Fußball

Bayerns Lewandowski-Dilemma Serge Gnabry weiß, was er nun zu tun hat

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Die einfachste und die sicherste Variante: Serge Gnabry.

(Foto: REUTERS)

Robert Lewandowski ist beim FC Bayern nicht zu ersetzen. Diese Erkenntnis gilt seit Jahren. Gut für die Münchner: Sie müssen ihn auch nicht ersetzen, denn der Stürmer fehlte so gut wie nie. Das ändert sich nun - und der Notfallplanung kennt nur eine Lösung.

Wenn man so will, war das eine Initiativbewerbung. Und die Menschen, die über Erfolg und Misserfolg dieses Vortrags zu entscheiden haben, waren nachhaltig beeindruckt. Was sie, als sie Serge Gnabry lobten, nicht wissen konnten: diese Bewerbung kam zur absolut rechten Zeit. Denn bereits am Tag nachdem der deutsche Nationalspieler seine Tauglichkeit als Mittelstürmer mit zwei Toren beim 3:0-Erfolg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Chelsea nachgewiesen hatte, war die eigentlich mit dem Nichtverfügbar-Stempel versehene Planstelle plötzlich vakant. Robert Lewandowski, der beim FC Bayern der unumstößliche Mann im Zentrum ist, hatte sich verletzt. Vier Wochen wird er ausfallen.

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Es ist ein Szenario, das für den Kader des Fußball-Bundesligisten nicht vorgesehen ist. Einen Ersatz für den Polen gibt es nicht. Zumindest keinen etablierten, der sein Habitat hauptsächlich im Strafraum des Gegners verortet. Klar, es gibt Fiete Arp, der aber ist von einem Einsatz als Stammspieler so weit entfernt wie Hertha BSC von einer Versöhnung mit Jürgen Klinsmann (nein, nein, Arp und der FC Bayern haben keinen Streit und es gibt, soweit wir wissen, auch keine brisanten Protokolle). Und ja, es gibt auch noch Joshua Zirkzee, der sich in der Hinrunde als Ein-Kontakt-Erlöser einen Namen machte. Ob der 18-Jährige aber auch funktioniert, wenn er plötzlich Zielspieler Nummer eins ist?

Womöglich scharwenzelt Thomas Müller einfach ein paar Meter weiter nach vorne. Aus dem Mittelfeld in den Sturm. Es sind allerdings allzu oft die paar Meter, die den ungreifbaren Spitzenfußballer Müller in eine unauffällige Mittelmäßigkeit transformieren. Und jetzt, wo der Müller so gut wie seit Jahren nicht ist, und er starke Lobbyisten pro Nationalmannschafts-Rückkehr hinter sich weiß, da bleibt der Müller besser da, wo er ist. Wobei eine exakte Positionsangabe des 30-Jährigen ja nie möglich ist, für kein Navi der Welt.

Der simpelste Griff ist Gnabry

Was also bleibt Trainer Hans-Dieter Flick? Nun, Gnabry. Der ist auf Rechtsaußen zwar unverzichtbar, aber in Zeiten wo das kleinere Übel gefunden werden muss, ist eine Versetzung des 24-Jährige die A-Option. Denn in dem sich stabilisierten System der Münchner sind mit der Verschiebung des schnellen Dribblers die geringsten statischen Änderungen verbunden. So könnte Philippe Coutinho, der bei den Münchnern trotz guter Werte - sieben Tore und acht Vorlagen in 29 Spielen - weiter in der Bringschuld steht, endlich nachhaltig Werbung für einen Verbleib über den Sommer hinaus machen. Auch Leon Goretzka wäre eine Option. Mit seiner Wucht und seiner Dynamik würde er allerdings die Müller-Position bespielen und den Scharwenzler einfach ein paar Meter zur Seite schieben. Was er indes sehr freundlich tun würde.

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Viele andere Varianten wären noch denkbar, allerdings nur mit massiven Eingriffen in den gut funktionierenden, wenn auch zuletzt nicht immer konsequenten Vortrag der Mannschaft über 90 Minuten. David Alaba könnte beispielsweise von seiner Aufgabe als Abwehrchef - die er überragend erledigt  - entbunden werden, wieder nach links rücken und den furiosen Alphonso Davies, gelernter Außenstürmer, nach vorne schieben. In der Mitte, der Vollständigkeit halber, wäre dann Weltmeister Lucas Hernandez wieder erste Wahl.

Nun die einfachste und die sicherste Variante ist Gnabry. Er hat die Position im Zentrum bereits beim FC Bayern probiert, wenn auch nur sporadisch. Sicherheit für das Spiel als Stürmer hat er sich derweil als Mitglied der "Moped-Gang" (zu ihr gehören auch Timo Werner und Leroy Sané) im DFB-Team geholt. Bundestrainer Joachim Löw setzt den 24-Jährigen regelmäßig als "Neun" ein. Und Gnabry überzeugt mit seiner Technik, mit seiner Abschlussstärke - mit seiner Schnelligkeit sowieso. In den vergangenen drei Spielen für die Münchner hat er fünfmal getroffen, insgesamt kommt er auf 17 Treffer und zehn Vorlagen in 30 Spielen. "Er hat eine sehr, sehr gute Entwicklung gemacht", lobte Flick nach dem Sieg in London. "Serge hat super Fähigkeiten im Eins-gegen-eins und auch im Torabschluss"

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Ein Ersatz für Lewandowski, das aber ist auch Gnabry nicht. Der 31-Jährige spielt die wohl beste Saison seines Lebens. In 33 Spielen hat er 39 (!) Tore erzielt, fünf dazu noch vorbereitet. Er strahlt das Maximum an Willen, an Siegeswillen aus. Die Champions League, die ist sein Ziel. Nach sechs vergebenen Anläufen mit dem FC Bayern soll endlich der große internationale Titel her. Wie gut, dass er dafür beim FC Chelsea vorgearbeitet hat. Beide Tore von Gnabry hat er aufgelegt, das 3:0 selbst erzielt. Das Viertelfinale damit so gut wie sicher. Wenn ein längerer Ausfall von Lewandowski jemals nicht so schlimm war, dann jetzt.

Quelle: ntv.de