Fußball

Flick, Mourinho, ten Hag, Wenger Wer folgt beim FC Bayern auf Niko Kovac?

imago37917548h.jpg

Vorgänger und Nachfolger? Niko Kovac (links) und Erik ten Hag trafen 2018 in der Champions League aufeinander.

(Foto: imago/MIS)

Erst einmal macht's Hansi Flick. Der Ko-Trainer des FC Bayern füllt das Vakuum, das sich beim Tabellenvierten nach der Trennung von Niko Kovac aufgetan hat. Ob das eine Dauerlösung ist? Eher nicht. Wahrscheinlicher scheint ein Nachfolger aus den Niederlanden.

Der FC Bayern hatte gerade erst wieder einen dieser ungewohnt zähen Siege in der Fußball-Bundesliga eingefahren, ein 2:1 daheim gegen Aufsteiger Union Berlin. Nur wenig später erklärte Marc Overmars, Manager von Ajax Amsterdam, dass er gesprächsbereit wäre, wenn ein Top-Klub wie der aus München Interesse an seinem Erfolgstrainer Erik ten Hag anmelden würde. "Man muss immer realistisch bleiben", sagte er gegenüber Fox Sports. "Wenn so große Vereine auf einen zukommen, wie oft bekommt man so eine Chance? Wir werden uns so etwas immer anschauen."

Overmars sieht ein mögliches Interesse als Beleg für die gute Arbeit. Ob es eine offizielle Anfrage gab, beantwortete der Manager nicht. Das war sehr höflich, denn die Münchener hatten mit Niko Kovac da noch einen Trainer, der zwar heftig in der Kritik stand, dessen schnelles Ende aber nicht wahrscheinlich war. Die Peinlichkeit mit Fast-Blamage im DFB-Pokal beim VfL Bochum und der Untergang am zehnten Spieltag der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt beschleunigten das Kovac-Rad dann aber derart, dass nur noch die Notbremse versprach, weitere fußballerische Unglücke zu verhindern. Und so erfolgte am Sonntagabend die Trennung. Offiziell einvernehmlich.

Wie der Bezahlsender Sky nun berichtet, halten sich die Münchener allerdings nicht lange im Langzeitplan-Vakuum auf, sie haben bereits Kontakt zu ten Hag aufgenommen. Der Dienstweg dürfte sehr kurz gewesen sein. Schließlich kennt man sich. Von 2013 bis 2015 war der 49-Jährige verantwortlich für die Reserve des FC Bayern. Und dass es ihm dort gut gefallen habe, daraus machte er zuletzt kein Geheimnis. Im Interview mit dem "Kicker" hatte der Coach gesagt, er "schließe nichts aus", wenn der "FC Bayern anrufen sollte." Kurzfristig aber steht ten Hag nicht bereit, erst zur nächsten Saison soll er verfügbar sein. "Ich kann bestätigen, dass ich diese Saison bei Ajax bleibe", sagte der 49-Jährige am Montagabend.

Ein Mann für alle Münchener Sehnsüchte

Aber auch wenn ten Hag keine Erfahrung als Trainer in einer Top-Liga hat - außer bei der Münchener Zweitvertretung war er nur in den Niederlanden angestellt -, so bedient er mit seinem Coaching viele Sehnsüchte des Deutschen Meisters: Ein eigenes System hat er bei Ajax eingeführt. Elemente des Guardiola'schen Fußball, der Katalane war damals zu Ten Hags Zeiten in München für die Bundesliga-Mannschaft verantwortlich, hat er mit dem legendären 4-3-3 der Amsterdamer verwoben. Er hat Spieler weiterentwickelt. Frenkie de Jong (zum FC Barcelona) und Matthjas de Ligt (zu Juventus Turin) wechselten zu Topklubs. An beiden Spielern sollen auch die Münchener interessiert gewesen sein. Ten Hag machte aber auch aus David Neres, aus Hakim Ziyech (auch an ihm war München dran) und aus Donny van de Beek heftig umworbene Spieler. Und selbst der alte Dusan Tadic spielte so groß auf, dass er Interesse weckte. Sie alle aber blieben.

