Fußball

Gefährliches Sturmpuzzle des BVB Warum nicht einfach Sandro Wagner holen?

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Ein Engagement beim BVB, jaja, das könnte passen!

(Foto: imago/DeFodi)

Borussia Dortmund hat Tor-Phänomen Erling Haaland. Und das reicht. So jedenfalls sehen es die Verantwortlichen des Vizemeisters. Die Transferlehre der vergangenen Saison gilt überraschend als überholt. Mit ihrer Ein-Stümer-Strategie gehen die Dortmunder ins Risiko.

So ein bisschen Name-Dropping kann ja nie schaden. Und da sie bei Borussia Dortmund ja seit Jahren mit Gerüchten aus allen Richtung heftig beworfen werden, werden sie auch die folgende Spinnerei souverän ertragen. Warum nicht einfach mal Sandro Wagner holen? Klingt komisch, ist es aber eigentlich gar nicht. Der Mann ist groß, bullig, er ist ein Typ mit Mentalität (immer ein Thema beim BVB) und ein zuverlässiger Stürmer. Und er ist bald frei verfügbar. Denn sein Vertrag beim chinesischen Klub Tianjin Teda steht kurz vor der Auflösung. Auf Wunsch des Spielers, der seine Familie in der Corona-Phase nicht allein lassen will.

Ohne Arbeitgeber ist derzeit übrigens auch Vizeweltmeister Mario Mandzukic, dessen Name mit dem BVB immer dann in Verbindung gebracht wird, wenn dort mal wieder über das Thema "klassischer Stürmer" diskutiert wird. Ablösefrei in Zeiten der Pandemie - auch ein gutes Argument. Und beim Gehalt, das bei beiden sowohl in China als auch in Katar sehr üppig gewesen sein soll, ließe sich bestimmt was machen.

Nun, warum also nicht? Die Antwort ist so simpel wie überraschend: Weil die Dortmunder keinen neuen Stürmer verpflichten wollen. Erling Haaland, das reicht. Das muss reichen. Und ja, das kann reichen. So gut ist der junge Norweger, dass sie beim Vizemeister jegliche Diskussionen über die Besetzung im Sturm direkt abwürgen. In 18 Spielen hat der Wintereinkauf 16 Tore für die Borussia erzielt. Er hat das Problem, das Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Krisenherbst des vergangenen Jahres ausgemacht hatte, so eindrucksvoll behoben, dass sie ihre Annahme von zwei Männern für das Sturmzentrum nun als überholt betrachten. Tatsächlich hat es dem BVB nicht an Toren gemangelt - 84 waren es allein in der Bundesliga.

"Gibt keinen klassischen Neuner mehr"

Doch die Diskussion, die sich nun wieder sehr zäh an die Klubferse heftet, entspinnt sich nicht an der Frage nach der Qualität von Erling Haaland, sondern daran, was passiert, wenn der Norweger mal nicht trifft. Wenn der 20-Jährige verletzt oder einfach mal nicht in Form ist. Auch wenn das nahezu unvorstellbar ist, so ist es bei allem, was man derzeit weiß doch so, dass selbst Zaubererlinge keine maximal zuverlässige Immunabwehr gegen Torkrisen besitzen. Nun, was dann? Die Dortmunder fühlen sich mit ihren aktuellen Bordmitteln so gut ausgestattet, dass sie einen Haaland mal kompensieren könnten. Natürlich nicht mit einem einfach Personal- sondern vielmehr gleich mit einem Systemwechsel. Ein Backup wie Wagner, der diese Rolle einst sogar beim FC Bayern gut ausgefüllt hatte? Eher nicht.

"In diesem Sinne gibt es gar keinen klassischen Neuner mehr", erklärte Sportdirektor Michael Zorc gerade erst im "Kicker". So haben sich in der vergangenen Spielzeit auch schon Spieler wie der flexible Thorgan Hazard, wie der umworbene Topscorer Jadon Sancho oder aber das nächste Top-Talent Giovanni Reyna im Zentrum gefunden. Das alles stimmt, aber am besten hat es eben funktioniert, wenn ein großer, ein bulliger Mann, ein gelernter Stürmer in der Mitte stand - Haaland halt. Wie schwer sich das Team ohne ihn tut, beziehungsweise dann, wenn sich mal ein Abwehrspieler findet, der den Norweger komplett aus dem Spiel nehmen kann, dafür lieferte die Rückrunde zwei bemerkenswerte Belege.

Zwei Belege für Haalands Abhängigkeit

Beim Pokal-Aus in Bremen schonte Coach Lucien Favcre den Norweger zunächst. Die Folge: Flaute. Erst als er seine Aufstellung gegen Werder korrigierte, kamen Wucht und Tore (eins natürlich von Haaland). Dass der BVB trotzdem aus dem Wettbewerb flog, es lag nicht an Haaland. Wobei er in der Nachspielzeit noch den möglichen Ausgleich liegenließ, als er mit einem Kopfball am sensationell reagierenden Jiri Pavlenka scheiterte. Solche Topchancen bekam Haaland übrigens nicht, als der BVB den Titelkampf im Duell mit dem FC Bayern verlor. Ein Schuss nach 30 Sekunden, den Jérôme Boateng mit weltmeisterlicher Ruhe kurz vor der Torlinie kläre, das war's. Danach gab's für Haaland von Boateng eine engmaschige Betreuung, die beim Versteckspiel als "Totenwache" verpönt worden wäre.

Nun, ungeachtet dessen kehrt der BVB wieder zur Ein-Stürmer-Lösung zurück. Womöglich auch, weil sie in ihren eigenen Reihen bereits das nächste ganz große Ding fürs Zentrum wittern. Das Super-Talent Youssoufa Moukoko. Der 15-Jährige, der im Nachwuchsbereich alles und jeden in Grund und Boden schießt, rückt zur kommenden Saison in den Profikader auf. Der Mann, der in der abgelaufenen Saison der U19-Bundesliga in 28 Spielen 38 Tore (!) geschossen und zehn vorbereitet hat, soll die komplette Vorbereitung mit dem Profi-Team absolvieren. Ein möglicher erster Einsatz könnte indes frühestens ab dem 20. November erfolgen, wenn er 16 wird und damit die Spielberechtigung für den Seniorenbereich erhält. Allerdings bemühen sich die Dortmunder den Hype um das Torphänomen kleinzuhalten - eher vergebens.

Sei's drum. Die Offensive, die nach dem Abgang von Mario Götze in der Breite erleichtert wurde und die nach wie vor mit dem Rätsel um die Verletzung von Marco Reus konfrontiert ist, steht. Zum Handeln würde sich der Klub nur dann gezwungen sehen, wenn Jadon Sancho doch noch wechselt. Dann indes bräuchten sie alles, nur keinen Sandro Wagner.

Quelle: ntv.de