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Erfolgsklub ringt um Anerkennung Warum will niemand die Wolfsburger sehen?

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Die große Fan-Euphorie bleibt beim VfL Wolfsburg trotzt guter Leistungen bislang aus.

(Foto: imago images/regios24)

Sportlich läuft's für den VfL Wolfsburg, doch das interessiert kaum jemanden in der Autostadt. Nun wird der Fußball-Bundesligist auch noch von einem Montagsspiel gegen Hoffenheim heimgesucht. Dennoch denkt der Werksklub weiter positiv.

Stell dir vor, es ist Spieltag und keiner geht hin: So ist es dem VfL Wolfsburg am vergangenen Donnerstag ergangen. Der Fußball-Bundesligist empfing zum Auftakt der Europa League den PFK Olexandrija aus der Ukraine, doch das lockte nur 10.112 Menschen ins kalte Stadion am Mittellandkanal. Sprich: Die bei internationalen Spielen rund 26.000 Plätze bietende Arena war noch nicht mal halb voll. "Hungrig auf Europa", wie es der Fanshop des VfL auf seiner Internetseite suggeriert, scheinen nicht allzu viele in der Autostadt zu sein. Es scheint, als habe sich auch in dieser Spielzeit wenig geändert beim Werksklub - die große Euphorie bleibt trotz der überraschend guten Vorsaison aus.

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Als wäre die Geisterspiel-Atmosphäre vom Donnerstagabend nicht übel genug, kommt nun die nächste Heimsuchung: Zum Abschluss von Spieltag fünf in der 1. Liga gastiert die TSG Hoffenheim heute in Wolfsburg (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). An einem bei Fans wie Spielern ungeliebten Montagabend. Trainer Oliver Glasner hingegen hebt den positiven Aspekt der Ansetzung hervor: "Dass wir Montag spielen, war sogar gut für uns, weil wir einen Tag mehr für die Regeneration hatten", erklärte er vor dem Spiel.

Suche nach den richtigen Appetitanregern

Und wie finden das die Fans? Auch wenn der lockere 3:1-Sieg beim Europa-Comeback appetitanregend gewesen sein könnte, spricht wenig dafür, dass das Duell zwischen dem VfL und den Gästen aus den Kraichgau ein Zuschauermagnet wird. Immerhin: Bei Ligaspielen liegt der Zuschauerschnitt mit knapp 24.500 Gästen bislang auf dem Niveau der Vorsaison. Auf Anfrage von n-tv.de teilt der VfL mit, dass er für das heutige Spiel mit etwa 20.000 Zuschauern rechnet. Darunter sollen demnach rund 100 TSG-Anhänger sein, die die fast 500 Kilometer lange Reise gen Niedersachsen antreten wollen.

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Apropos Distanzen: Seit Anfang September wirbt der VfL auch in der naheliegenden Fußballstadt Braunschweig um Zuschauer. "35 Kilometer bis Europa!", prangt es in großen Lettern auf einem Plakat an einer Hausfassade in der Hamburger Straße - also in unmittelbarer Nähe des Eintracht-Stadions. Der bisherige Erfolg der Aktion ist überschaubar.

Doch die Schuld für die Stadionflaute ist in erster Linie in Wolfsburg selbst zu suchen. Liegt es an den Schichtplänen im großen Autowerk der Stadt? An den Ticketpreisen? Oder an der Qualität des Spiels? Zumindest letzteres Argument klingt absurd. Die Mannschaft von Trainer Glasner ist nach der vergangenen Überraschungssaison unter Bruno Labbadia abermals auf Europa-Kurs und ist als nur eines von drei Teams der Liga bislang ungeschlagen. Mehr noch: Saisonübergreifend sind die Grün-Weißen vor heimischen Publikum, unabhängig von dessen Größe, seit neun Ligaspielen unbesiegt. Sportlich läuft's. Und auch das Social-Media-Team des Klubs gibt sich mit einer ordentlichen Portion Humor viel Mühe, mehr Zuschauer anzulocken.

"Zuschauer-Quote ist recht hoch"

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Die Klub-Leitung verortet einen der Hauptgründe für den zähen Kampf um Zuschauer beim größten Arbeitgeber der Stadt. "Da viele VfL-Fans bei Volkswagen im Schichtsystem arbeiten, betrifft das natürlich auch die Zuschauer-Resonanz bei Abend-Spielen unter der Woche", erklärt Michael Meeske auf Anfrage von n-tv.de. Der 48-Jährige ist einer von drei Geschäftsführern und im Klub unter anderem für die Bereiche Marketing und Vertrieb verantwortlich. Wie Trainer Glasner begrüßt auch Meeske das Montagsspiel, das "speziell in unserer Situation mit vielen englischen Wochen und der Europa League für die Mannschaft einen weiteren, wertvollen Tag der Regeneration" biete. Der Besucherzahl vom vergangenen Donnerstag kann er ebenfalls Positives abgewinnen: "Gemessen an der geringen Einwohnerzahl von rund 125.000 ist die Zuschauer-Quote somit insgesamt immer noch recht hoch", erklärt er. Um diese Quote zu steigern, betreibe der Klub "im Laufe der Saison zahlreiche Maßnahmen zur Mobilisierung der Region".

Dennoch bleibt für manche Beobachter auch in dieser Spielzeit der Verdacht, dass die Wolfsburger mehrheitlich Fußballmuffel sein könnten. Und diese Einstellung könnte sich langfristig auch negativ auf den sportlichen Erfolg auswirken. Nach dem überzeugenden Erfolg gegen Olexandrija war die Frustration bei einigen VfL-Spielern nicht zu überhören. "Klar, das ist nicht Real Madrid", sagte Kapitän Maximilian Arnold: "Aber ich finde es gehört dazu, dass man trotzdem ins Stadion kommt."

Offensivmann Admir Mehmedi äußerte sich ebenfalls - freundlich, aber bestimmt: "Die, die nicht kommen konnten oder einfach nicht da waren, sollen das bereuen. Wir haben es denen gezeigt, die nicht gekommen sind, und hoffen, dass sie das nächste Mal kommen." Dieses nächste Mal ist nun ausgerechnet das erste Montagsspiel der Saison. Dazu noch gegen einen Gegner, der wenig attraktiv ist. Offensichtlich bleibt den starken Wölfen eine ihrer Leistung angemessene Anerkennung vorerst weiter verwehrt.

Quelle: n-tv.de

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