Fußball

Redelings andere Fußballlaufbahn Wie keine Grätsche die Karriere verhinderte

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Ben Redelings: 40 Jahre fußballverrückt.

(Foto: Twitter @Scudetto)

Ben Redelings ist ein feiner Fußballtechniker. Einer, der das Zusammenspiel mag, auf dem Platz und in der Rhetorik. Für n-tv.de beschreibt er regelmäßig die lustige Seite des liebsten Ballsports der Deutschen. Das tut schließlich nicht weh.

Der Junge kommt aus Bochum. Da ist ein Teil deines Lebens schon vorgeplant. Irgendwann wirst du einmal mit einem runden Lederball in Berührung kommen. Irgendwann wirst du dein erstes Fiege-Pils trinken und es lieben. Und irgendwann wirst du deine erste Currywurst essen und der festen Überzeugung sein, dass es nirgendwo eine bessere gibt. Und wenn alles richtig gut läuft, dann gehst du irgendwann ins richtige Stadion. Ins Ruhrstadion. Ben Redelings ist ein Bilderbuch-Bochumer. Heute wird er 40 Jahre alt. 40 Jahre in denen sich eine ganze Menge um den Fußball dreht. 40 Jahre in denen er sich so intensiv mit den Karrieren von Bundesliga-Legende beschäftigt hat, dass er sie bald besser erzählen kann, als die Spieler selbst.

In zahlreichen Büchern und bei seinem vor allem im Ruhrpott legendären Scudetto-Abenden packt unser n-tv.de-Kolumnist alles aus, was die Liga und ihre Protagonisten an Anekdoten zu erzählen hat. In seinem neuesten Buch "Die Bundesliga wie sie lebt und lacht" hat er gleich 100 Geschichten zusammengetragen, von Schiedsrichter-Legende Ahlenfelder bis zu Kontrollfreak Branko Zebec. Doch ebenso wie über den Taxi-Walker Ansgar Brinkmann oder den Buxen-Hochzieher Thorsten Legat gibt es auch über Ben Redelings lustige Anekdoten zu erzählen.

Kindheit im Schimmer des Flutlichts

Ein Freitagabend im Jahr 1980. Ben ist gerade einmal fünf Jahre alt. Mit seinen Eltern und dem sieben Jahre alten Bruder wohnt er am Stadtpark. Ein Steinwurf vom Stadion des VfL Bochum entfernt. Über den Wipfeln der alten Bäume sieht er das helle Schimmern der Flutlichtmasten. Heimspiel. Für Bens Vater, für Bens Bruder, für Tausende VfL-Fans. Aber nicht für Ben. Er guckt aus dem Fenster, schreit wie am Spieß. Zweieinhalb Stunden hält er die schrille Tonlage aufrecht und seine Mutter am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Es lohnt sich. Als Papa und Bruder heimkommen, spricht Mama ein Machtwort: "Beim nächsten Spiel nehmt ihr Ben mit." Es ist der Beginn einer unendlichen Liebe, zum VfL, zum Fußball.

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Und aus dieser Liebe wäre möglicherweise sogar mal ein gut dotierter Broterwerb geworden. "Ich habe tatsächlich mal große Ambitionen gehabt, Profifußballer zu werden. Wir waren bei unserem Verein damals zwei Leute, die es weit gebracht haben." Soweit, dass sie zu einem Auswahltraining eingeladen wurden. Der Trainer begeistert davon, gleich zwei Burschen auf den richtigen Weg gebracht zu haben, machte seine Jungs heiß: "So, jetzt üben wir noch mal Grätschen." Der kleine Redeling guckte auf die Asche runter und sagte: "Du, Bombenidee, aber das mit der großen Karriere, das überlege ich mir noch mal!"

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Fußball ohne Töppen

Er überlegte. Und er fand eine Lösung. Die Töppen hing er fix an den Nagel. Den Fußball aber gab er nicht auf. Er wurde zum ersten "Fußballkulturschaffenden in Vollzeit" - mit der staatlich anerkannten Lizenz auch als Pädagoge Aufklärungsarbeit zu leisten. Doch in der Rolle des Kulturschaffenden fühlt er sich am Wohlsten und natürlich auf der Osttribüne des Ruhrstadions. Dorthin geht er am liebsten mit seinen Kumpels. Für Frau Nadine ist da kein Platz. "Ich glaube er hat dann das Gefühl, dass er sich nicht aufregen darf." Und aufregen, das gehört zur Grundausbildung des gemeinen VfL-Fans.

Welchen Gemütszustand unser Kolumnist hatte, als sich seine Frau einen Riesen-Fauxpas leistete, verrät Nadine Redelings nicht. Nur so viel: "Ich habe unserem Erstgeborenen mal ein Lätzchen des FC St. Pauli aus Hamburg mitgebracht. Ich fand das so süß." Und wie reagierte der Gemahl? Nun, äußerlich ganz besonnen. "Er hat das Lätzchen beim Füttern umgedreht, damit er das Logo nicht sehen musste." Eine andere Funktion der Kommunikation versagte dem Jubilar bei einem gemeinsamen Irland-Urlaub mit der Frau. In einem gemütlichen Pub lernten die Bochumer ein sympathisches Pärchen aus England kennen. "Wir haben uns wirklich nett unterhalten. Also ich mit den beiden anderen." Denn Ben verstand offenbar nur Bahnhof – dachte zumindest Nadine und dachten wohl auch die beiden Einheimischen. Doch dann sagte der Brite das Wort Fußball. Und aus Ben sprudelte es nur so heraus. Sprachbarriere? So what! Nun gut, das ein oder andere Pint half dem Kulturschaffenden ganz sicher auch aus seiner Sprachlethargie.

Bochum-Dress ein Muss

Kurz nach dem Urlaub erreichte die Redelings ein Paket aus England. Voller Fan-Utensilien des FC Reading. Denn von diesem kleinen Klub in der Nähe von London war die Urlaubsbekanntschaft großer Fan. Ein Trikot mehr in der heimischen Sammlung. Die besteht übrigens fast ausschließlich aus den Heim-Jerseys des VfL – natürlich. Und – nimm es uns nicht übel Ben – auch aus dem hässlichsten Trikot, dass die Jungs von der Castroper Straße je tragen mussten. Wenn auch nur einmal, beim Spiel auf Schalke. Die Farbe: PINK! Und weil der Bochumer solidarisch ist, zwängte sich Ben auch einmal in das doch eher feminine Dress.

Und da gibt's noch so eine kleine, schöne Anekdoten mit dem anderen Geschlecht. Denn als der Harndrang bei einem Spiel in Duisburg mal unangenehm wurde, sprintete Ben kurzerhand aufs Damenklo. Er wurde erkannt. Und durch die Gänge des Wedaustadions hallte es: "Ey, guck mal, der Redelings geht bei den Weibern pinkeln."

Geschadet hat es seinem Ruf nicht. Seine Bücher verkaufen sich, seine Leseabende sind nahezu immer ausverkauft und seine Kolumne auf n-tv.de hat eine große Fan-Gemeinde. Lieber Ben, zum Geburtstag, alles Gute. Und ab jetzt überlassen wir das Trüffelfeld der Anekdoten wieder dir. Glück auf!

Quelle: ntv.de