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Jetzt geht's gegen Netzer Zwanziger siegt im "Krebsgeschwür"-Prozess

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Im Prozess gegen Katar hat der ehemalige DFB-Chef Zwanziger Recht bekommen - schwieriger dürfte der Prozess gegen Günter Netzer werden.

(Foto: dpa)

Ist das Wort "Krebsgeschwür" noch Kritik? Mit der Frage hat sich das Gericht im Prozess zwischen Theo Zwanziger und Katar beschäftigt. Das Recht ist auf Zwanzigers Seite - doch der nächste Prozess mit Beteiligung des Ex-DFB-Präsidenten wirft seine Schatten voraus.

Theo Zwanziger trat noch einmal nach. Inmitten klingelnder Telefone nahm der frühere DFB-Präsident den Sieg im "Krebsgeschwür"-Prozess gegen Katar in seinem Altendiezer Büro wie eine Selbstverständlichkeit hin - und er teilte wieder kräftig aus. Nur bei der Frage nach dem brisanten Prozess gegen Günter Netzer, bei dem er am kommenden Mittwoch in Köln erneut der Beklagte sein wird, wurde er mundfaul wie selten.

"Das Wort Krebsgeschwür war eine deutliche Kritik, die aber möglich sein muss, wenn es um einen Skandal solcher Dimension geht", sagte Zwanziger nach der Urteilsverlesung im Düsseldorfer Landgericht. "Dieses Land ist halb so groß wie Hessen, da herrscht eine unglaubliche Hitze, Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Dort die WM 2022 auszutragen, ist ein Witz." Und, einer seiner ständigen Seitenhiebe gegen den Deutschen Fußball-Bund: "Ich bin enttäuscht, dass alle Funktionäre, auch beim DFB, das als gottgegeben hinnehmen."

"Beleidigendes Werturteil"

Die Unterlassungsklage des katarischen Fußball-Verbandes QFA, vertreten durch den früheren CSU-Spitzenpolitiker Peter Gauweiler, wies das Gericht ab. In der Begründung hieß es, das Wort "Krebsgeschwür" sei ein "beleidigendes Werturteil", überschreite aber nicht die Grenze zur Schmähkritik - ein Begriff, der in der Auseinandersetzung zwischen dem TV-Satiriker Jan Böhmermann und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine zentrale Rolle spielt. "Scharfe Aussagen sind erlaubt, sonst kann es zu einer Lähmung des Meinungsbildungsprozesses kommen", betonte der beisitzende Richter.

Weder Zwanziger, der seine Formulierung in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk (Juni 2015) gewählt hatte, noch Gauweiler waren persönlich anwesend. Die Kanzlei Bub und Gauweiler kündigte noch am Tag der Urteilsverkündung an, in Berufung gehen zu wollen. Das Gericht habe verkannt, dass "selbst im Falle an sich berechtigter Interessen eine solche die Menschenwürde verletzende Schmähkritik unter dem Grundgesetz (Art. 1 GG - Menschenwürde) nicht erlaubt sein" könne, hieß es in der Mitteilung der Kanzlei. Katars Rechtsvertreter zweifeln außerdem die sachliche Zuständigkeit der 6. Zivilkammer des LG Düsseldorfs an - nach dem Geschäftsverteilungsplan des LG Düsseldorf sei die Kammer für Presse- und Mediensachen des Gerichts zuständig gewesen.

Nächster Prozess steht vor der Tür

Von Katar muss sich der streitbare Theo Zwanziger also zunächst weiterhin nicht den Mund verbieten lassen. Ob Netzer dies gelingt, wird sich vor dem Landgericht Köln zeigen. Die Aufmerksamkeit wird um ein Vielfaches höher sein: An diesem Prozesstag blieb von den neun Beobachterplätzen in Düsseldorf sogar ein Stuhl frei.

Beide Funktionäre trieben zur Jahrtausendwende gemeinsam die deutsche Bewerbung um die WM 2006 voran, Zwanziger im WM-OK, Netzer im Aufsichtsrat. Vor Gericht geht es um ein Treffen am Flughafen Zürich vor vier Jahren. Zwanziger behauptet: Netzer habe ihm damals mitgeteilt, die Stimmen der vier Asiaten in der Exekutive des Weltverbandes FIFA für die WM-Vergabe am 6. Juli 2000 seien gekauft gewesen.

Netzer bestreitet vehement, dies auch nur im Ansatz gesagt zu haben. Er verweist auf die Anwesenheit seiner Gattin Elvira - sie könne bezeugen, dass Zwanziger lüge. "Ich bin in allen Dingen guten Mutes", sagte dieser nun, einen weiteren Kommentar lehnte er ab. Er war aber im Dezember deutlich geworden: Elvira Netzer solle seinetwegen "ruhig den Meineid schwören. Günter Netzer geht hohes Risiko".

Selbst dieser Prozesstermin wird wohl nicht der letzte Auftritt des früheren Verwaltungsrichters Zwanziger vor der Justiz sein. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen ihn im Zusammenhang mit einer verschleierten 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des WM-OK 2005 wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Quelle: n-tv.de, Thomas Nowag, sid

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