Fußball

Die Lehren des fünften Spieltags Wie verwundbar ist der FC Bayern?

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Symbolbild "Nicht-so-gute-Laune."

(Foto: imago/ULMER Pressebildagentur)

Wahrscheinlich ist der Wunsch der Vater dieses Gedankens: Aber ist der FC Bayern vielleicht doch nicht unschlagbar? Das experimentelle Remis gegen Augsburg ist mau, der junge BVB schießt sich derweil gegen Nürnberg in die Extase.

1. Der FC Bayern lässt was liegen

Bei der Dominanz des seit sechs Jahren exklusiven Abonnenten auf die Fußballmeisterschaft in Deutschland, verdichtet sich die Hoffnung auf so etwas wie Spannung in der Frage: Ist der FC Bayern nicht doch irgendwie verwundbar? Die Antwort ist ein klares Jein. Richtig ist, dass Trainer Niko Kovac mit seiner Rotation beim 1:1 gegen den FC Augsburg an seine Grenzen gestoßen ist. Dem deutschen Nationalspieler Leon Goretzka als Mittelfeldakteur den Job als linker Außenverteidiger zu geben, das war dann doch ein Experiment zu viel. Und Angreifer Robert Lewandowski wird bei Partien mit höherer Priorität nicht nur deshalb auf der Bank sitzen, damit Sandro Wagner auch mal darf. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Kader der Münchner in der Breite doch nicht so gut bestückt ist, wie sie es gerne hätten.

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"Man muss das über die Bühne bringen": Arjen Robben.

(Foto: imago/kolbert-press)

Aber auch dieses Spiel haben sie nicht verloren, so gut es den Gästen auch gelang, die Räume zuzustellen und die Bayern in ihrem Spielfluss zu hindern. Und natürlich bleiben sie auf Tabellenplatz eins. Dennoch gaben sich die Spieler hinterher unzufrieden. "Wenn man in Führung geht in der eigenen Arena, muss man das über die Bühne bringen", sagte Arjen Robben, der am Dienstag nach 48 Minuten das 1:0 erzielt hatte. Er hatte bei sich und seinen Kollegen "den letzten Tick Konzentriertheit", die "Geilheit vor dem Tor" vermisst, den Willen, "das Spiel eiskalt zu entscheiden". Und so erzielte der 20 Jahre alte Felix Götze, der seine Jugend beim FC Bayern verbracht hatte und in der vergangenen Saison mit den Profis trainieren durfte, vier Minuten vor dem Ende der Partie den Ausgleich.

Das war verdient, wie nicht nur Robben befand: "Die anderen Gegner sind nicht so aufgetreten wie Augsburg - Kompliment." Die Münchner haben nun also nach vier Siegen zum ersten Mal zwei Punkte abgegeben. Und ob es demnächst in der Liga zumindest vorläufig etwas spannender zugeht, entscheidet sich bereits am Freitag: Dann gastiert der FC Bayern (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) vor 74.000 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion. Die Hertha verlor zwar am Dienstag in Bremen, könnte aber mit einem Sieg nach Punkten mit den Münchnern gleichziehen. Aber ob die Bayern so verwundbar sind, dass sie sich diese Blöße geben? Schließlich lauert hinter ihnen die Dortmunder Borussia.

2. BVB bietet wahnwitzige Talentshow

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Hurra, hurra: Marco Reus.

(Foto: dpa)

Das rauschhafte 7:0 gegen den 1. FC Nürnberg beflügelt die Fantasien der BVB-Fans. Weil blutjunge Spieler auf dem Platz stehen, die jetzt schon überzeugen und ein noch größeres Versprechen auf die Zukunft sind. Doch der notorisch emotionslose Trainer Lucien Favre rät genau deshalb zur Vorsicht. Und Mario Götze? Sitzt wieder nur auf der Tribüne. Unser Kollege Felix Meininghaus war im ausverkauften Westfalenstadion und hat die Lage analysiert: Borussia Dortmund bringt Fans zum Träumen - Mit "Jugend forscht" den FC Bayern jagen?

