Fußball

Liverpool darf nicht satt werden Warum Coach Klopp Werner wirklich will

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Wie stellt Jürgen Klopp sein Team nächste Saison auf, wen holt er und wen gibt er ab? Timo Werner spielt in diesen Überlegungen eine große Rolle.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Jürgen Klopp will Timo Werner, um seine Elite-Mannschaft noch besser zu machen. Liverpool darf bei allen Siegen nicht den Hunger auf Erfolge verlieren und der RB-Stürmer passt perfekt ins Spielsystem. Aber was, wenn auf einmal auch Weltmeister Mbappé bei den Reds aufspielt?

Wie verstärkt ein Trainer eine Mannschaft, die immerzu nur gewinnt? Vor dieser Herausforderung steht Jürgen Klopp, während er mit seinem FC Liverpool unaufhaltsam Richtung Titelgewinn in der Premier League marschiert. Einer, der das Team noch besser machen soll, ist Nationalstürmer Timo Werner. Immer wieder wurde der schnelle Angreifer von RB Leipzig mit dem Champions-League-Sieger in Verbindung gebracht, nun vermeldet die "Sport Bild", dass Liverpool ein konkretes Angebot für den derzeit zweitbesten Torjäger der Bundesliga abgegeben habe.

Klopps Dilemma bei Liverpool ist ein Luxusproblem. Nur einen Spieler hat er in den vergangenen drei Transferperioden verpflichtet: Takumi Minamino von Red Bull Salzburg. "Es ist nicht einfach, aber ist es möglich? Das wissen wir nicht genau", erklärt der Trainer die Zwickmühle, Spieler zu finden, die dieses schier unbesiegbare Team weiterbringen könnten. "Einen Kader wie diesen einfach verbessern zu können, wäre komisch. Es müsste hundertprozentig der richtige Spieler sein, sonst machen wir das mit internen Lösungen."

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25 Tore und sieben Vorlagen: Bei Timo Werner läuft's diese Saison.

(Foto: imago images/osnapix)

Werner scheint Klopps Hundertprozent-Spieler zu sein. Das ergibt Sinn, passt der 23-Jährige, für den auch 25 Tore und sieben Vorlagen in allen Pflichtspielen dieser Saison sprechen, doch perfekt in das Spielsystem Liverpools. Tempo, Geradlinigkeit und eine gewisse Gier - allesamt Attribute des Spiels des Ersten der Premier League - bringt der Nationalspieler ebenso mit wie Variabilität in der Offensive. Die Reds pressen aggressiv, wie auch RB Lepizig es tut, schalten in Blitzgeschwindigkeit um: Werner weiß bereits, wie er sich im Klopp'schen Spiel bewegen müsste.

Strahlkraft Jürgen Klopp

Dass dieses den Offensivkräften auf dem Platz Räume und wichtige Läufe eröffnet, erkennt auch der RB-Angreifer. Er sieht, wie Mohamed Salah und Sadio Mané als Flügelstürmer über außen die Abwehrreihen der Welt auseinander nehmen dürfen - ganz wie er selbst es mit seinem enormen Tempo liebt. Und Werner beobachtet auch, dass Klopps Fußball Offensivkräften gut tut - Salah und Mané haben ihre Torquoten und damit ihre Marktwerte unter dem deutschen Trainer vervielfachen können. "Die Premier League ist die interessanteste Liga. Da laufen jedes Wochenende viele Bayern Münchens und Real Madrids auf", schwärmte der Angreifer zuletzt: "Es hat ein gewisses Flair bekommen, die englische Liga zu gucken und dort zu spielen."

Klopp selbst und seine mittlerweile globale Strahlkraft sind ein weiterer Punkt: Mit seinen erst 23 Jahren wird Werner wohl eher seine nächsten Entwicklungsschritte unter dem amtierenden Welttrainer sehen als zum Beispiel beim FC Bayern unter Hansi Flick, dessen Verbleib über diese Spielzeit noch ungeklärt ist.

Ein noch entscheidenderer Faktor für Klopp, seine Fühler nach Werner auszustrecken: Gewinnt eine Mannschaft alles, muss der Coach aufpassen, dass sich keine Sättigung einstellt. Die ist natürlich und erwischt jedes Top-Team irgendwann. So war es beispielsweise bei Real Madrid, nachdem die Königlichen von 2016 bis 2018 drei Mal in Serie die Königsklasse gewannen. Auch Bundestrainer Joachim Löw weiß seit dem blamablen Vorrundenaus bei der WM 2018 genau, was zu sehr vom Erfolg verwöhnte Kicker auf dem Spielfeld anrichten können. Aber Klopp ist vorbereitet und hat die Gefahr längst ins Auge gefasst. Schließlich verpennte er solch eine Situation schon einmal: Als er Borussia Dortmund nach zwei Meisterschaften und zwei zweiten Rängen nicht ausreichend umkrempelte.

Kommt Mbappé, geht Firmino?

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Spielt das Erfolgstrio Firmino, Salah und Mané nächstes Jahr noch zusammen?

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Und so hat der wohl zukünftige Meistertrainer längst nicht nur Werner als möglichen Hundertprozent-Profi auf dem Zettel. Frankreichs Megastar Kylian Mbappé soll schon vor seinem Wechsel zu Paris Saint-Germain ein langes Gespräch mit Klopp geführt haben und nun offenbar wieder ganz oben auf der LFC-Liste stehen, noch vor Werner. Der Weltmeister sagte kürzlich, auf einen möglichen Wechsel zu Manchester City angesprochen: "Ich würde momentan lieber zu Liverpool gehen." Auch Dortmunds Jadon Sancho, an dem Liverpool ebenfalls interessiert sein soll, passt genau wie Mbappé in das Anforderungsprofil der Reds. Das Problem: Beide würden deutlich mehr Geld kosten als Werner, der eine Ausstiegsklausel im Vertrag stehen hat, die auf 55 bis 60 Millionen Euro festgeschrieben ist, je nachdem wie erfolgreich RB ist. Allerdings ist nicht bekannt, ob diese schon nach dieser Saison greift. Für Liverpool wäre Werner ein Schnäppchen - auch deshalb will Klopp wohl unbedingt zugreifen.

Zudem: Um eine Mannschaft noch weiter voran zu bringen, müssen Trainer manchmal auch - hochverdiente - Spieler abgeben. Und so könnte Klopp sein umjubeltes Offensivtrio um Mané, Salah und Roberto Firmino nach dieser Saison sprengen. Zwar war es "nur" das Boulevardblatt "The Sun", das jüngst Firmino mit dem FC Bayern in Verbindung brachte. Aber auch wenn Klopp schon länger eine Fehde mit der Zeitung führt und diese deshalb gewöhnlicherweise nicht die besten Liverpool-Insider-Informationen hat, mehren sich die Stimmen für einen Firmino-Abgang. Im talksport-Radio fragte der ehemalige Liverpool-Mittelfeldspieler Danny Murphy: "Ist Firmino ersetzbar?" Ja, antwortete er gleich selber: "Sollte Mbappé vorne mit Mané und Salah spielen, wäre das noch angsteinflößender als mit Firmino."

Nimmt Werner die Herausforderung an?

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Mbappé könnte nächstes Jahr für Liverpool anstatt für PSG jubeln.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Dass sich Klopp von Mané oder Salah trennt, erscheint unwahrscheinlicher. "Es scheint mir, als sei er richtig angekommen", sagte der Trainer jüngst über den Ägypter, der noch einen Vertrag bis 2023 besitzt. Den hat zwar Firmino ebenfalls, aber die Reds könnten seine Ablösesumme nutzen, um einen anderen Star zu holen, wie sie es schon bei Philippe Coutinho taten. Auf diese Art und Weise könnte sogar ein Werner- und zusätzlich ein Mbappé- oder Sancho-Transfer verwirklicht werden. Mit vier absoluten Top-Stürmern will Liverpool wohl ohnehin für die kommende Saison planen. Denn von Anfang Januar bis Anfang Februar 2021 wird der Afrika-Cup ausgespielt, Mané und Salah könnten damit bis zu sechs Wochen fehlen. In der Saison 2018/19 brachen die Reds genau in dieser Saisonphase ein und verspielten trotz zwischenzeitlichem Neun-Punkte-Vorsprung den Meistertitel noch an Manchester City.

Für Werner könnte in diesem Fall, aber auch generell bei einem Wechsel, nicht sofort ein Stammplatz herausspringen. Er müsste sich durch eine schwierigere Phase als in Leipzig kämpfen, besonders wenn er sich erstmal an ein neue Liga mit anderer Härte, Kultur und Sprache gewöhnen muss. Die Aufgabe, seine Elite-Truppe noch besser und auch im nächsten Jahr zum Seriensieger zu machen, geht Klopp schon jetzt akribisch an. Die Frage ist, ob auch Werner die Herausforderung Liverpool annimmt.

Quelle: ntv.de