Fußball

"Phonzy, Phonzy, Phonzy!" Wie Davies den FC Bayern verzaubert

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Alphonso Davies hat allen Grund zur Freude und auch Robert Lewandowski feiert ihn.

(Foto: imago images/Eibner)

Die Fans feiern ihn, der Trainer lobt, seine Mitspieler schwärmen. Spätestens seit dem Sieg beim FC Chelsea in der Champions League haben sie beim FC Bayern einen neuen Liebling: Alphonso Davies, der an der Stamford Bridge allerdings nur seine zweitbeste Saisonleistung zeigt.

Der Mann mit der Nummer 19 auf dem roten Trikot hatte just seine zweitbeste Leistung in diesem Jahr, ach was, in dieser Saison gezeigt. Und nachdem sie alle Fußballer des FC Bayern nach ihrem 3:0 (0:0) beim FC Chelsea im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gefeiert hatten, wollten die Fans ihn unbedingt noch einmal sehen. Sie riefen ihn zu sich ans südliche Ende der altehrwürdigen Stamford Bridge: "Phonzy, Phonzy, Phonzy!"

Doch Alphonso Davies, der genauso viele Jahre zählt wie es die Nummer auf seinem Rücken anzeigt, zierte sich ein wenig. Er umarmte den noch ein Jahr jüngeren Joshua Zirkzee, der die Partie auf der Ersatzbank verbracht hatte, und dann zog es ihn wie die Kollegen zum Spielertunnel. Doch Robert Lewandowski lachte und stieß ihn mit beiden Händen in Richtung Anhänger. Davies machte kehrt, klatschte in die Hände und strahlte.

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Es war ein feuchtkalter Dienstagabend im Südwesten Londons, an dem die Bayern nicht nur ihre Fans erfreuten, sondern auch sich selbst. Es lief, das kann man so sagen, besser als sie es erwartet hatten. Ein Tor zu schießen, das war das Ziel. Zu frisch war die Erinnerung an das vergangene Jahr, als die Münchner nach dem 0:0 beim FC Liverpool sehr zufrieden waren, dann das Heimspiel verloren und das Viertelfinale verpassten. Dass es aber gleich drei Treffer wurden, war eine reife Leistung. Schon in der ersten Halbzeit waren sie überlegen. Das ist im Fußball allerdings keine Kategorie, zumindest keine belastbare. Wenn die Tore fehlen, ist es brotlose Kunst. Und Chelsea war, auch das gehört zur Geschichte dieses Spiels, bei seinen Kontern einige Male gefährlich. Trainer Hans-Dieter Flick behauptete hinterher, er habe die Mannschaft in der Pause zwar gelobt, ihr aber auch geraten, "noch eine Schippe draufzulegen". Es hat jedenfalls funktioniert.

Und weil das nach den Toren von Serge Gnabry in der 51. und 54. Minute sowie dem Treffer von Lewandowski in der 76. Minute alles so schön war, war Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge guter Dinge. Bei seiner Rede nach dem Spiel im Hotel "8 Northumberland Avenue" schenkte er Flick erst einen Stift als nachträgliches Geburtstagsgeschenk und sagte dann: "Mit Stiften unterschreibt man beim FC Bayern manchmal auch Papiere." Das bedeutet, dass Flick sich darauf einstellen kann, über den Sommer hinaus das Team trainieren zu dürfen.

"Natürlich ein sehr gutes Ergebnis für uns"

Es gab Jahre, da fing der Spaß für den FC Bayern um diese Zeit mit den internationalen K.-o.-Spielen erst richtig an. In dieser Saison aber hatten die Münchner schon vorher genug damit zu tun, den Trainer zu wechseln, zu sich selbst zu finden und sich ab Anfang November mit Flick statt Niko Kovac zurück an die Spitze der Bundesliga zu arbeiten. Dennoch war das vor 36.761 Zuschauern an der Stamford Bridge die bisher wichtigste Partie in dieser Spielzeit. Abgesehen davon, dass der nationale Meistertitel noch lange keine ausgemachte Sache ist, entscheidet immer noch das Abschneiden in der Champions League darüber, ob es am Ende eine gute oder sehr gute Spielzeit war.

