FC fortan das Spiel. Osnabrück stieß bei allem Bemühen an seine Grenzen und beschäftigte die Kölner Defensive, die zuletzt in der Liga bei RB Leipzig ohne Gegentreffer geblieben war, viel zu wenig.

Quelle: ntv.de, tno/sid/dpa