Fußball

Ronaldo in die Falle locken So könnte der FC Bayern Real knacken

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Vielleicht schießt auch Thomas Müller einfach ein Tor. Oder Robert Lewandowski.

(Foto: imago/ActionPictures)

Hat der FC Bayern gegen Real Madrid überhaupt eine Chance? Warum nicht? Es kommt für die Münchner darauf an, dass sie sich in diesem Halbfinale der Champions League einigermaßen schlau anstellen. Dann klappt's. Oder halt nicht.

Für die einen ist es das vorgezogene Endspiel der Champions League, für die anderen das Duell der zwei großen Glückspilze in diesem wichtigsten europäischen Fußball-Wettbewerb. In jedem Fall aber verkörpern der FC Bayern und Real Madrid genau das, was die Macher in der Königsklasse sehen wollen: zahlreiche Superstars auf und neben dem Rasen und globale Bekanntheit der Marken. An diesem Mittwoch nun (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) treffen sie im Halbfinalhinspiel in München aufeinander.

K.o.-Duelle im Europapokal

1975/1976, Halbfinale
FCB - Real 2:0 (2:0), Real - FCB 1:1 (1:1)

1986/1987, Halbfinale
Real - FCB 1:0 (1:0), FCB - Real 4:1 (3:1)

1987/1988, Viertelfinale
Real - FCB 2:0 (2:0), FCB - Real 3:2 (2:0)

1999/2000, Halbfinale
FCB - Real 2:1 (1:1), Real - FCB 2:0 (2:0)

2000/2001, Halbfinale
FCB - Real 2:1 (2:1), Real - FCB 0:1 (0:0)

2001/2002, Viertelfinale
Real - FCB 2:0 (0:0), FCB - Real 2:1 (0:1)

2003/2004, Achtelfinale
Real - FCB 1:0 (1:0), FCB - Real 1:1 (0:0)

2006/2007, Achtelfinale
FCB - Real 2:1 (1:0), Real - FCB 3:2 (3:1)

2011/2012, Halbfinale
Real - FCB 1:3 (2:1, 2:1, 2:1) i. E. , FCB - Real 2:1 (1:0)

2013/2014, Halbfinale
FCB - Real 0:4 (0:3), Real - FCB 1:0 (1:0)

2016/2017, Viertelfinale
Real - FCB 4:2 n.V., FCB - Real 1:2 (1:0)

Beide Klubs haben sich in den vergangenen Dekaden schon des Öfteren duelliert. Und zuletzt gingen die Partien meist zugunsten der Spanier aus, die sich den Champions-League-Titel zweimal in Folge gesichert haben. Eine erneute erfolgreiche Titelverteidigung möchten die Bayern nun verhindern - und ihre eigene Erfolgsgeschichte weiterschreiben.

2018 dürfte nun tatsächlich das letzte Amtsjahr in der grandiosen Karriere von Jupp Heynckes sein. 2013 holte er den Henkelpott nach München. Das versucht der 72 Jahre alte Trainer auch in dieser Saison - mit recht ähnlichen Mitteln. Nachdem der FC Bayern zu Saisonbeginn wie ein Schatten seiner selbst wirkte und jegliche Stabilität in allen Spielphasen vermissen ließ, wurde Carlo Ancelotti beurlaubt. Heynckes machte sich umgehend an die Arbeit, das einst erdrückende Offensivspiel wiederzubeleben.

Wie schon 2013 vertraut er dabei auf Europas routinierteste Flügelzange mit Arjen Robben und Franck Ribéry sowie die unablässige Unterstützung der beiden Außenverteidiger. Joshua Kimmich ist in die Fußstapfen Philipp Lahms getreten und füllt sie beachtlich gut aus. David Alaba hat nach einem leichten Formknick wieder die Kurve bekommen. Hinzu kommt das offensive Mittelfeld, wo wahlweise Thiago Alcántara, James Rodríguez und Thomas Müller für viel Dynamik durch ihre Bewegungen im Zwischenlinienraum wie auch in Richtung der Außenbahnen sorgen.

Madrids Manndeckung brechen

Genau diese Flexibilität und ständigen Bewegungen könnten sich gegen Real Madrid als Trumpf entpuppen. Die Spanier sind eventuell den Bayern im Eins-zu-Eins-Vergleich leicht überlegen, aber sie berauben sich ihre eigenen Möglichkeiten mit teils eklatanten Defensivfehlern. Im Viertelfinale stand die Mannschaft von Zinédine Zidane am Rande des Ausscheidens aus der Champions League, als sie nach einem 3:0-Sieg bei Juventus Turin plötzlich 0:3 im eigenen Stadion zurücklag. Ein später Elfmeter von Cristiano Ronaldo rettete die Madrilenen vor der Blamage. Manch einer mag spekulieren, dass sie aufgrund des deutlichen Resultats im Hinspiel nicht mit allerletztem Ernst an die Sache gingen.

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Durchaus sicher am Ball: Toni Kroos.

(Foto: imago/Cordon Press/Miguelez Sports)

Dabei untermauerte die Partie gegen Juventus nur, was sich schon vorher angedeutet hatte. Madrid kann eine Partie nur schwerlich über 90 Minuten kontrollieren. Selbst wenn der Ball vielfach durch die eigenen Reihen läuft und Mittelfeldakteure wie Toni Kroos und Luka Modrić enorm ballsicher sind, so ist Zidanes Mannschaft nie davor gefeit, einen Fehler zu begehen. Juventus traf beispielsweise nach recht lapidaren Flügelangriffen, die nicht einmal allzu dynamisch gespielt wurden. Stattdessen genügte ein Ballgewinn gegen Abräumer Casemiro und eine Rochade im Zentrum, um allein zwei Tore nach Flanken zu erzielen.

