Fußball

Debakel für scheidenden Hütter Torfestival bringt Bayern nah ans Minimalziel

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Jamal Musiala (Nummer 42) traf doppelt für den FC Bayern.

(Foto: imago images/Hübner)

Für Adi Hütter startet der Endspurt in der Fußball-Bundesliga bei Eintracht Frankfurt mit einem Debakel gegen seinen künftigen Arbeitgeber. Der FC Bayern nutzt am 29. Spieltag derweil den Patzer von Verfolger RB Leipzig und zieht nach einem Torfestival nun wohl vorentscheidend davon.

VfL Wolfsburg - FC Bayern München 2:3 (1:3)

Vier Tage nach dem Champions-League-Aus in Paris hat der FC Bayern München wenigstens die neunte deutsche Meisterschaft in Serie so gut wie klargemacht. Die Bayern gewannen das Bundesliga-Spitzenspiel beim Tabellendritten VfL Wolfsburg mit 3:2 (3:1) und haben fünf Spieltage vor dem Saisonende wieder sieben Punkte Vorsprung auf ihren Rivalen RB Leipzig. Nach dem Ausscheiden im Champions-League-Achtelfinal und dem frühen Abschied aus dem DFB-Pokal ist die Meisterschaft die letzte verbliebene Chance des "Sixtuple"-Siegers der Vorsaison auf einen bedeutenden Titel in diesem Jahr.

Ungeachtet der großen Probleme zwischen Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic und auch trotz der Ausfälle mehrerer Topspieler legte der Serienmeister einen starken, nur defensiv manchmal etwas nachlässigen Auftritt hin. Dass die Verletzungen von Robert Lewandowski und Leon Goretzka sowie die Corona-Infektion von Serge Gnabry anders als in der Champions League kaum ins Gewicht fielen, lag vor allem an einem Spieler: Der überragende und erst 18-jährige Jamal Musiala traf in der 15. Minute zum 1:0 und legte nur zwei Minuten nach dem Wolfsburger Anschlusstor durch Wout Weghorst (35.) das 3:1 (37.) nach. Der zweite Münchner Treffer gelang Eric-Maxim Choupo-Moting (24.) nach einem Fehler von VfL-Keeper Koen Casteels.

Nach der Pause machten es die nun deutlich konzentrierteren "Wölfe" durch Maximilian Philipp (54.) noch einmal spannend. Anders als in Leipzig erhofft, waren die in dieser Saison so lange konstanten und physisch starken Wolfsburger am Samstag aber keine Hilfe im Titelrennen. Denn nur eine Woche nach dem 3:4 bei Eintracht Frankfurt zeigte die statistisch noch vor den Bayern zweitbeste Defensive der Liga erneut ungewohnt große Schwächen. Vor dem 0:1 tanzten Alphonso Davies und Musiala im Strafraum gleich vier Wolfsburger aus, ohne entscheidend gestört zu werden. Vor allem das 0:2 "kann man besser lösen, das weiß Koen selbst", sagte Sportdirektor Marcel Schäfer im Sky-Halbzeit-Interview.

Und auch vor dem dritten Bayern-Tor passte im Strafraum niemand auf Musiala auf, was auch dem Flankengeber Thomas Müller die Gelegenheit gab, seinen nur zwei Minuten alten Abspielfehler vor dem 1:2 wieder gutzumachen. "Wenn du gegen eine Mannschaft wie Bayern München bestehen willst, musst du in jedem Moment hellwach sein", sagte Schäfer. Das war sein Team aber erst im zweiten Durchgang und damit zu spät. Da vergaben Weghorst (66.) und Jerome Roussillon (84.) sogar Chancen zum 3:3.

Zwei Siege gegen Bayer Leverkusen (Dienstag) und Mainz 05 (Samstag) vorausgesetzt, könnte der Titelgewinn des FC Bayern bereits am nächsten Wochenende perfekt sein, falls die Leipziger in dieser Englischen Woche noch ein zweites Mal patzen sollten. Dass der Bayern-Sieg in Wolfsburg noch einmal in Gefahr geriet, lag neben der Leistungssteigerung des VfL vor allem an dem Chancenwucher des FCB. Ein drittes Musiala-Tor wurde in der 51. Minute erst von Maxence Lacroix auf der Torlinie verhindert. Und allein Leroy Sané vergab in dieser Partie vier gute Möglichkeiten (26./31./33./56.).

Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 4:0 (1:0)

Borussia Mönchengladbach hat Eintracht Frankfurt innerhalb einer Woche zum zweiten Mal besiegt. Und wie! Mit 0:4 (0:1) ging die Eintracht fünf Tage nach Bekanntgabe des Wechsels von Trainer Adi Hütter im Sommer nach Gladbach im brisanten Bundesliga-Duell bei der Borussia unter. Und die Niederlage hätte angesichts etlicher weiterer ungenutzter Chancen der ersatzgeschwächten Borussen sogar noch deutlicher ausfallen können.

Matchwinner und zugleich tragische Figur war der nach einer Coronavirus-Infektion wieder genesene Nationalspieler Jonas Hofmann, der das 1:0 durch Matthias Ginter (10. Minute) vorbereitete, das 2:0 (60.) selbst schoss und zehn Minuten vor dem Ende benommen vom Platz musste. Der Ex-Borusse Amin Younes hatte Hofmann aus kurzer Distanz den Ball an den Kopf geschossen. Ramy Bensebaini köpfte das dritte Gladbacher Tor (67.), der eingewechselte Hannes Wolf erhöhte in der Nachspielzeit (90.+5) gar auf 4:0. Damit bleibt Hütters zukünftiger Arbeitgeber der einzige Bundesliga-Klub, gegen den der Österreicher noch nie gewinnen konnte.

Im Kampf um die erstmalige Champions-League-Teilnahme steigt nun der Druck für die Eintracht. Am Sonntag hat Borussia Dortmund als Tabellenfünfter die Chance, gegen Werder Bremen wieder bis auf vier Punkte an die Hessen auf Rang vier heranzurücken. Gladbach bleibt nach dem sechsten Spiel in Serie gegen Frankfurt ohne Niederlage aussichtsreich im Rennen um die Europacup-Qualifikation. Das Team von Trainer Marco Rose, der im Sommer nach Dortmund wechselt, blieb im vierten Spiel in Serie unbesiegt. Damit scheint die katastrophale Schwächephase der Borussia mit sieben Pflichtspiel-Niederlagen in Serie nach Roses verkündetem Abgang zum BVB endgültig vergessen.

Hütter dürfte hoffen, dass ihm und der Eintracht nun nicht Ähnliches droht. Am Dienstag hatten die Borussia und die Eintracht den Wechsel des Österreichers öffentlich gemacht. Hütter hatte daraufhin sehr pathetisch seine Liebe für die SGE ("Ich trage Frankfurt im Herzen") geäußert und versprochen, noch motivierter als zuvor zu sein. Im ersten Spiel nach dieser für die Hessen schmerzhaften Entscheidung ausgerechnet in Gladbach spielte die Eintracht aber lange nicht so stark wie zuletzt.

"Jetzt wollen wir den neuen Trainer erstmal ärgern", hatte Gladbachs Nationalspieler Hofmann in der "Rheinischen Post" vor dem brisanten Duell gesagt. Der Offensivspieler, der nach zwei verpassten Partien wieder in die Startelf rückte, bereitete mit seiner genauen Ecke auf Ginters Kopf früh die Führung vor. Dies war schon das 20. Tor Gladbachs nach einer Standard-Situation. Keinem anderen Bundesliga-Team gelangen in dieser Spielzeit mehr.

Frankfurt kam erst langsam ins Spiel, hatte aber deutliche Probleme. Gladbach drückte die Eintracht in ein geordnetes Spiel und ließ den von der Eintracht geliebten wilden Stil gar nicht zu. Nach dem Wechsel drückten die Borussen wieder auf das 2:0, das aber trotz bester Möglichkeiten erst nach einer Stunde durch den starken Hofmann fiel. Gerade als Hütter mit einem Dreifach-Wechsel die Schluss-Offensive der Gäste einleiten wollte, antwortete Gladbach in Form von Bensebainis Kopfball zum 3:0. Die Eintracht war endgültig geschlagen und die Borussia schaltete mehrere Gänge zurück. In der Nachspielzeit setzten die Rheinländer trotzdem noch einen drauf.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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