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Mit besten Grüßen von Robben Was will der FC Bayern mit Coutinho?

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Ein glücklicher "Weltstar" und zwei stolze Transferstrategen.

(Foto: imago images / Lackovic)

Der brasilianische Fußballstar Philippe Coutinho soll dem durchschaubaren Offensivspiel des FC Bayern neue Impulse verleihen. Die Nummer zehn ist Symbol und Statement. Mit der viel beachteten Verpflichtung des 27-Jährigen steigt aber auch der Druck auf Trainer Niko Kovac.

Einen Anruf hatte Hasan Salihamidzic noch zu erledigen, bevor er Philippe Coutinho am Mittag das Trikot des FC Bayern übergab. Mit Arjen Robben musste der Sportdirektor der Münchener noch reden. Eigentlich hatten sie Robbens Nummer zehn und auch die Nummer sieben von Frank Ribéry für ein Jahr nicht vergeben wollen, aus Dank an ihre aussortierten Legenden. Nun aber soll Coutinho die wichtigste Nummer im Weltfußball, die "10", bekommen. Weil er für etwas Großes steht, für etwas Spektakuläres. Für das, was sein Vorgänger Robben dem Klub gegeben hatte: den Triumph in der Champions League.

Es war eine gute Nachricht für Salihamidzic, dass Robben kein Problem damit hat, wie Klubchef Karl-Heinz Rummenigge sagte. Obwohl doch Salihamidzic mit dem Niederländer telefoniert hatte. Rummenigge berichtete noch, dass der Arjen den Philippe für einen würdigen Nachfolger halte. Salihamidzic dürfte erleichtert gewesen sein, hatte er das Trikot mit der "10" doch bereits beflocken lassen und es mit nach Barcelona genommen, um Coutinho zu zeigen, wie wichtig er für den FC Bayern ist.

Tatsächlich ist diese Nummer aber nicht nur ein Symbol, sondern auch ein Statement. Auf dieser Position fühlt sich der brasilianische Nationalspieler nach eigenen Aussagen am wohlsten. Dort treffe er die besten Entscheidungen. Bei seiner Vorstellung sagte er aber auch, dass er "dem Trainer auf jeder Position zur Verfügung stehe." Das ist nicht nur sehr höflich. Das ist auch sehr clever. Denn einen klassischen Zehner sieht das von Niko Kovac bevorzugte 4-3-3-System nicht vor. Wohin also mit dem Königstransfer? Was haben die Münchner ihm versprochen?

Der Druck liegt bei Coach Kovac

"Ich glaube erstmal", sagte Rummenigge und erklärte wohl das, was eigentlich Salihamidzic erklären wollte, der aber sofort abbrach und sich in die Rolle des Zuhörers fügte. "Ich glaube erstmal", sagte Rummenigge, "dass das, was Hasan Philippe vorgestellt hat, mit dem Trainer abgestimmt gewesen ist. Also gehen sie davon aus, dass die ganzen taktischen Varianten und die Positionen, die für Philippe vorgesehen sind, in Einklang und Harmonie, wie gesagt, abgestimmt wurden". Tatsächlich liegt der Druck nun bei Kovac, der den Weltstar nun gewinnbringend einbauen muss. Bei James Rodriguez, ein ebenfalls international hoch angesehener Kreativspieler, hatte das ja bekanntermaßen in der vergangenen Saison nicht funktioniert. Rummenigge hat das nicht gefallen.

Nicht gefallen hatte ihm übrigens auch die heftig kritisierte Kaderplanung des Vereins. Also nutzte er den Moment, um die Arbeit auf dem Transfermarkt ins rechte Licht zu rücken. "Vom Mix her ist das alles gut. Wir sind total zufrieden, und wir sind überzeugt, dass wir mit dem Kader, den wir jetzt damit auch stehen haben, eine erfolgreiche, gute Saison spielen werden. Wir alle beim FC Bayern sind total zufrieden." Das gilt auch für Präsident Uli Hoeneß. Bei Sky hatte er am Wochenende den jetzt fertiggestellten Kader sehr gelobt. Nun saß er im Publikum, stolz, und genoss die Präsentation.