3. Fans sollen Stimmung machen - keinen Aufstand

Dienstag, 18.30 Uhr - Anpfiff im Bremer Weserstadion. Mittwoch, 18.30 Uhr - Anpfiff in der Düsseldorfer Arena. Fanfreundlich ist das nicht. Respekt, dass 39.100 und 40.046 Fans in die Stadien kamen. Um dann lautstark schweigend gegen die Kommerzialisierung des Fußballs zu demonstrieren. Symbolische 18.30 bis 20 Minuten nach Anpfiff schwiegen die meisten Anhänger der Erst- und Zweitliga-Klubs in dieser englischen Woche - auch bei den Spielen um 20.30 Uhr. In Bremen etwa hing ein Banner: "Football is for you and me - not for fucking Pay-TV." Streitthemen zwischen den Fan-Gruppierungen und der Deutschen Fußball-Liga sowie dem Deutschen Fußball-Bund sind unter anderem die Zerstückelung der Spieltage, die Diskussion um die 50+1-Regel und ein als intransparent empfundenes Strafensystem.

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Klare Ansage im Freiburger Schwarzwaldstadion.

(Foto: imago/RHR-Foto)

Verständnis äußerte Dieter Hecking, der Trainer von Borussia Mönchengladbach: "Ich finde es schade, dass es uns bei einem Heimspiel trifft. Aber die Fans wollen was zum Ausdruck bringen, was ihnen wichtig ist. Und wenn das ganz ohne Randale geht, dann muss man ihre Kritik auch anhören." Seinen Bremer Kollegen Trainer Florian Kohfeldt trieb etwas ganz anderes um: "Ich hatte schon Angst, dass mich alle Zuschauer hören können." Doch nicht alle verstehen die Fans. Der Präsident des SC Freiburg, Fritz Keller, sagte: "Fans müssen überlegen, was sie machen, ob sie damit dem eigenen Klub schaden." Und Robin Dutt, Trainer des Zweitligisten VfL Bochum, schimpfte: "Ich habe kein Verständnis für den Protest der Fans! Das hat im Stadion nichts zu suchen. Die Dresdner Fans waren natürlich clever, das bei einem Auswärtsspiel mit zu initiieren." Die Dynamo-Ultras sind also an allem Schuld? Mitnichten. Aber diese Aussage zeigt, was von Fans erwartet wird: Stimmung machen, aber ansonsten bitte die Klappe halten. Und das gilt ligaübergreifend.

4. Der SV Werder tanzt zum Heimrekord

Seit genau 15 Bundesliga-Heimspielen steht Florian Kohfeldt nun als Trainer an der Seitenlinie im Bremer Weserstadion. Seitdem er am 31. Oktober 2017 als Nachfolger von Alexander Nouri zum Interimstrainer und am 10. November schließlich fest installiert wurde, hat er das Stadion zu einer Festung ausgebaut. Sieben Siege und acht Unentschieden stehen in für ihn zu Buche. Damit hat Kohfeldt nun sogar eine Werder-, ach was, eine Fußball-Legende übertrumpft: Otto Rehhagel. Der hatte es mit seiner Mannschaft im Jahr 1981 geschafft, 14 Mal hintereinander zu Hause nicht zu verlieren. Wer träumt ob dieser neuen Rekord-Serie nicht zumindest klammheimlich davon, als Werder-Fan stolzer Besitzer einer Dauerkarte zu sein. Jede zweite Woche mindestens ein Punkt und niemals so ganz traurig nach Hause - irre.

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Ein Tänzchen in Ehren ...

(Foto: imago/Jan Huebner)

Gegen den Lieblingsgegner aus Berlin sprang am Dienstag ein 3:1 heraus - ein verdientes und schön anzusehendes. Zwar half Hertha BSC kräftig mit, dass Werder glänzen und punkten konnte - siehe Slapstick-1:0 und Elfmeter - doch das soll die Bremer Leistung nicht schmälern. Die kann sich sehen lassen, Kohfeldt hat das Team im Vergleich zur vergangenen Saison nochmals entwickelt. Die Mannschaft trat dominant auf, präsentierte sich ballsicher und torhungrig. Und gutgelaunt: Ihre Tore feierten die Kumpels Martin Harnik und Max Kruse mit einem Tänzchen. Kruse erklärte später: "Jeder, der vom Dorf kommt, der weiß, dass es dort solche Tänze gibt." Nun gut, bei dieser Heimstärke ist dieser kleine Spaß mehr als erlaubt. Zumal ihr Trainer noch etwas feststellte: "Bislang sind sie nicht durch besonders koordinative Fähigkeiten aufgefallen." Wieder was gelernt.

