Fußball

Emotional und führungsstark Warum Hasenhüttl perfekt nach Leipzig passt

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Freut sich auf seine neue Aufgabe bei RB Leipzig: Neu-Coach Ralph Hasenhüttl.

(Foto: dpa)

Nach zähen und mühsamen Verhandlungen heuert Ralph Hasenhüttl beim ambitionierten Fußball-Zweitligisten RB Leipzig an. Und es gibt aus Sicht der Sachsen gleich mehrere gute Gründe, warum der Österreicher eine Ideallösung ist.

Am Freitagmittag, pünktlich um 13 Uhr, konnte RB Leipzigs Multifunktionär Oliver Mintzlaff die frohe Kunde überbringen, dass Ralph Hasenhüttl bis 2019 bei RB Leipzig unterschrieben hat. Da war die Tinte unter dem Vertrag gerade erst trocken; nach laut Mintzlaff "zähen und mühsamen" Verhandlungen bis Mitternacht hatten sich die Leipziger am Vormittag mit Hasenhüttls bisherigem Arbeitgeber FC Ingolstadt geeinigt.

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Multifunktionär Oliver Mintzlaff freut sich, dass die mühsamen und zähen Verhandlungen zu einem guten Ergebnis gekommen sind.

(Foto: dpa)

Für die wichtigste Personalie bei der Planung für die 1. Liga griff der designierte Bundesligist tief in die Tasche, zahlte laut n-tv.de-Informationen 1,5 Millionen Euro fixe Ablöse. Falls sich RB in den kommenden drei Jahren für eine europäische Wettbewerb qualifiziert, kommt maximal eine weitere halbe Million Zuschlag hinzu. Insofern wurde die Rekordsumme für einen Trainertransfer in der Bundesliga zumindest eingestellt. Für Roger Schmidt hatte Bayer Leverkusen 2014 ebenfalls 1,5 Millionen Euro an Red Bull Salzburg bezahlt.

Wunschkandidat nach Weinzierl

Aus Vereinskreisen heißt es, dass RB Leipzig seit den geplatzten Gesprächen mit Markus Weinzierl Ende März/Anfang April voll auf Ralph Hasenhüttl gesetzt habe. Der frühere österreichische Nationalspieler war bereits 2015 im Visier des Red-Bull-Klubs, hatte sich nach dem Aufstieg jedoch zunächst klar zum FC Ingolstadt bekannt. Nun erlag Hasenhüttl dem Werben des Red-Bull-Klubs, obwohl er wohl auch andere Angebote aus der 1. Liga hatte. Ralf Rangnick, Hasenhüttls Vorgänger als Trainer und künftig wieder ausschließlich Sportdirektor bei RBL, sagte: "Dass er sich trotzdem für uns entschieden hat, zeigt auch, dass in den vergangenen Monaten sowas wie ein Vertrauensverhältnis entstanden und gewachsen ist."

So ging es zuletzt vor allem darum, ob sich Hasenhüttl für Rasenballsport entscheidet und ob sich RBL und FCI auf eine Ablöse einigen können. Ob Hasenhüttl den hohen Ansprüchen der Leipziger überhaupt gerecht werden kann, wird nicht infrage gestellt. Dabei hat der 48-Jährige bisher erst eine erfolgreiche Saison in der 1. Liga absolviert. Zuvor konnte er in seinen neun Jahren als Cheftrainer zwar zwei Aufstiege in die 2. Liga (mit dem VfR Aalen) und die Bundesliga (FC Ingolstadt) feiern, wirkte aber vor allem unterklassig.

Besteht also die Gefahr, dass sich Hasenhüttl mit RB Leipzig ebenso übernimmt, wie etwa André Breitenreiter mit Schalke 04? Davor hatte der gebürtige Grazer selbst ausdrücklich gewarnt, als er während seiner Findungsphase vor einigen Wochen sagte, für seinen neuen Verein zunächst ein Gespür entwickeln zu wollen. Doch davon, dass sich RB Leipzig als eine Nummer zu groß für Hasenhüttl erweist, ist keineswegs auszugehen.

Gegen den FC Bayern beeindruckt

Hasenhüttls Stationen als Cheftrainer

SaisonVereinLigaPlatz
Okt 2007/2008SpVgg Unterh.R'liga Süd6.
2008/09SpVgg Unterh.3. Liga4.
2009 – 02/2010SpVgg Unterh.3. LigaFreistellung als 10.
Ab 01/2011VfR Aalen3. Liga16.
2011/12VfR Aalen3. Liga2. (Aufstieg 2. Liga)
2012/13VfR Aalen2. Liga9.
Seit 10/2013FC Ingolstadt2. Liga10.
2014/15FC Ingolstadt2. Liga1. (Aufstieg Bundesliga)
2015/16FC Ingolstadt1. LigaAktuell: 9.

Zum einen passt Hasenhüttls Spielsystem nahezu deckungsgleich auf die RBL-Taktik-Schablone. "Er lässt gegen den Ball mit hoch stehender Viererkette sowie einem sehr laufintensiven, situativen Offensivpressing mit frühem Anlaufen der offensiven Dreierreihe und klar einstudierten Handlungen agieren", bewertet Professor Daniel Memmert. Der Kölner Sportwissenschaftler und Taktikexperte beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Gegenpressing-Fußball á la Ralf Rangnick. "Die aggressive Spielweise gegen den Ball bringt der FC Ingolstadt durchgängig auf den Platz", sagt Rangnick. Am meisten imponierte vielen Experten die Leistung des Aufsteigers im Hinspiel beim FC Bayern München. "Dem FC Bayern gelang in der ersten Hälfte kein geordneter Spielaufbau - das muss man angesichts der Qualität des Bayern-Kaders erst einmal schaffen", sagt Memmert. "Ralph Hasenhüttl hat einen Kader, dem ursprünglich keine große Bundesligaqualität zugetraut wurde, perfekt weiterentwickelt und geformt."

Zweitens ist entscheidend, dass RB-Chefplaner Rangnick und Hasenhüttl bereits seit zwei Jahren in losem Austausch stehen und voneinander wissen, wie sie ticken. "Das ist eine Frage der Vibrations. Ich war mir relativ früh und schnell sicher, dass er hervorragend zu uns passen wird", sagte Rangnick. Umgekehrt muss das ebenso der Fall gewesen sein. "Dass er sich trotz anderer Angebote für uns entschieden hat, zeigt auch, dass in den vergangenen Monaten sowas wie ein Vertrauensverhältnis entstanden und gewachsen ist", so Rangnick. Das wird auch dadurch dokumentiert, dass Hasenhüttl dem eingespielten und perfekt ineinandergreifenden Trainerstab von RBL vertraut. Nur der derzeitige Co-Trainer Achim Beierlorzer wird künftig nicht mehr die erste Mannschaft, sondern die U19 und die sportliche Leitung im Nachwuchs verantworten.

Drittens ist der 48-Jährige aufgrund seiner Führungsstärke sowie als kommunikativer Typ mit der Gabe, Menschen zu emotionalisieren, eine perfekte Verstärkung für Rasenballsport. Zwar wird Rangnick mit dem Aufstieg große Fußstapfen hinterlassen, doch aufgrund seines Naturells wird es Hasenhüttl nicht schwer fallen, Spieler, Angestellte und Öffentlichkeit von sich zu begeistern und überzeugen. Zwar wird der mediale Fokus in Leipzig etwas mehr auf Hasenhüttl gerichtet sein als das in Ingolstadt der Fall war. Doch der einst als "Alpen-Klopp" bezeichnete Fußballlehrer macht nicht den Eindruck, damit Probleme zu haben. "Er ist jemand, der einen engen und guten Draht zu seinen Mitarbeitern und Spielern hat – das ist spür- und sichtbar, wenn man seine Mannschaft spielen sieht", lobte Rangnick. "Und er hat genügend Durchsetzungsvermögen, um seine Sichtweise von Fußball durchzudrücken."

Fazit: Ralph Hasenhüttl ist kein Trainer-Superstar wie Pep Guardiola oder Jürgen Klopp und auch kein Taktik-Avantgardist wie Thomas Tuchel. Aber RB Leipzig hat in dem emotionalen, führungsstarken und taktisch diszipliniert und fortschrittlich denkenden Trainer denjenigen Chefcoach gefunden, der perfekt zum Red-Bull-Fußball und auch zu Vereinsvordenker Ralf Rangnick passt und dazu noch verfügbar war. Ob die Liaison zwischen Ralph und Ralf tatsächlich passt, wird sich zwar erst in der täglichen Arbeit zeigen. Doch Ralph Hasenhüttl scheint so geschaffen, dass er einerseits seine eigenen Positionen verteidigen kann, sich andererseits dem Input des RB-Trainerstabes nicht verwehrt. Mit dem personell breit und qualitativ hochwertig besetzen RB-Kader kann und muss Hasenhüttl sein Repertoire freilich erweitern, zeigen, dass er auch stärker ballbesitzorientierten, filigraneren Fußball spielen lassen kann als bei seinen vorherigen Stationen. Es sieht ganz danach aus, dass sich Millionenablöse und Verhandlungsmarathon für beide Parteien auszahlen könnten.

Quelle: n-tv.de

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