Fußball

Der Machtkampf eskaliert Warum Dietmar Hopp die Fußball-Fans spaltet

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Der Hass vieler Fanszenen richtet sich gegen Dietmar Hopp.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Normalerweise ist der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp im Stadion nur auf der Ehrentribüne oder in der VIP-Loge zu sehen. Am Samstag aber steht er eine Viertelstunde an der Seitenlinie eines ungewöhnlichen Bundesligaspiels - und im Fokus aller, die sich für Fußball interessieren.

Dietmar Hopp saß schon lange nicht mehr auf der Ehrentribüne, er stand neben Karl-Heinz-Rummenigge an der Seitenlinie - im Regen. Allein gelassen brauchte sich der 79-Jährige in seiner schwersten Stunde als Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim nicht fühlen. "Dietmar Hopp! Dietmar Hopp!"-Rufe hallten durch das Stadion in Sinsheim. Und nach dem Fan-Eklat im Spiel gegen den FC Bayern mit den Hass-Plakaten gegen Hopp erhielt der Milliardär Zuspruch von vielen Seiten. Von einer Hassfigur der Ultra-Szene ist er spätestens am Samstag zum Symbol eines Machtkampfs im deutschen Fußball geworden. Warum nur?

"Herr Hopp hat viel Vermögen verdient, ja, durch harte Arbeit. Aber er gibt das ganze Vermögen für Sport, für soziale Projekte, für Medizin aus, und dafür wird man an den Pranger gestellt in diesem Land?", klagte DFB-Präsident Fritz Keller am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. "Wo sind wir hingekommen in diesem Land? Was soll das? Das geht nicht mehr, wir müssen ein Zeichen setzen gegen Hass und gegen Neid in dieser Gesellschaft." Hopp selbst äußerte sich nicht an diesem denkwürdigen Bundesliga-Samstag, als die Partie nach einer 6:0-Führung der Bayern mit zwei Unterbrechungen und einem demonstrativen Ballgeschiebe beider Teams endete.

"Extrem aufgewühlt" sei der Mehrheitseigner gewesen, berichtete TSG-Geschäftsführer Peter Görlich. Das sei ja verständlich: "Dietmar Hopp wird seit Jahren beleidigt." Das erste Plakat mit Hopp im Fadenkreuz tauchte bereits 2008 auf und war der Beginn einer Dauerfehde zwischen den Fans von Borussia Dortmund und Hopp. Daraus wurde ein Lagerkampf, der den Fußball mehr denn je spaltet. Unabhängig von Finanzgeflechten bei den eigenen Vereinen sagt ein harter Kern der Fans: Hopp hat den Erfolg gekauft. Mit seinem Geld hat der einstige SAP-Mitbegründer - dem US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" zufolge derzeit mit einem Vermögen von 10,2 Milliarden Dollar (rund 9,2 Milliarden Euro) auf Platz 15 der reichsten Deutschen - den Dorfklub Hoffenheim zu einem Bundesligisten gemacht.

Kein klassischer Investor

Von einem klassischen Investor unterscheidet sich Hopp dennoch: Der gebürtige Heidelberger kickte einst selbst bei der TSG, der Klub ist ihm eine Herzensangelegenheit. Dank hoher Transfereinnahmen ist Hoffenheim seit einigen Jahren von Hopp finanziell unabhängig. Eine Zeit lang drängten die Proteste gegen die Emporkömmlinge von RB Leipzig die Causa Hopp/Hoffenheim in den Hintergrund. Nach dem DFB-Urteil mit einer zweijährigen Stadion-Sperre gegen die Wiederholungstäter aus dem Fanlager des BVB vor zehn Tagen ist die Auseinandersetzung wieder neu entflammt. Hopp geht schon länger auch zivilrechtlich gegen Fans vor, die ihn beleidigen.

Bayern-Trainer Hansi Flick kennt Hopp wie kaum jemand in der Liga: Der frühere Co-Trainer von Joachim Löw trainierte die Hoffenheimer vor dem furiosen Durchmarsch ins Oberhaus. Er wohnte immer im benachbarten Bammental und war vor zwei Jahren für kurze Zeit einer der Geschäftsführer bei der TSG. "Jeder von diesen Chaoten hat wahrscheinlich jemanden in der Familie, der von Dietmar Hopp schon einmal profitiert hat", sagte der wütende Flick an die Adresse der Übeltäter im Bayern-Block.

In der Rhein-Neckar-Region gilt Hopp als der große Wohltäter: Mit seiner Stiftung hat "Vadder Hopp", wie er oft genannt wird, nach eigenen Angaben bisher rund 800 Millionen Euro ausgegeben - für Kindergärten, Altenheime, Krebsforschung, Bildung, Jugendsport und mehr. Deshalb begleiten Hopp schon lange Solidaritätsbekundungen, auch aus dem Bayern-Lager: Mit der Münchner Führungsriege pflegt der Golffreund von Franz Beckenbauer ein freundschaftliches Verhältnis. Bayern-Vorstandschef Rummenigge nahm den Mäzen am Samstag schon auf der Tribüne tröstend in den Arm. Und ließ ihn dann nicht allein im Regen stehen.

Quelle: ntv.de, Ulrike John und Patrick Reichardt, dpa