Und ten Hag hat mit Ajax in der Champions League für Aufsehen gesorgt. Spektakulär war seine Mannschaft ins Halbfinale gestürmt. In der Vorrunde gab's zwei beachtete Remis' gegen München, im Achtelfinale wurde Real Madrid im Rückspiel mit 4:1 gedemütigt. Im Viertelfinale waren Cristiano Ronaldo und Juventus Turin der Ajax-Wucht erlegen. Erst danach war's vorbei, dramatisch in der letzten Minute, gegen Tottenham mit dem furiosen Lucas Moura. Die von Mauricio Pochettino gecoachten Hotspur konnten die Euphorie aber nicht ins Finale retten, dort waren sie gegen Jürgen Klopps FC Liverpool chancenlos. Dennoch hat "Poch" Eindruck beim FC Bayern hinterlassen. Das allerdings auch schon länger. Laut Sport1 ist er Topkandidat von Sportdirektor Hasan Salihamdizic. Im vergangenen Jahr sollen beide bereits mal ausführlich miteinander gesprochen haben. Wie viel Gewicht sein Wort im sehr undurchsichtigen und heterogenen Alphatier-Gerangel mit Noch-Präsident Uli Hoeneß und Klubchef Karl-Heinz Rummenigge hat? Unklar.

Löw wird's sicher nicht

Die prominenteste Lösung, die aktuell gehandelt wird, ist José Mourinho. Ein autoritärer Titelgarant, aber auch jemand, der bei fast allen Engagements kaputte Mannschaft hinterlassen hat. Und schöner Fußball, eine weitere Münchener Obsession, war auch nicht immer dabei. Der BVB soll übrigens ebenfalls Interesse an dem lauernden Portugiesen haben, sollte die Personalie Lucien Favre akut problematisch werden. Mourinho freundet sich mit Deutschland derweil schon sehr an, zumindest lernt er die Sprache. Im medialen Kandidaten-Verteiler sind auch noch Arsenal-Legende Arsene Wenger, er könne sich den Job laut "Daily Telegraph" sehr gut vorstellen, Bayerns ehemaliger "Aggressive Leader" Mark van Bommel (PSV Eindhoven) und der vereinslose Massimiliano Allegri. Er käme mit der Empfehlung von sechs nationalen Meisterschaften - fünfmal mit Juventus und einmal mit dem AC Mailand. Aber mit italienischen Gentlemen haben sie's in München ja nicht immer leicht gehabt.

Am wenigsten glaubhaft scheint das Gerücht um Ralf Rangnick. Die Bayern-Bosse halten den Red-Bull-Überkoordinator für nicht kompatibel. Diese Meinung soll vor allem Hoeneß vertreten. Immer wieder gab' kleine verbale Scharmützel zwischen Rangnick und ihm. Allerdings tritt Hoeneß ja sehr bald aus der ersten Reihe zurück, nicht aber ohne sich über den mutmaßlichen Nachfolger Herbert Hainer Einfluss gesichert zu haben. Andere mögliche Sehnsuchtstrainer der Vergangenheit, Klopp beispielsweise, Julian Nagelsmann oder auch Thomas Tuchel, sind derzeit nicht verfügbar. Und ob Bundestrainer Joachim Löw - der galt auch mal als Kandidat - nach seiner Radikal-Ausmusterung von Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller in München gerne gesehen wäre, darf bezweifelt werden. Zu haben wäre er aber auch ohnehin nicht.

Wenn sich Mönchengladbachs Marco Rose und Werder Bremens Florian Kohfeldt weiter so rasant entwickeln, werden auch sie als bundesligaerfahrene Trainer für die Bayern interessant werden. Doch das gilt noch nicht. Auch U-17- Coach Miro Klose ist noch nicht annähernd lange genug im Trainer-Geschäft, um die Profi-Mannschaft übernehmen zu können. Eine charmante Lösung wär's aber schon.

Zunächst schlägt also die Stunde von Flick. Er trug von 1985 bis 1990 das Bayern-Trikot und erweiterte im Sommer den Trainerstab von Kovac. Damit wurde Flick nun zum Mann für alle Fälle. Als enger Mitarbeiter und Vertrauter von Bundestrainer Löw hatte er einen erheblichen Anteil am deutschen WM-Triumph 2014 in Brasilien. Jetzt fungiert er "bis auf Weiteres" als Münchner Nothelfer. Das Nothilfeprogramm gilt ausdrücklich erst einmal für die "wichtigen Spiele" gegen Piräus und Dortmund, wie der FC Bayern mitteilte. Aber je nachdem, wie Flick seine Chef-Premiere in Champions League und Bundesliga gestalten wird und wie die Münchner Bosse die Kovac-Nachfolge inklusive aller Verfügbarkeiten regeln wollen, könnte die Interimslösung auch in eine Verlängerung gehen.

*Datenschutz

 

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema