Fußball

Bundesliga-Check: FC Schalke 04 Tedesco schwört auf seine 27 "Brüder"

imago36051214h.jpg

Domenico Tedesco verzichtet auf große Stars, setzt auf ein eingeschworenes Team.

(Foto: imago/Team 2)

Der FC Schalke 04 ist wieder ein Spitzenklub: Erst vollführen die königsblauen Fußballer die mentale Totalwende und qualifizieren sich dann für die Champions League. Mit wem will Trainer Tedesco die Topsaison wiederholen? Mit seinen 27 "Brüdern".

Das Risiko der vergangenen Saison hat sich für den FC Schalke 04 mehr als ausgezahlt. Trainer Domenico Tedesco ist aber mal sowas von eingeschlagen! Der blutjunge Neuling war die spektakulärste Neuvorstellung von Sportvorstand Christian Heidel - lieber ein neuer Trainer als eine neue Mannschaft, so schien die Devise zu lauten. Herausgekommen ist dank dieses Coups Tabellenplatz zwei. Und: Die ganze Saison über hatte auf Schalke niemand die T-Frage gestellt, sie blieben in Gelsenkirchen ruhig. Niemand hob ob der großartigen Lage ab, niemand euphorisierte Richtung europäischer Spitzenklasse - mentale Totalwende auf Schalke also. Respekt. Auch das mühselige 2:0 in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Schweinfurt am vergangenen Wochenende bringt Tedesco nicht aus der erfrischenden Ruhe. "Ich habe ein gutes Gefühl", lässt der 32-Jährige verlauten.

Was gibt's Neues?

*Datenschutz

Viele "Brüder" gibt es - so nennt Tedesco seine Spieler liebevoll. Der älteste - der 35-jährige Abwehrchef Naldo - betont die Zusammengehörigkeit anders: "Wir alle sind Kapitäne." Er hat die Strategie von Trainer Tedesco verinnerlicht: Der Kader soll eine homogene Gruppe sein, der Charakter ist ein Kriterium für Neuzugänge. Nur eins suchen die Schalke-Fans vergeblich: den großen Star. Rechtsaußen Steven Skrzybski, der für 3,5 Millionen vom 1. FC Union Berlin in den Pott wechselte, verkörpert aber Leidenschaft. Der 25-Jährige ist seit seiner Kindheit "riesiger Fan" der Schalker. Er "gibt immer 100 Prozent", so Tedesco, was Skrzybski gleich in seinem ersten Spiel mit einem sehenswerten Treffer bewies. Allerdings muss er sich, genauso wie sein Neuzugangskollege Mark Uth (aus Hoffenheim), in der stark besetzen Offensive (Guido Burgstaller, Franco di Santo, Breel Embolo, Cedric Teuchert) erst einmal behaupten.

Suat Serdar, mit elf Millionen Euro der teuerste Einkauf der Schalker in dieser Transferperiode, soll den zum FC Bayern abgewanderten Spielmacher Leon Goretzka beerben. Mit ihm im Mittelfeld zusammenspielen wird wohl Omar Mascarell, der zuvor für Eintracht Frankfurt agierte und dessen Zweikampfstärke sowie Spielintelligenz Tedesco überzeugt hatten. Für Begeisterung sorgte bei seinem Transfer Salif Sané, der den 1,98 Meter großen Routinier Naldo in der Abwehr auf Augenhöhe (1,96 Meter) unterstützen kann. Der Innenverteidiger konnte seinen Marktwert bei Hannover 96 mehr als verdoppeln. Trainer André Breitenreiter adelte ihn als "einer der besten Innenverteidiger der Liga" - und musste ihn nun ausgerechnet zu seinem Ex-Klub ziehen lassen. Allerdings hat Sané eine schwere Aufgabe vor sich: Er muss den für die Topsumme von 37 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain gewechselten Thilo Kehrer ersetzen. Gut für Schalke: Im DFB-Pokal klappte das Zusammenspiel mit Naldo bereits recht ordentlich. Der jüngste Neuzugang Hamza Mendyl könnte als Linksverteidiger neben den beiden Abwehrtürmen spielen.

Auf was kommt es an?

*Datenschutz

Auf die so viel beschworene Gemeinschaft. Was abgedroschen klingt, wird von den Spielern ganz nach Tedescos Devise bereits gelebt. Nach der Pöbelei eines Zuschauers gegen di Santo zeigte die Mannschaft ihre Solidarität mit dem Stürmer. Der Schulterschluss klappt auch mit den Ultras, die Kapitän Ralf Fährmann feierlich eine Binde mit dem Symbol der Nordkurve überreichten. Der Torwart gibt sozusagen die Leitfigur unter seinesgleichen - und setzt voll auf seinen Coach: "Wir haben den besten Trainer der Liga."

Der muss es schaffen, den derzeit 27 Spieler starken Kader auf drei Wettbewerbe zu verteilen. Der Erfolg des Vorjahres bescherte den Schalkern schließlich die Champions League, im DFB-Pokal geht es ebenfalls weiter. Doch von einer Belastung will Tedesco nicht sprechen, sondern vielmehr von einer "Dreifachbelohnung". Er erklärt: "Für uns ist das ein Bonus-Wettbewerb." Und: "Die Champions League wird uns reifer und härter machen."

Was fehlt?

Die Erfahrung mit eben jenem Tanz auf mehreren Bühnen. Erstmals seit 2014 misst sich Schalke in der Champions League. Tedesco darf sich als internationaler Novize gar auf eine völlig neue Situation einstellen. Der Trainer, der so viel und gern mit seinen "Brüdern" kommuniziert, hat künftig nicht mehr so viel Zeit für die Spielvorbereitung. Der Wunsch der Schalke-Verantwortlichen: So unrund wie 2016/17, als Schalke bis ins Europa-League-Viertelfinale kam, in der Liga aber lediglich Platz zehn belegte, soll es nicht wieder laufen.

Goretzka allerdings wird den Königsblauen als routinierter Spielmacher fehlen. Bitter: Nicht einmal Geld gab es für den 23-jährigen Nationalspieler. Zudem weilt auch der zum Schluss reichlich ungeliebte Max Meyer nicht mehr in Gelsenkirchen - sondern in London bei Crystal Palace. Der Kader hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison dennoch qualitativ nicht verschlechtert. Aber eben auch nicht verbessert. Schalke kann sich dank des Transfers von Kehrer mit einem Rekordumsatz von mehr als 300 Millionen Euro brüsten, investiert das Geld aber lieber in die Zukunft statt in einen Starspieler. So bauen die Schalker Verantwortlichen derzeit für rund 100 Millionen Euro ihr Nachwuchsleistungszentrum aus.

Wie lautet das Saisonziel?

"Es wäre schön, wenn wir uns erneut für den internationalen Wettbewerb qualifizieren könnten", so Tedesco. Und sein Kapitän Fährmann, der mit der Ultra-Binde, sagt: "Wir wünschen uns, den nächsten Step machen zu können. Der nächste Step heißt nicht zwangsläufig, die Erfolge der Vorsaison zu wiederholen oder zu toppen, sondern die Entwicklung weiter fortzuführen und unser Fundament größer und fester zu machen." Puh, laaaangweilig! Wie gesagt, Schalker Größenwahnsinn und vorlaute Klappen sucht man vergeblich.

Die n-tv.de-Prognose

So sehr sich Schalke zu einer emotional beruhigten Zone entwickelt hat, so realistisch ist dieses oben aufgeführte Langeweile-Ziel. Ein erneuter Abschluss auf Platz zwei erscheint unwahrscheinlich, denn zu sehr scheuten die Klubs in der vergangenen Saison die Verfolgerrolle des FC Bayern. Am Ende hatten die Schalker die Nase vorn. In dieser Spielzeit wäre Platz eins bis drei ein zu hehres Ziel, Platz vier ist durchaus machbar - allerdings könnte es auch Rang sechs werden. Was das alles bedeutet: Internationaler Wettbewerb. Sie hätten ihr Ziel erreicht.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema