Fußball

DFB zwischen Dialog und Drohung Vize Koch will Fanblöcke "gänzlich" räumen

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Fans des FC Ingolstadt protestierten am Sonntag in der 3.Liga gegen den DFB.

(Foto: imago images/Eibner)

Nach den Hopp-Eklatspielen in verschiedenen Bundesligastadien geht der DFB auf die Fanszene zu. Ein "konstruktiver Dialog" soll eine weitere Eskalation verhindern. Vize-Präsident Rainer Koch spricht allerdings Drohgebärden aus, denn "unter solchen Rahmenbedingungen" könnte man nicht Fußball spielen.

Dialog statt weiterer Konfrontation: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will nach den Vorkommnissen am vergangenen Wochenende zeitnah den Austausch mit den Fans suchen. Der Verband gab auf seiner Internetseite bekannt, dass es "noch vor dem kommenden Bundesliga-Wochenende ein Treffen mit der AG Fankulturen geben" werde, um den "konstruktiven Dialog mit den Fanorganisationen auch in dieser emotionalen Thematik aufzunehmen".

DFB-Vizepräsident Rainer Koch allerdings übte sich eher in Drohgebärden, kritisierte die Fanproteste scharf und verteidigte sogenannte Kollektivstrafen. "Da ist eine rote Linie überschritten, und wenn alle anderen Mittel nicht ausreichen, wir nicht zu anderen Lösungen kommen, dann muss man in letzter Konsequenz auch mal bereit sein, deutlich zu machen, unter solchen Rahmenbedingungen können wir nicht Fußball spielen, und dann muss solch ein Block auch mal gänzlich geräumt werden", sagte Koch kurz nach seiner Wahl ins Uefa-Exekutivkomitee in Amsterdam.

Damit rechtfertigte Koch das Schließen bestimmter Zuschauerbereiche wie den Ausschluss von Dortmunder Fans für zwei Jahre bei Auswärtsspielen bei 1899 Hoffenheim. Er sehe die Anliegen der Fans, betonte der DFB-Vize, aber die jüngsten Aktionen in diversen Stadien mit Hopps Konterfei im Fadenkreuz seien nicht zu tolerieren. "Die Täter, die ganz wenigen, die verstecken sich in den Blöcken, sie vermummen sich. Sie sind dadurch nicht identifizierbar. Sie verstecken sich in der Masse vieler unschuldiger, nicht beteiligter Zuschauer drumherum", sagte Koch. Man müsse mit den Fans im Dialog bleiben, aber die "menschenverachtenden Banner" müssten verschwinden.

DFB gibt Fehler zu

Dabei möchte der DFB laut eigener Internetseite eigentlich in einen Diskurs starten, welche Formen der Kritik gangbar sind und wo eine rote Linie verläuft. "Nicht tolerieren können wir personifizierte Gewaltandrohungen und erst recht kein diskriminierendes Verhalten", heißt es weiter. DFB-Präsident Fritz Keller betonte: "Aus der besonderen Verantwortung des Fußballs heraus müssen wir bei Diskriminierungen oder personalisierten Gewaltandrohungen handeln und können nicht länger wegschauen."

Man müsse gemeinsam mit allen relevanten Akteuren diskutieren, "wo bei Kritik, die selbstverständlich zulässig ist, auch wenn sie überzeichnet daherkommt, künftig die rote Linie verläuft. Wir begrüßen es sehr, dass auch die Fanorganisationen im Dialog mit den Verbänden ihren Beitrag leisten wollen", so Keller. In diesem Zusammenhang gab der Verband auch zu, dass der sogenannte Drei-Stufen-Plan von den Beteiligten am vergangenen Wochenende vereinzelt zu schnell angewandt worden war: "Wenn in Berlin Fangruppen ihren Unmut gegenüber Entscheidungen des DFB mit einer harten Wortwahl zum Ausdruck bringen, muss das der DFB selbstverständlich aushalten. Und auch gegen kreative Spruchbänder, wie sie von Fans des MSV Duisburg zu sehen waren, ist nichts einzuwenden."

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin hatte allerdings auf dem Uefa-Kongress in Amsterdam am Dienstagmorgen nochmals klargemacht: "Wir dürfen keine Angst davor haben, die Regel anzuwenden, und wir müssen sie überall anwenden", äußerte der 52-jährige Slowene: "Es ist ein ernsthaftes Problem und wir müssen noch mehr tun. Nur dann können wir stolz auf uns sein."

"Weitere Eskalation verhindern"

Die Drei-Stufen-Regel (zweimalige Unterbrechung vor dem Abbruch) war beispielsweise am vergangenen Wochenende auch in der Bundesliga nach Schmähungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp umgesetzt worden. Generell wünschte sich Ceferin eine rasche Besserung der Situation. "Wir müssen kommenden Generationen zeigen, dass Fußball gleichzusetzen ist mit Offenheit und Toleranz", sagte er: "Fußball ist eine Feier des Lebens, von Gemeinsamkeit und Austausch. Das Problem ist in unserer Gesellschaft, das muss aufhören."

Am vergangenen Wochenende war es in mehreren Stadien zu Beleidigungen gegen Dietmar Hopp, den Mehrheitseigner der TSG Hoffenheim, gekommen. Auslöser war vermutlich ein Urteil das DFB-Sportgerichts, das Fans von Borussia Dortmund wegen wiederholter Schmähungen für zwei Spielzeiten von den BVB-Partien in Sinsheim ausschloss.

"Es muss jetzt das Ziel sein, weitere Eskalationen zu verhindern. Dafür muss im Dialog aufeinander zugegangen werden", sagte Vize-Präsident Koch, der Unmutsbekundungen in Richtung der Verbände durchaus dulden würde: "DFB und DFL müssen klar kommunizieren, dass einerseits Kritik, auch harte Kritik an Vereinen und Verbänden von diesen hinzunehmen und deshalb auch nicht verboten ist, dass andererseits aber eine rote Linie überschritten wird, wenn einzelne Personen in menschenverachtender Weise verunglimpft oder beleidigt werden."

Quelle: ntv.de, dbe/sid/dpa