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Pokalspiel gegen FCN als Maßstab Wie erstligareif ist der Hamburger SV?

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Schlechte Laune auf der Alm: Orel Mangala, Lewis Holtby und Gideon Jung.

(Foto: imago/Dünhölter SportPresseFoto)

Noch steht der Hamburger SV an der Spitze der zweiten Fußball-Bundesliga. Doch richtig rund läuft es nicht. Nun empfängt das Team von Trainer Wolf den 1. FC Nürnberg im Achtelfinale des DFB-Pokals. Es ist ein richtungsweisendes Spiel auf dem Weg zur Erneuerung.

Die Generalprobe haben die Spieler des Hamburger SV verpatzt. Drei Tage vor dem Achtelfinale im DFB-Pokal setzte es für den Tabellenführer der zweiten Fußball-Bundesliga in Unterzahl eine 0:2-Pleite auf der Bielefelder Alm - ein Rückschlag für die Hanseaten, die in dieser Saison eigentlich in ruhigere Fahrwasser aufbrechen wollen. Herzstück des Plans ist die sofortige Rückkehr in die Bundesliga. Immerhin: Trotz eines mauen Rückrundenstarts mit nur drei Punkten aus drei Spielen liegt der Traditionsklub mit 40 Punkten weiter auf Kurs.

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"Alle an einem Strang": Marcell Jansen. Klubpräsident.

(Foto: imago/Metelmann)

Im Pokalduell mit dem 1. FC Nürnberg an diesem Dienstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) kann der neue HSV nach seinem Abstieg beweisen, dass er sportlich wieder erstligareif ist. Die Partie ist in vielerlei Hinsicht richtungsweisend auf dem Hamburger Weg zur Erneuerung. Dieser sei "in den vergangenen Monaten bereits eingeschlagen" worden, wie Marcell Jansen auf Anfrage von n-tv.de mitteilt. Vor gut zwei Wochen ist der ehemalige Profi zum Präsidenten des HSV e.V. gewählt worden. Viele Fans erhoffen sich von ihm auch positive Impulse für die HSV Fußball AG. Es gelte nun, "dass wir alle an einem Strang ziehen und auf die gemeinsamen Ziele für unseren HSV hinarbeiten", sagt Jansen.

Dabei nimmt er auch die Profis in die Pflicht. "Nach zwei Niederlagen aus den letzten drei Ligaspielen geht es auch darum zu zeigen, wo unsere Stärken liegen und spielerisch zu überzeugen", sagt der 33-Jährige und verweist auf die Wichtigkeit des Pokalspiels: "Das bringt auch für die ebenso wichtigen Spiele, die in der Liga folgen, wieder das richtige Selbstvertrauen." Bei Trainer Hannes Wolf stößt Jansen damit auf offene Ohren. "Der Pokal ist ein fantastischer Wettbewerb. Und wir wollen drin bleiben."

Eine gewisse Fallhöhe

Mit Blick auf die anderen Teams in der Runde der letzten 16 scheint der HSV mit dem Glubb einen dankbaren Gegner erwischt zu haben. Das 1:1 gegen den SV Werder Bremen war nach sechs Niederlagen in Folge zwar ein Lichtblick, die Nürnberger bleiben aber auf dem vorletzten Platz der Bundesliga. Wolf jedenfalls spricht von einem "Duell auf Augenhöhe". Für den 37-Jährigen und sein Team avanciert das Pokalduell 103 Tage vor dem Saisonfinale zum Erstliga-Gradmesser mit einer gewissen Fallhöhe: Gelingt gegen Nürnberg kein Sieg, könnte das rund ums Volksparkstadion auf die Stimmung schlagen. Auch wenn - oder weil - der Gegner aus einer höheren, der angestrebten Spielklasse kommt.

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Personell hat es Wolf, der den Trainerposten von Christian Titz nach zehn Spielen mit nur einem Punkt Rückstand auf einen Aufstiegsplatz übernommen hatte, nicht leicht. Im Angriff fallen Hee-Chan Hwang und Kapitän Aaron Hunt nach Muskelfaserrissen aus, Abwehr-Stabilisator Gideon Jung plagt sich mit Adduktorenproblemen. "Wir haben eine gute medizinische Abteilung, die sich darum kümmern wird. Dann werden wir am Dienstag eine Mannschaft auf den Platz stellen, die Nürnberg schlagen kann", sagte Wolf. "Da müssen wir nicht lange weinen."

Manch HSV-Fan wird aber genau danach zumute sein, Angreifer Pierre-Michel Lasogga hat muskuläre Probleme und fiel bereits in Bielefeld aus. Das spitzt die Lage beim HSV noch einmal zu. Das Spiel bei der Arminia zeigte abermals: Ohne "PML" geht offensiv nicht viel. Mit neun Ligatreffern ist der 27-Jährige der Toptorjäger der Hamburger, so auch im Pokal, wo er beim verrückten 5:3 über den Regionalligisten TuS Erndtebrück und dem deutlich souveräneren 3:0 gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden vier Mal knipste. Nun sei Mittelstürmer Fiete Arp nun ein "Startelf-Kandidat". Es passt aber ins Bild, dass der 19-Jährige laut Wolf wegen Rückenproblemen "unter Schmerzmitteln" in Bielefeld gespielt habe.

Vier Trainer auf der Gehaltsliste

Nicht nur sportlich ist die Lage beim HSV angespannt. Das richtungsweisende Pokalspiel gegen Nürnberg ist für den Klub auch von wirtschaftlicher Relevanz. Die Hamburger stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Wieder einmal. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/2018 hat die HSV Fußball AG zum achten Mal in Folge rote Zahlen geschrieben, das Minus betrug 5,8 Millionen Euro. Macht einen Gesamtfehlbetrag von 66 Millionen. Dazu belaufen sich die Verbindlichkeiten auf 85,4 Millionen Euro.

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"Keinen Grund, die weiße Fahne zu hissen": Hamburgs Trainer Hannes Wolf.

(Foto: imago/Dünhölter SportPresseFoto)

Mit Blick auf diese Zahlen wirken die 1,3 Millionen Euro lächerlich, die beim Einzug ins Pokal-Viertelfinale winken. Doch die Fußball AG des stolzen HSV hat jegliche Hilfe nötig. "Wir müssen sehen, dass wir mehr einnehmen als wir ausgeben", hatte Vorstandsboss Bernd Hoffmann zu Beginn des Jahres der "Bild"-Zeitung gesagt. "Wir haben oft Verträge abgeschlossen, die waren dramatisch überbezahlt."

Die 3,4 Millionen Euro pro Jahr, die Lasogga zum Topverdiener der zweiten Liga machen, sowie vier Trainer - Wolf, Christian Titz, Bernd Hollerbach und Markus Gisdol - auf der Gehaltsliste sind nur zwei Beispiele für die legere Geldpolitik der vergangenen Jahre. "Die Zeiten des großen Geldes beim HSV sind vorbei", hatte Sportchef Ralf Becker deshalb im Dezember im "Hamburger Abendblatt" verkündete. Und so sollen die Fans einen Teil des Spar- und Konsolidierungskurses mit dem Kauf einer neuen Anleihe mittragen, die seit vergangenen Freitag 17,5 Millionen Euro einbringen soll. "Wir müssen kreativ sein", so Becker. Das gilt zunächst auch für Trainer Hannes Wolf im Pokalspiel gegen Nürnberg. Trotz der personell angespannten Lage sehe er "keinen Grund, dass wir hier jetzt die weiße Fahne hissen". Jammern ist eben nicht beim neuen HSV.

Quelle: n-tv.de

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