Fußball

PSG-Coach nach BVB-Duell gelöst Tuchel erstaunt mit kuriosem Sieger-Interview

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Thomas Tuchel triumphiert über seinen Ex-Klub Borussia Dortmund - und ist anschließend überaus gut gelaunt.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Der Sieg im Achtelfinale der Champions League gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund bereitet Trainer Thomas Tuchel sichtlich gute Laune. Endlich besiegt Paris St. Germain den Achtelfinal-Fluch. Dass dieser Erfolg wohl seinen Job rettet, veranlasst Tuchel zu einem denkwürdigen Interview.

Den Ex-Klub geschlagen: Fußballtrainer Thomas Tuchel machte aus seiner Genugtuung keinen Hehl. Gerade hatte sein Klub Paris St. Germain gegen Borussia Dortmund im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinales mit 2:0 gewonnen und war damit ins Viertelfinale eingezogen. Für den früheren Trainer des BVB eine besondere Genugtuung. Da rechnete er in seiner Euphorie bei Sky mit seinen Kritikern ab.

"Ich sehe all die Schlagzeilen. Tuchel hat sein Team nicht im Griff. Die Spieler machen, was sie wollen, das ist ja ein Zirkusdirektor", klagte er. Sichtlich erregt fügte er an: "Und dann kommt die Statistik, dass wir in 28 Spielen nur einmal verloren haben. Dauernd wird gequatscht. Was denkt ihr denn, wie man 28 Mal gewinnt."

Großer Druck lastet auf Tuchel

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Sichtlich gelöst - PSG steht endlich mal im Viertelfinale.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Für Tuchel war es in dem Spiel um nicht weniger als seinen Job gegangen. Noch einen Achtelfinal-Knockout hätten die Pariser Klubbosse wohl nicht so einfach hingenommen, schließlich wäre es der vierte in Folge gewesen. Zuletzt war PSG in der vergangenen Saison trotz eines 2:0-Siegs im Hinspiel noch an Manchester United gescheitert, das das Rückspiel mit 3:1 gewann. "Wenn's gleich wird, ist es schlimm genug", hatte Tuchel vor dem Rückspiel gegen den BVB gesagt.

Nach dem Sieg gegen den BVB holte ihn die üble Pleite aus dem vergangenen Jahr noch einmal ein, als er zum Man-United-Duell befragt wurde. Er schob die Schuld diesmal weg von seinem Team: "Das war wegen des VAR. In 100 Spielen würdest du das Spiel gegen United 99 Mal gewinnen." Der Hintergrund: Das entscheidende dritte Tor für United war erst in der 94. Minute gefallen - dank eines Elfmeters, der vom Videoschiedsrichter empfohlen worden war.

Für PSG blieben damit in der Saison 2018/19 die Meisterschaft und der französische Pokal. Doch damit kann der 46-jährige Trainer, der seinen Job in der französischen Hauptstadt im Jahr 2018 angetreten hatte, die katarischen Besitzer längst nicht mehr zufriedenstellen. In den heimischen Wettbewerben sind die Pariser jeweils Seriensieger - den Bossen rund um Präsident Nasser Al-Khelaifi dürstet es nach internationalen Erfolgen.

Neymar "hat keinen Schiss"

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Neymar macht Tuchel glücklich.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Umso gelöster schien Tuchel durch den diesmaligen Erfolg in der Champions League. Und wies allen Knatsch mit seinem mit Diven gespickten Team um die Superstars Neymar und Kylian Mbappé zurück. "Ihr zeigt eine Statistik, wie viel Punkte wir holen. Du hast doch diese Statistik nicht, wenn es nicht zwischen Mannschaft und Trainer funktioniert", sagte er bei Sky. "Wir haben eine Gruppenphase vom Allerfeinsten gespielt, haben jetzt einen Rückstand aufgeholt. Manchmal sprechen die Spiele für sich. Da braucht man nicht ruminterpretieren. Deswegen bin ich froh, dass wir heute gewonnen haben."

Den Brasilianer Neymar lobte er ausdrücklich: "Ney ist unser Spieler, er ist total verlässlich in solchen Spielen. In solchen Momenten, da muss Ney aufs Feld. Er kann den Druck aushalten, er hat die Persönlichkeit und das Vertrauen, die Dinge immer wieder zu machen", so Tuchel über den 28-Jährigen. "Er hat keinen Schiss, in keiner Situation, deswegen muss er aufs Feld. Ihm fehlt sogar noch ein bisschen der Rhythmus. Er ist da, um die Lok zu ziehen."

Tuchel war also sichtlich zufrieden mit dem Spiel. Einziger Wermutstropfen: Die gespenstische Atmosphäre im Pariser Prinzenpark. Da aufgrund des Coronavirus keine Fans ins Stadion gelassen wurden, war es so still, dass man sogar am TV alles vom Spielfeld ganz genau hören konnte. "Es war superschade, die besten Spiele entstehen immer aus dem Zusammenspiel Mannschaft-Zuschauer. Wenn das komplett fehlt, ist es einfach trist", so Tuchel. Ihn konnte die Fanmasse, die sich vor dem Stadion eingefunden hatte, um zu böllern und ihr Team zu feiern also offenbar nicht so richtig glücklich machen. Nun, das hatte ja immerhin schon seine Mannschaft geschafft.

Quelle: ntv.de