5. Hertha verteilt weiter Elfmeter-Geschenke

Hertha BSC präsentiert sich zurzeit ziemlich fidel. Beim Spiel in Bremen gab es allerdings einen Dämpfer für alle Fans, die vor lauter Euphorie schon gen grauen Berliner Herbsthimmel entschweben wollten. Die Mannschaft hat dazu beigetragen, sich selbst zu schlagen: Fünfter Spieltag, fünfter Elfmeter gegen das Team von Pal Dardai. Der Strafstoß dieses Spieltags war absolut gerechtfertigt. Das war - siehe Wolfsburg - nicht bei allen so eindeutig. Oder hören wir doch einfach, was der foulende Marvin Plattenhardt zu der Szene in der 65. Minute sagte: "Er kommt von hinten, ich sehe ihn nicht, ich berühre ihn, und er macht das natürlich clever."

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Marvin Plattenhardt lässt sich von Theodor Gebre Selassie zu einem Foul hinreißen.

(Foto: imago/Nordphoto)

Der Berliner meint Theodor Gebre Selassie, der vom deutschen Nationalspieler an der Wade getroffen wird. Hertha schlug sich in dieser Szene selbst - gerade in der stärksten Phase kassierten sie das 3:1. Das stellte auch Dardai fest: "So haben wir das Spiel entschieden, gegen uns." Und sein Spieler Valentino Lazaro zürnt geradezu: "Irgendwann muss man fragen, was da los ist." Ja, das wäre mal ein Anfang - und dem FC Bayern sollte Dardais Team am Freitag besser keine Geschenke machen. Berliner sind ja nun schließlich nicht als die Erfinder der Freundlichkeit bekannt.

6. Tedesco macht alles richtig - zunächst

Der FC Schalke 04 verlor - mal wieder. Trainer Domenico Tedesco reagierte wie immer. Er lobte seine Spieler. "Es wäre müßig, der Mannschaft das vorzuwerfen. Wir müssen so weitermachen." Das nach einer 0:1-Niederlage beim SC Freiburg zu sagen, ist mutig. Dabei hat er durchaus Recht, die Schalker sollten so weitermachen - wie in der ersten Halbzeit. Zu der sagte sein Freiburger Kollege Christian Streich: "Schalke hat es in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht." Aber er sprach wohl mit Absicht nicht von der zweiten. Die leitete Schalkes Torhüter Ralf Fährmann mit einem Patzer ein, er ließ einen Aufsetzer direkt vor die Füße des Freiburger Angreifers Florian Niederlechner abprallen - und Freiburg feierte in der 52. Minute das 1:0. Fortan fehlte den Schalkern einmal mehr jede Inspiration.

Statt seine Spieler zu kritisieren, schimpfte Tedesco auf den Schiedsrichter: "Ständig gab es Unterbrechungen", so sei der Spielfluss verloren gegangen. Der 33 Jahre alte Übungsleiter hat es nicht leicht. Hätte sein Team gewonnen, wäre er als Krisenmanager gelobt worden. Schließlich hatte er im Gegensatz zum 0:2 gegen den FC Bayern sechs neue Spieler aufgeboten. Schließlich hatte er seine Abwehr auf eine Viererkette umgestellt, die Offensive gestärkt. Und fast wäre er belohnt worden, als Cedric Teuchert in der fünften Minute traf. Den Jubel unterbrach der Videoschiedsrichter - Abseits. Nun hat der FC Schalke weiter null Punkte. Die Zweifel daran, dass Tedesco noch der richtige Mann ist, werden nicht kleiner. Auf ein Plus allerdings kann er bauen: Seine Spieler vertrauen und stehen zu ihm - wie Naldos Wutrede auf die Kritik von Tedescos Vorgänger Markus Weinzierl an der Schalker Taktik nur allzu deutlich bewies.

Quelle: n-tv.de

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