Und da hat Flick nun mit dem hochverdienten Sieg in London gut vorgelegt. Sichtlich zufrieden sagte er: "Natürlich ein sehr gutes Ergebnis für uns. Die Mannschaft hat das umgesetzt, was wir ihr mit auf den Weg gegeben haben." Selbst gemessen an diesem Maßstab, dass die Königsklasse beim FC Bayern immer noch mehr zählt als alles andere, war der konzentrierte und letztlich auch dominante Auftritt mehr als in Ordnung. Die Frage vorher war, ob es sie in diesem Hinspiel des Achtelfinales schaffen, ihre obligatorische Schwächephase so kurz wie möglich zu halten, nachdem sie zuletzt in der Liga stets stark starteten, um dann noch stärker nachzulassen. Die Antwort ist: Es hat allemal gereicht. Auch das ist ein Pluspunkt für Flick. Wenn seine Mannschaft so das Rückspiel am 18. März (21 Uhr im ntv.de-Liveticker) bestreitet, steht sie im Viertelfinale. Da wird es für die Klubchefs schwer, seinen Vertrag nicht zu verlängern.

"Es ist ein Traum, der wahr geworden ist"

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Und was war jetzt mit Davies? "Seine Entwicklung ist phänomenal. Er ist vom Typ einer, der gut in die Mannschaft integriert ist und auch einfach Spaß reinbringt", sagte Flick. An der Stamford Bridge trat der kanadische Nationalspieler als Zwitterwesen aus Linksverteidiger und Außenstürmer auf. Der französische Weltmeister Benjamin Pavard erledigte auf der anderen Seite seine defensiven Aufgaben mehr oder weniger solide, fiel offensiv aber nicht weiter auf. Der mit einer außerordentlichen Schnelligkeit gesegnete Davies stürmte die Seitenlinie hoch und runter. Und das mit einer Unbekümmertheit, die geradezu herzerfrischend war. Sein Meisterstück an diesem Abend war die Vorbereitung des 3:0, als er einen Zweikampf gegen Chelseas Jorginho gewann, losrannte, als gäbe es kein Morgen mehr, und dann den Ball auch noch maßgerecht quer auf Lewandowski spielte.

Wie Flick war der Außenbahnspieler im Sommer vergangenen Jahres zum FC Bayern gekommen, für kolportierte zwölf Millionen Euro aus der US-Profiliga MLS von den Vancouver Whitecaps. Und wie Flick war er nicht als Mann für die erste Reihe eingeplant, sondern als Backup für die Offensive. Aber dann verletzte sich Rekordeinkauf Lucas Hérnandez - und Davies nutzte seine Chance als Verteidiger. Mittlerweile ist er kaum noch aus der Startelf wegzudenken. "Es ist ein Traum, der wahr geworden ist", sagte er in London. "Als Junge habe ich diese Spiele dieser Mannschaft gesehen und jetzt stehe ich dort selbst auf dem Platz." Seine beste Saisonleistung aber, um den Kreis zu schließen, zeigte Davies Anfang des Monats. Da veröffentlichte er einen Clip, mit dem er sich für den Oscar in der leider nicht existenten Kategorie "Bestes Webmusical eines Fußballprofis" bewarb.

Ganz großes Kino. Aber wie sagte es Thomas Müller? "Ich finde seine Videos auch gut, aber wichtig ist auf dem Platz." Auch da kann dieser Alphonso Davies ein ganz Großer werden. Müller geriet geradezu ins Schwärmen: "So etwas wie ihn hat man bei Bayern vorher noch nicht gehabt mit seinem Körper und seiner Schnelligkeit. Noch beeindruckender ist aber, wie er sich taktisch entwickelt hat. Er kam als Linksaußen und bringt jetzt Weltklasseleistungen links hinten." Und auch vorne. Hätte nur noch gefehlt, dass Müller in die Rufe der Fans eingestimmt hätte: "Phonzy, Phonzy, Phonzy!"

Quelle: ntv.de