Fußball

Pastorale Ehrung für die WM-Helden Wenn der Poldi mit dem Präsi

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Lukas Podolski im Zentrum der Macht.

(Foto: dpa)

Wie sollte es auch anders sein: Joachim Gauck zeichnet die Fußball-Weltmeister im Schloss Bellevue aus, und dreht dabei das ganz große Rad der Geschichte. "Die Mannschaft" hört brav zu, Lukas Podolski hat trotzdem seinen Spaß.

So eine Verleihung beim Bundespräsidenten in Berlin, das vorneweg, ist eine gediegene Sache. Lukas Podolski betritt, eine geschlagene Viertelstunde vor Anpfiff, als erster seiner Mannschaft den Saal, zwinkert ins Publikum. Per Mertesacker rückt seine Krawatte zurecht, dann nehmen sie Platz unter den vier großen Kronleuchtern im großen Saal des Schlosses Bellevue.

Und zwar strikt in alphabetischer Reihenfolge, von Jérôme Boateng bis Ron-Robert Zieler. Dazwischen sitzen, alle im dunklen Einheitsanzug, Erik Durm, Matthias Ginter, Mario Götze, Kevin Großkreutz, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Sami Khedira, Miroslav Klose, Christoph Kramer, Toni Kroos, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Thomas Müller, Skhodran Mustafi, Manuel Neuer, Mesut Özil, Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Roman Weidenfeller. Entschuldigt, weil verletzt fehlen: Julian Draxler und André Schürrle. Es spricht: Joachim Gauck, der Hausherr.

Der Präsident ist sichtlich guter Laune, es gibt schließlich unangenehmere Termine. Er darf den deutschen Fußball-Weltmeistern das Silberne Lorbeerblatt überreichen, die höchste Sportauszeichung, die diese Republik zu bieten hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auch da, klar, an ihrer Seite Innenminister Thomas de Maizière, er darf ebenfalls neben den Spielern in der ersten Reihe sitzen. Wolfgang Niersbach, Chef des DFB, darf nicht fehlen, und wenn’s etwas zu feiern gibt, lässt sich auch Fifa-Präsident Joseph Blatter nicht lange bitten. Wie es sich für den ersten Mann im Staate gehört, sagt Joachim Gauck nicht einfach Danke, sondern schlägt gleich den ganz großen Bogen.

Urkunde, Anstecknadel, Foto

Zum vierten Mal hat eine deutsche Mannschaft in diesem Sommer den WM-Titel gewonnen, am Ende dieser denkwürdigen Wochen in Brasilien stand ein 1:0 gegen Argentinien am 13. Juli in Rio de Janeiro. "Wenn man so will, markieren diese Weltmeistertitel wichtige Etappen auf dem Weg unseres Landes nach dem Krieg." 1954, 1974, 1990 - und eben 2014.

Falls das einem der Spieler zu bedeutungsschwer sein sollte, lässt sich niemand etwas anmerken. Sie bleiben brav sitzen wie ABC-Schützen und warten darauf, dass sie aufgerufen werden. Das werden sie dann auch, Urkunde, Anstecknadel und Foto - jeder Spieler einzeln mit Gauck, Merkel und de Maizière, soll keiner zu kurz kommen, ist ja auch was fürs Album. Podolski klopft, als er dran ist, dem Bundespräsidenten herzhaft auf die Schulter und zwinkert danach verschwörerisch dem Kollegen Mertesacker zu.

"Das Allerbegehrenswerteste, das Allergrößte"

Als Philipp Lahm, der emeritierte Kapitän, nach erfolgreicher Verleihung des Lorbeerblattes zur Dankesrede ansetzt, klingt das so: "Ich denke, dass sich die Mannschaft das auch redlich verdient hat." Hier spricht der Weltmeister. Solch eine Feierstunde sei aber, das auf jeden Fall, etwas ganz Besonderes. Aber wozu auch falsche Bescheidenheit? Hatte Gauck doch selbst von "unseren Helden" gesprochen und gesagt: "Dass Spieler und Trainer, Betreuer und Verband Weltmeister geworden sind, das ist ja nur die halbe Wahrheit, die kleinere Hälfte sogar. Die ganze Wahrheit ist doch, dass wir alle Weltmeister geworden sind, dass wir uns alle jedenfalls so fühlen."

Überhaupt sei das doch das "Allerbegehrenswerteste, das Allergrößte. Es war schon etwas Besonderes, als Bundespräsident Weltmeister zu werden". Andreas Bourani singt noch sein "Auf uns", die Hornisten der Berliner Philharmoniker spielen, wie Ansager Johannes B. Kerner sagt, zum Abschluss dieses weltmeisterlichen Treffes noch die "richtige Hymne". Abgang. Podolski freut sich und grinst, winkt ins Publikum. Aber sonst, wie gesagt: gediegene Sache.

Quelle: ntv.de

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