Fußball

Gericht gibt Bundesligist recht "Stadt-Verbot" für Fans war rechtswidrig

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Ein leeres Stadion noch vor Corona: Um das Spiel von Eintracht Frankfurt in Marseille gibt es auch drei Jahre später noch Diskussionen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eintracht Frankfurt reist 2018 für einen großen Europapokal-Abend nach Marseille, aber außer dem Team darf niemand mit. Vor allem keine Fans. Die dürfen nicht ins Stadion und noch nicht mal in die Stadt. Drei Jahre später gibt es dazu eine Gerichtsentscheidung.

Drei Jahre und drei Monate nach dem Europa-League-Spiel von Eintracht Frankfurt bei Olympique Marseille haben die Hessen einen späten juristischen Erfolg erlangt. Ein Berufungsgericht in Marseille hat nach Angaben des Fußball-Bundesligisten entschieden, dass das damals von der Polizeipräfektur Bouches-du-Rhône gegen alle Eintracht-Fans erlassene Betretungsverbot für das Gebiet der südfranzösischen Hafenstadt rechtswidrig war.

Die Eintracht hatte gemeinsam mit der Organisation Football Supporters Europe (FSE) und dem nationalen französischen Fanbündnis ANS Klage vor einem Berufungsgericht in Marseille eingelegt. Dieses habe nun festgestellt, dass die Maßnahme "weder erforderlich noch verhältnismäßig" gewesen sei und daher "für nichtig" erklärt werden müsse. Wegen vorangegangener Verfehlungen von Marseille-Fans hatte die UEFA für die Partie einen generellen Zuschauerausschluss verfügt. "Eine ungerechte Entscheidung, die Zehntausende für das Verhalten einiger weniger bestrafte. Dennoch hatten sich viele Eintracht-Fans vorgenommen, ihrer Mannschaft nach Südfrankreich zu folgen", kommentierten FSE und Eintracht Frankfurt.

Die Behörden reagierten sechs Tage vor dem Spiel mit dem beanstandeten Erlass, um zu verhindern, dass Frankfurter Anhänger ohne Tickets die geplante Fahrt nach Marseille antreten. "Die vom Polizeipräfekten und vom Innenminister vorgelegten Beweise reichen nicht aus, um nachzuweisen, dass die Anwesenheit von Anhängern von Eintracht Frankfurt zu einer ernsthaften Störung der öffentlichen Ordnung führen könnte", kritisierte das Gericht die Entscheidung der Stadtverwaltung.

"Das Urteil ist sicher ein erster Durchbruch für Fußball-Fans quer durch Europa, die bei allem berechtigten Sicherheitsinteresse von Kommunen und Behörden einen Anspruch darauf haben, dass staatliche Maßnahmen rechtmäßig bleiben und nicht in offenkundig unverhältnismäßigem Maße Grundrechte verletzen", kommentierte Eintracht-Justiziar Philipp Reschke die Entscheidung.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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