Redelings Nachspielzeit

Redelings über Ribéry und Robben Der Terrorgnom und der Flugkapitän gehen

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Ihre erste gemeinsame Saison für den FC Bayern: Franck Ribéry und Arjen Robben im August 2009.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Franck Ribéry und Arjen Robben verlassen den FC Bayern am Ende der Saison. Zwei echte Typen, die uns eine Menge Spaß und ganz viel Kummer bereit haben. Anlass genug, noch einmal genauer auf die gemeinsame Zeit mit Robbery in der Fußball-Bundesliga zu schauen.

Sie werden uns fehlen, die beiden Flügelflitzer Franck Ribéry und Arjen Robben, die seit 2007 und 2009 für den FC Bayern wirbeln. Also, fehlen jetzt nicht so sehr im Sinne von: weil wir sie so lieb hatten; sondern eher, weil wir uns an ihnen reiben konnten. Denn egal, wie man zu ihnen stand, komplett kalt gelassen haben einen der französische Terrorgnom und der niederländische Flugkapitän nie. Im Gegenteil: Man konnte sich herrlich über sie echauffieren, wenn der eine mal wieder jemandem einen mitgegeben hatte und der andere seine Flugkünste zeigte. Die Aufregung war aber auch deshalb immer besonders intensiv, weil beide Spieler über viele Jahre hinweg stets zu überragenden Leistungen fähig waren und große Partien mit ihrer individuellen Klasse ganz alleine entschieden.

Nun werden sie am Ende der Saison der Fußball-Bundesliga au revoir und tot ziens sagen - und eine Lücke zurücklassen. Zwei Typen, die uns eine Menge Spaß und ganz viel Kummer bereit haben. Anlass genug, noch einmal auf die gemeinsame Zeit mit Ribéry und Robben bei uns in der Bundesliga zu schauen. Wussten Sie, dass es im Niederländischen keinen eigenen Begriff für die "Schwalbe" im Fußball gibt? Es gab allerdings Bestrebungen, diese urdeutsche Form des Kunstflugs mit einem niederländischen Wort zu bekleiden. Und in der Tat hat man in diesem Zuge überlegt, die "Schwalbe" in "Robben" umzubenennen. Denn auch bei unseren Nachbarn auf dem platten Land ist die Nummer des kahlköpfigen Bayern-Spielers als "sterbender Schwan" wohlbekannt - und ähnlich beliebt wie bei uns .

Robbens Jahrhundert-Schwalbe

Am Ende haben sich jedoch die Traditionalisten im Reich der Tulpen durchgesetzt, die eine "Schwalbe" immer noch als die Urform der Unfairness (á la Hölzenbein im Finale der WM 1974) bei ihrem sportlichen Erzfeind verortet sehen wollen. Demzufolge sei es übrigens sehr schlüssig gewesen, meinen die Niederländer, dass Robben so viele Jahre in Deutschland seine Flugshows aufführen durfte.

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Bochum, 20. Dezember 2011: Robben hebt ab (und springt aus dem Text hinaus. Das sollte nicht sein, geht aber in diesem Fall nicht anders. Dafür ist das Foto einfach zu schön).

(Foto: imago sportfotodienst)

Als Gegner der eigenen Lieblingsmannschaft hat man Robben nie gerne auf dem Platz gesehen. Ich erinnere mich an ein Pokalspiel im Dezember 2011, als mein VfL Bochum gegen die natürlich favorisierten Bayern mit 1:0 führte. Damals setzte Robben im Strafraum des VfL zu einer Jahrhundert-Schwalbe an. Nachdem ihn der Bochumer Verteidiger Marcel Maltritz (möglicherweise) leicht tuschiert hatte, war der Niederländer noch, ein, zwei Meter weitergelaufen, bevor er sich plötzlich, wie ein aufgeschrecktes Reh, das mitten im Lauf von einem Jäger niedergestreckt worden ist, fallen ließ - natürlich schulbuchmäßig mit nach oben gestrecktem Oberkörper, Leidensmiene und leicht angewinkelten Beinen.

So schön wie Arjen Robben, das muss man auch mal lobend festhalten, flogen in der Geschichte des Fußballs nur sehr wenige. Jürgen Klinsmann, Spitzname "Diver", hatte ein ähnliches Talent. Über den hat der britische TV-Komiker Frank Skinner mal gesagt: "Ich habe mir während der WM 1994 ein Spiel von Deutschland angeschaut, und als ich aufstand, um mir eine Tasse Tee zu machen, stieß ich aus Versehen gegen den Fernseher. Klinsmann ist gleich hingefallen." Damals im Bochumer Ruhrstadion kassierte Robben für seine Slapstick-Einlage zwar die Gelbe Karte, aber dreimal dürfen Sie raten, wer in der 90.+1 Minute den Siegtreffer für die Bayern schoss?! Natürlich: Der Niederländer.

"Ich wollte nur den Ball schützen!"

Und wer gab die Vorlage? Ja, stimmt: Ribéry. Über die Gefährlichkeit von Robben hat TV-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis mal so schön gesagt: "Arjen Robben wird jetzt nicht mehr gedoppelt, mittlerweile wird er sogar schon gedrittelt." Und obwohl seinen bekanntesten Trick - von außen in der Höhe des Strafraums in die Mitte laufen und dann den Ball aufs Tor zimmern - jeder Verteidiger auf der Welt im Schlaf herunterbeten kann, schaffte es der niederländische Nationalspieler dennoch immer wieder genau auf diese Weise zum Torerfolg zu kommen. Unglaubliche 98 Treffer in der Bundesliga machen ihn zum zweiterfolgreichsten ausländischen Bayern-Spieler der Geschichte.

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An Ribéry scheiden sich nicht erst seit seiner Geschichte um das "goldene Steak" die Geister. Seine häufigen und vielfach von den Schiedsrichtern nicht geahndeten Tätlichkeiten ließen das Blut der gegnerischen Fußballfans nicht selten hochkochen. Die Heißblütigkeit des Franzosen ist legendär – aber auch sein Schelm und seine Schlagfertigkeit. Nach einer Tätlichkeit gegen den Karlsruher Andreas Görlitz rechtfertigte sich Ribéry einmal durchaus originell: "Ich wollte nur den Ball schützen!" Ein Satz, der auf den ersten Blick komisch anmutet, bei längerem Betrachten aber möglicherweise tiefgründiger ist, als man zuerst denkt. Denn nicht selten wurde Ribéry so sehr auf dem Platz beackert, dass auch ruhigere Zeitgenossen in seiner Position irgendwann einmal die Nerven verloren hätten. Der intensive Körperkontakt war für viele Verteidiger schließlich die einzige Chance, dem Franzosen ("Franck ist nur ein einziger Muskel, ich hatte keine Chance", Christian Lell) Kontra zu geben.

Oder wie es Manuel Friedrich einmal gegenüber nervenden Journalisten ausdrückte: "Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribéry mit 180 km/h an einem vorbeigelaufen kommt, gibt’s wenige, die den stoppen können." Die Bayern wissen, was sie an den beiden hatten. Mit Wehmut wird man sie in den nächsten Tagen und Wochen Stück für Stück verabschieden. Und vermutlich wird der Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sogar noch einmal seine legendären Worte wiederholen, die er anlässlich des 100. Tores von Franck Ribéry äußerte: "Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées." In diesem Sinne: Macht es gut, Arjen und Franck. Wir haben uns immer gerne über euch aufgeregt, aber auch stets eure sportlichen Leistungen bewundert. Glück auf!

Quelle: n-tv.de

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