Fußball

Zoff in der Dritten Liga Verhärtete Fronten und ein Todesfall

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In der Dritten Liga ist die Stimmung rauchig - wie beim Südwest-Derby zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern im März.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Während die 36 Klubs der beiden oberen Fußball-Ligen des Landes der Fortsetzung des Spielbetriebs entgegen fiebern, ist die Stimmung in der Dritten Liga weniger eindeutig. Das hat nicht nur wirtschaftliche Gründe: Auch ein Todesfall ist Teil der Diskussion.

Wie hitzig die Klubvertreter der Dritten Fußballliga über einen Saisonabbruch oder die Fortsetzung mit Geisterspielen debattieren, bekam Markus Kompp am Samstag noch einmal zu spüren. Der Geschäftsführer hatte den Todesfall des Vater eines Spielers des SV Waldhof Mannheim öffentlich gemacht, um zu verdeutlichen, warum sich die Mannheimer für einen Abbruch ausgesprochen haben, als ihm von einem Verantwortlichen eines Konkurrenten vorgeworfen wurde, den tragischen Fall für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. "Das ist eine Frechheit", sagte Kompp. Montagnachmittag ab 15 Uhr versuchen die 20 Drittligisten und Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei einer Videokonferenz, eine gemeinsame Linie zu finden. Aber der nächste Streit ist vorprogrammiert.

"Dies ist der entscheidende Grund, warum wir beim SV Waldhof Mannheim bereits seit Beginn an, bereits vor der Entscheidung die Saison vorerst auszusetzen, für einen sofortigen Saisonabbruch argumentieren und die sofortige Prüfung des Saisonabbruchs verlangt haben", schreibt Kompp in einer E-Mail an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die übrigen Drittligisten.

Bereits Ende März war der Vater eines Waldhof-Spielers am Covid19-Virus gestorben. Zunächst sollte der tragische Fall nicht öffentlich gemacht werden, jetzt entschied der Klub in Rücksprache mit dem betroffenen Akteur, den Todesfall bekannt zu machen, um nachvollziehbar zu machen, warum der SVW keine weiteren Spiele mehr austragen möchte. Weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass es bei Geisterspielen zu weiteren Infektionen und möglicherweise zu Todesfällen kommen kann, wehren sich die Waldhöfer gegen die Fortsetzung der Saison. Das Vorgehen der Mannheimer sorgt in der Liga auch für Kritik: "So ein Vorgang hat ja auch eine ethische Komponente. Ich kann für mich persönlich sagen, dass ich diesen Weg so nicht gewählt hätte", sagte Chemnitz-Präsidentin Romy Polster in der "Bild"-Zeitung. Robert Marien, Vorstandsvorsitzender von Hansa Rostock, kommentierte: "Unser aufrichtiges Beileid an die Familie. Aber die Art und Weise, so etwas zu lancieren und die Ankündigung, es zu veröffentlichen, lässt sich streiten."

Was rettet die Liga - Geisterspiele oder Abbruch?

Die Mannheimer könnten von einem Abbruch sportlich profitieren, eine Allianz aus sieben Vereinen hat sich öffentlich aber für eine Fortsetzung ausgesprochen. Dabei handelt es sich um die Teams, die unmittelbar hinter dem SV Waldhof platziert sind und realistische Chancen haben, die Mannheimer noch abzufangen - sollte weitergespielt werden. Der SVW gehört hingegen zu acht Vereinen, die sich öffentlich für einen Abbruch ausgesprochen haben. Neben dem Tabellenzweiten sind das Klubs, die gegen den Abstieg kämpfen.

Die Vereine haben alle ähnliche Probleme wegen die Saisonunterbrechung, aber gegensätzliche Lösungsansätze. Die Riege der Geisterspiel-Befürworter hat errechnet, dass sie die drohenden Verluste minimieren können, wenn sie die Saison ohne Zuschauer beenden können. Ganz anders sieht das die Klubs, die die Spielzeit abbrechen möchten. Sie geben an, mit der Möglichkeit der Kurzarbeit für Mannschaft und Geschäftsstellenmitarbeiter die Kosten überschaubar zu halten. Das ist nur machbar, wenn nicht gespielt und auch nicht trainiert wird. Tobias Leege, Vorstandsvorsitzender des FSV Zwickau, hatte erklärt, dass viele Insolvenzen drohen würden, wenn die Saison mit Geisterspielen beendet würde. Zwickau würde, so Leege, aus dem Vereinsregister gelöscht werden müssen.

Der DFB unterstützt die Idee, die Saison analog zu den Bundesligen mit Geisterspielen zu beenden - und hat sich in den vergangenen Tagen den Zorn vieler Klubs zugezogen. Am Donnerstag gab Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußballiga (DFL), eine Solidarzahlung der Champions-League-Teilnehmer an die Dritte Liga sowie die Frauen-Bundesliga bekannt. 7,5 Millionen Euro sollen insgesamt an die Vereine fließen, die keine Profiabteilung in der Bundesliga haben, das entspricht 300.000 pro Drittliga-Klub. "Diese Unterstützungszahlung ist an keine weitere Bedingung geknüpft", erklärte Seifert. Angesichts der finanziellen Schwierigkeiten vieler Klubs ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung.

Ärger über "Maulkorb"

Der für die Dritte Liga zuständige DFB hat andere Pläne, denn er deutete in einem internen Papier an die Vereine an, dass von den 300.000 Euro die zu erwartenden Kosten für Corona-Tests und Hygienemaßnahmen bei der Saisonfortsetzung zu begleichen sind. Der Verband kündigte am Freitag gegenüber den Drittligisten eine Mitteilung an, in der die 300.000 Euro als "zweckgebunden" bezeichnet werden, zog sie kurz vor der Veröffentlichung aber zurück.

Offensichtlich scheuten die Verantwortlichen beim DFB den zu erwartenden Diskurs, nachdem in den Tagen zuvor mehrere Versuche gescheitert waren, die Vertreter der Klubs von öffentlichen Stellungnahmen abzuhalten. Zu viele hielten sich nicht an die Empfehlung der verbalen Zurückhaltung und empfanden die Aufforderung des Verbandes als "Maulkorb". Die Fronten sind vor einer Videokonferenz am Montag verhärtet.

Immerhin sind sich die Klubs nicht in allen Punkten uneins. Mit einer Mehrheit von knapp 75 Prozent sprachen sich die Vereinsverantwortlichen in einer Abstimmung zuletzt dafür aus, die Saison in jedem Fall am 30. Juni zu beenden. Der Vorschlag des Verbandes, die Spielzeit notfalls bis in den Juli hinein zu verlängern, stieß auf wenig Gegenliebe.

Quelle: ntv.de