Redelings Nachspielzeit

ManCity-Bann? Ach, egal Das Spiel ist doch eh schon lange verloren

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Pep Guardiola und Manchester City haben loyale Fans.

(Foto: Action Images via Reuters)

Die Sperre von Manchester City durch die Uefa ändert im Kern nichts an der Tatsache, dass das Fußballspiel schon lange verloren ist. Es regiert das Geschäft. Dennoch gibt es eine überraschende Entwicklung, mit der noch vor einiger Zeit niemand rechnen konnte.

Ausgerechnet am Valentinstag ging die Nachrichten-Bombe im europäischen Fußball hoch. Manchester City darf zwei Jahre nicht an der Champions League teilnehmen. Was für Fans von Alemannia Aachen bis Erzgebirge Aue und Anhänger von Holstein Kiel bis Wacker Burghausen keine Einschnitte in die tägliche Lebenswelt bedeuten würde, lässt das Selbstverständnis aller Big Player des internationalen Fußball-Business kollabieren.

"Wir feiern hier 'ne Party und du bist nicht dabei", sang dereinst Herbert Grönemeyer. Genauso fühlt es sich momentan für Manchester City an. Ausgeschlossen vom großen Fest stehen sie draußen vor der Tür, während drinnen die Partygäste Mitleid für die ach so traurige Lage ihres Ex-Weggefährten heucheln. Im Hinterkopf haben die allermeisten Feiernden der High Society allerdings wohl auch, dass es sie als Nächstes treffen könnte. Wenn denn das Fallbeil für ManCity nicht doch noch im Schafott hängen bleiben sollte.

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Symbolbild Kommerzialisierung.

(Foto: imago images/PRiME Media Images)

Vier Tage nach der Verkündung der Strafe seitens der Uefa für den amtierenden Meister der Premier League hat sich der erste Rauch verzogen. Überraschend gab es nur verhaltene Reaktionen auf das einzigartige Urteil. Das hat wohl im Wesentlichen zwei Gründe: Erstens rechnet ein Großteil der Experten und Fans damit, dass die Strafe nicht vollzogen werden wird, wenigstens nicht im vollen Umfang. Und zweitens: Die meisten Anhänger dieses Sports haben sich nach vielen Jahren der zügellosen Kommerzialisierung im Fußball damit abgefunden, dass das Geschäft rund um die vermeintlich schönste Nebensache der Welt keinerlei Regeln und Grenzen mehr unterworfen ist. Dieser schleichende Prozess, der seit den Umwälzungen nach den Katastrophen der 80er-Jahre von Heysel und Hillsborough, immer mehr an Fahrt aufgenommen hatte, erklomm mit dem Neymar-Wechsel für 222 Millionen Euro von Spanien nach Frankreich einen letzten Gipfel des zuvor Unvorstellbaren.

"Mir geht es darum, wie Fußball gespielt wird"

Nach diesem Transfer mussten sich die Fußballanhänger entscheiden: Weiter, wie auch immer, bei dem ganzen Irrsinn mitmachen oder sich komplett verabschieden? Diese Entscheidung haben die allermeisten Fans nicht bewusst getroffen, aber innerlich hat dieser Wechsel von Neymar mit vielen etwas gemacht. Dieser Prozess hat in Deutschland unter anderem dazu geführt, dass die offenen Anfeindungen gegenüber RB Leipzig deutlich zurückgegangen sind. Und auch der Transfer in der Winterpause von Erling Haaland, bei dem sich die widerliche Fratze der Rolle der Berater im heutigen Fußball wieder einmal in voller Pracht entblößte, erzeugte keine besonderen Diskussionen. Es scheint, als habe man sich im Großen und Ganzen auf die Formel geeinigt, die Marcel Reif die Tage im Zusammenhang mit einer Frage zu RB Leipzig äußerte und die in letzter Konsequenz zur Folge hat, dass man alle störenden Nebengeräusche wissentlich ausblendet: "Mir geht es darum, wie Fußball gespielt wird." Alles andere tut dann nichts (mehr) zur Sache.

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Genau deshalb gab es bisher zwar einige erfreute Reaktionen auf das überraschende Urteil der Uefa - aber mehr eben auch nicht. Man könnte sagen: Das Kind ist schon vor viel zu langer Zeit in den Brunnen gefallen. Jegliche Reanimierungsversuche sind zwar löblich, aber aussichtslos. Denn es ist anders, als es Thomas Kistner von der "Süddeutschen Zeitung" in seinem Text "Dieses Urteil darf nicht revidiert werden!" schrieb: "Geht die Sache aber schief, wird bald der glühendste Fan feststellen, dass das Spiel verloren ist. Und es nur noch um die nächste goldene Ananas geht."

Das Spiel als solches ist schon lange verloren. Der Profifußball ist (nur noch) ein großes Geschäft. Da helfen auch keine romantischen Anwandlungen. Doch anders, als es viele noch vor einiger Zeit prophezeit haben, wird der Fußball auch in der heutigen Form weiterbestehen. Denn die Liebe der Fans zu ihren Vereinen ist unerschütterlich. Vielleicht war es deshalb auch kein Zufall, dass die Uefa am Valentinstag ihre Nachricht verkündete.

Quelle: ntv.de