Was den Madrilenen am häufigsten auf die Füße fällt, ist ihre mannorientierte Spielweise. So verloren sie in dieser Saison schon den Clásico gegen den FC Barcelona und kamen auch gegen Juventus in die Bredouille. Zidane präferiert klare Zuordnungen. Insbesondere der gegnerische Spielmacher soll in Manndeckung genommen werden. Beim Rückspiel gegen Juventus wurde Isco zur Bewachung von Miralem Pjanić geopfert. Der Bosnier erkannte bereits in den Anfangsminuten, was Madrid geplant hatte, und bewegte sich nach vorne oder zur Seite, um Isco aus dem Zentrum wegzuziehen und ein Loch zu reißen. Außerdem erzeugte die Mittelfeldraute, die Zidane aufgrund von Iscos Rolle einsetzen musste, viel Platz auf den Flügeln, wo insbesondere Juventus' Außenverteidiger ihr Unwesen vor den Treffern trieben. Zidane musste zur Halbzeitpause auf ein System mit doppelter Flügelbesetzung umstellen.

Noch fataler wirkte sich die strikte Manndeckung bei der 0:3-Niederlage gegen Barcelona im Estadio Santiago Bernabéu im Dezember aus. Mateo Kovačić wurde auf Lionel Messi angesetzt, was zu skurrilen Szenen führte. Beim Führungstreffer Barças marschierte Ivan Rakitić im Konterangriff 50 Meter übers Feld. Kovačić blockierte die Laufbahn nicht und blieb stattdessen stoisch bei Messi. Er befolgte Zidanes Anweisung, aber Madrid geriet in Rückstand.

Die Bayern haben nicht diesen einen klaren Schlüsselspieler, den Madrid in jedem Fall in Deckung nehmen wird. Aber Heynckes kann sich und seine Mannschaft bereits darauf einstellen, dass es zu eindeutigen Zuordnungen kommen könnte. Dadurch ließen sich Lücken reißen und Pass- wie auch Laufwege kreieren. Eventuell überlegt sich der Trainer des FC Bayern sogar eine Finte und positioniert einen Spielmacher wie Thiago absichtlich tief im Mittelfeld, um den direkten Bewacher aus der Position zu ziehen.

Die allgegenwärtige Gefahr

Das Spiel bei eigenem Ballbesitz ist für die Bayern jedoch nur die halbe Miete. Sie sind trotz aller Erfolge, die Heynckes in den vergangenen Wochen und Monaten verbuchte, nicht hundertprozentig sattelfest in der Defensive. Aufgrund des Losglücks in der bisherigen K.-o.-Runde der Königsklasse wurden die Münchner nur gelegentlich gefordert, aber wenn dies der Fall war, wie etwa im Hinspiel beim FC Sevilla, dann gab es doch einige Wackler.

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Der FC Bayern könnte unter Umständen eine Falle aufbauen und den Passweg zu Ronaldo anbieten, um im entscheidenden Moment zuzuschnappen und den Umschaltangriff einzuleiten.

Real Madrid verfügt mit Cristiano Ronaldo über eine Art Torgarantie. Der Portugiese traf bis jetzt in jedem Champions-League-Spiel in dieser Saison. Er wird insbesondere im letzten Spielfelddrittel von seinen Mitspielern gesucht. Auch deshalb läuft der Spielaufbau Madrids oft nach ähnlichen Mustern ab: Toni Kroos lässt sich nach links fallen und übernimmt den Ball. Linksverteidiger Marcelo rückt an der Außenlinie nach vorn. Ronaldo wartet im linken Halbraum und die weiteren Offensivspieler positionieren sich für Ablagen.

Selbst wenn sich nur kleine Lücken ergeben, kann Kroos zumeist hindurchspielen. Für die Bayern würden sich nichtsdestotrotz Pressingfallen anbieten, indem sie beispielsweise den Passweg zu Ronaldo geöffnet lassen, aber im richtigen Moment zugreifen und den Ball vor Kroos erobern. Da Casemiro bedenkenlos ungedeckt gelassen werden kann, weil dem Brasilianer die Kreativität und Passsicherheit fehlt, würden sich eventuell Überzahlsituationen in Ballnähe ergeben.

Ob allerdings die Bayern über 180 Minuten Ronaldo isolieren können, ist eher fraglich. Während der deutsche Rekordmeister für den Titelgewinn vor fünf Jahren einen nahezu erdrückenden Pressing- und Gegenpressingstil perfektioniert hatte, geht ihm dieser Perfektionismus in dieser Saison ab.

Beide Teams sind bis jetzt nicht in beeindruckender Manier durch den Wettbewerb marschiert. Die Bayern durften sich bei der Losfee für zwei machbare Aufgaben in Achtel- und Viertelfinale gegen Beşiktaş und Sevilla bedanken, was ihnen half, sich weiter in Ruhe zu stabilisieren. Bei Madrid wechselten sich die glanzvollen Auftritte - wie etwa die Heimsiege über Paris Saint-Germain und Juve - mit durchwachsenen Partien ab. Für Heynckes und seine Spieler gibt es insofern einen realistischen Weg zum Sieg.

Quelle: n-tv.de

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