Derweil zählte Rummenigge die französischen Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard, er nannte den kroatischen Vize-Weltmeister Ivan Perisic sowie die Talente Michaël Cuisance und Fiete Arp. Und eben Coutinho. "Das ist das, was wir unbedingt machen wollten: für die Offensive einen absoluten Topspieler holen", sagte Rummenigge. "Das ist mit Philippe gelungen." Ob nun im Zentrum, links oder gar rechts. Coutinho kann die offensive Kette bespielen. Und so schwärmen sie in München lieber von seinen Qualitäten, als dass sie darüber streiten mögen, welche Rolle denn nun die beste für ihn und für die Mannschaft ist.

"Von der Atmosphäre passt Bayern perfekt"

"Er ist ein Spieler, der den Ball durchstecken oder einen Chip-Ball spielen kann. Er kann die anderen Spieler einsetzen und ist selbst torgefährlich", sagte Rummenigge. Viele Qualitäten waren zuletzt aber eher eine Ahnung, als eine Bestätigung. "In Barcelona ist vieles nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte Coutinho. Die Rolle als Schlüsselspieler an der Seite von Lionel Messi konnte der als Topspieler vom FC Liverpool im Winter 2018 für 145 Millionen Euro gewechselte Brasilianer nie endgültig erfüllen. "Das ist Geschichte." Nun startet ein neues Kapitel. Ein vorerst günstiges für den FC Bayern. Für 8,5 Millionen Euro wird der Kreativspieler geliehen. Ein "Freundschaftspreis" sei das, sagte Rummenigge. Er führt ihn auf das außerordentliche gute Verhältnis der Münchener mit den Katalanen zurück. Weniger günstig ist die Kaufoption. Auch das sagte Rummenigge. Eine Summe sagte er dagegen nicht, und auch verriet er nicht, ob ein Direktkauf möglich gewesen sei. Womöglich wollen die Bayern erstmal abwarten, ob die Zusammenarbeit gut funktioniert, ob Coutinho wieder zu alter Form findet.

Für seine großen Ambitionen - die Meisterschaft, den Pokal, die Champions League - müsse Coutinho aber dringend die "Schlagzahl erhöhen", findet Ze Roberto. Er ist einer von zwölf brasilianischen Vorgängern beim FC Bayern. Bei dem einen (Rafinha) oder anderen (Lucio) hatte sich der Neue über seinen künftigen Arbeitgeber präventiv informiert. Und offenbar hatte er nur Gutes gehört. Ze Roberto gehörte indes nicht zu diesen Informanten. Im Interview mit dem "Kicker" sagte der mittlerweile 45-Jährige: "Für mich ist Coutinho ein Spieler der allerersten Güteklasse. Allerdings muss er das beweisen, in dem er wieder das Niveau erreicht, das er bei Liverpool gezeigt hat. Aber ich glaube, Bayern ist von der Atmosphäre her ein Klub, der perfekt zu ihm passt, und wo er das schaffen kann."

In München sind die Erwartungen an ihren ersehnten "Weltstar" enorm. Salihamidzic, dessen Arbeit in den vergangenen Wochen immer stärker kritisiert worden war, konnte sein stolzes Lächeln an diesem Mittag nie ablegen. Der Transfer habe, betonte der Kaderplaner, "eine große Bedeutung" für den FC Bayern. Er stehe dem Klub sehr "gut zu Gesicht". Coutinho könne der Fixpunkt der Offensive werden. Zuständig soll er für das Spektakel sein. Und für Titel. So wie einst Robben. Im Champions-League-Finale 2013. Mit der Nummer zehn auf dem Rücken.

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Quelle: n-tv.de

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