Fußball

Böser Bube oder Stratege? Sergio Ramos polarisiert mit Unfairness

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Der Käpt'n hat den Pott: Sergio Ramos.

(Foto: imago/Xinhua)

Er foult Mohamed Salah, der nun das WM-Aus fürchten muss. Er versetzt Loris Karius einen Schlag miz dem Ellenbogen. Und er lässt sich nach einem Trikotzupfer fallen. Sergio Ramos gewinnt zwar mit Real die Champions League. Viele Freunde aber macht er sich nicht.

Die verklausulierte Entschuldigung von Sergio Ramos kam fast zwei Stunden nach Mitternacht. "Manchmal zeigt dir der Fußball seine gute Seite und manchmal seine schlechte. Vor allem sind wir Profi-Kollegen. #GuteBesserung @MoSalah", twitterte der Kapitän von Real Madrid. Sein hartes Einsteigen in der ersten Halbzeit des Champions-League-Finales hatte Liverpools Stürmer Mohamed Salah eine Schulterverletzung eingebracht.

War es ein normaler Zweikampf oder die gezielte Schwächung des Gegners? Auch der deutsche Torwart Loris Karius war von Ramos Minuten vor seinem ersten schlimmen Fehler attackiert worden. Wie die grenzwertige Ringereinlage gegen Salah ließ Schiedsrichter Milorad Mazic auch den Ellenbogenschlag gegen Karius ungeahndet. Während Karius zur tragischen Figur wurde und Salah um seinen WM-Einsatz für Ägypten bangt, durfte Ramos in Kiew den Henkelpott nach dem 3:1 (0:0) gegen den FC Liverpool wieder in die Höhe stemmen. Als erster Spieler seit Franz Beckenbauer (1974 bis 1976) hat der Spanier nun ein Team als Kapitän zu drei Titeln im höchsten europäischen Klubwettbewerb geführt.

Am Limit des Erlaubten

Böser Bube oder genialer Stratege am Limit des Erlaubten? Ramos bewegt sich in der Grauzone der Antwort auf diese Frage. Genau deshalb ist er für Real der Schlüsselspieler. Liverpools Trainer Jürgen Klopp fand die Aktion gegen Salah "brutal". Ramos war es egal. "Weiße Dynastie. Obwohl mit viel Glück, drei in Serie", schrieb er noch vor der Entschuldigung über den Titel-Hattrick in der Königsklasse. Ein ernsthaft schlechtes Gewissen schien er allerdings nicht zu haben, die Anhänger feierten ihn und seine Kollegen.

Außerhalb der Fangemeinde der Königlichen hielt sich die Begeisterung für Ramos allerdings in engen Grenzen. Im Internet schlugen ihm Wut und Entrüstung über seine mitunter unfaire Spielweise entgegen. Insbesondere seine Wrestling-Einlage gegen Salah sorgte für Entrüstung. "In Ägypten hat sich Ramos damit wohl keine Freunde gemacht", sagte auch Klopp. Die Szenen mit Salah und Karius waren nicht seine einzigen fragwürdige Aktionen. Nach einem Trikotzupfer von Sadio Mané fiel Ramos theatralisch zu Boden und hielt sich schmerzverzerrt das Gesicht.

Sergio Ramos ist unbestritten einer der besten Abwehrspieler der Welt. Das Stellungsspiel des Welt- und Europameisters ist exzellent, zudem besticht er durch Torgefahr. Überharte Zweikämpfe und Schauspieleinlagen zeichnen ihn jedoch genauso aus.

Quelle: ntv.de, sgi/dpa/sid