Redelings Nachspielzeit

Redelings über die Saison 94/95 Fußballstar wird in TV-Sendung verhaftet

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Für Gaudino ist die Verhaftung zu viel: Er wechselt auf die Insel.

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Die Fußball-Bundesliga wird immer bunter. Stars wie Stefan Effenberg stehen im Fokus. In den Fernsehshows von "Wetten, dass...?"-Moderator Thomas Gottschalk geben sie sich die Klinke in die Hand. Und manchmal schaut auch die Polizei zu.

Stefan Effenberg ist zurück aus Italien und gleich wieder der umjubelte Star der Fußball-Bundesliga. Nach einer verlorenen Wette in Thomas Gottschalks "Wetten, dass…?"-Sendung lässt sich der Neu-Gladbacher in dessen RTL-Late-Night-Show im September eine aufsehenerregende Frisur im Tigerlook verpassen. Der englische Punk-Coiffeur Collin Watkins darf den Hinterkopf des Fußballstars scheren und einen Tigerkopf aufmalen. Ehefrau Martina wird mit einem Rosen-Tattoo im Haar beglückt. Natürlich ist ihr Mann bei der kommenden Partie der Star in der Manege der Bundesliga.

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Effenberg lässt den Tiger raus.

(Foto: imago)

Vor dem Duell am 29. Spieltag der Saison 1994/^1995 im proppenvollen Bremer Weserstadion (O-Ton Willi Lemke: "Ich hätte über 100.000 Tickets verkaufen können") gegen Borussia Dortmund sagt Werders Mario Basler noch zuversichtlich: "Wer heute gewinnt, wird auch Meister!" Bremen schlägt den BVB mit 3:1 - und hat am Ende doch das Nachsehen.

Die Wochen vor dem Dortmunder Titelgewinn sind geprägt von einem Kleinkrieg zwischen "Großmaul" Mario Basler und dem BVB. Immer wieder stichelt der Bremer gegen seine Dortmunder Kollegen und versucht, die nervöse Anspannung beim BVB noch zu steigern. Als die Anspannung nach dem Gewinn der Meisterschaft bei den Dortmundern weicht, fließen bei Coach Ottmar Hitzfeld die Tränen, und bei den Spielern sprudeln die Worte. Knut Reinhardt: "Schön, dass der Mario so auf den Putz gehauen hat. Das hat uns wachgerüttelt. Nun wird er wohl die Retourkutsche von seinen Bremer Mannschaftskameraden bekommen."

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In Dortmund feiern sie den Titelgewinn. Nachdem sie drei Jahre zuvor noch auf den Nürnberger Christian Wück geschimpft hatten, der durch seine Schwalbe dazu beigetragen hatte, dass der BVB hinter dem VfB Stuttgart nur Zweiter in der Tabelle wurde, profitierte der BVB in dieser Saison von dem weit unsportlicheren Vergehen eines eigenen Mannes. Andreas Möller fliegt am 26. Spieltag seine berühmte "Schutzschwalbe" im Spiel des BVB gegen den Karlsruher SC.

Es steht 0:1 an diesem Tag, als der Dortmunder Möller im Strafraum des KSC spektakulär abhebt. Sein Gegenspieler Dirk Schuster ist meterweit entfernt, dennoch zeigt Schiedsrichter Habermann auf den Strafstoßpunkt. Zorc verwandelt, und in der 86. Minute schießt Sammer den BVB sogar noch zum Sieg. Wenige Wochen später wird die Borussia Meister - mit einem Punkt Vorsprung vor Werder. Die Aufregung ist riesig. Möller wird für zwei Spiele gesperrt ("Ich bin auch nur ein Mensch") und muss 10.000 Mark Geldstrafe zahlen. Dirk Schuster meint abschließend: "Als Schwalbe würde ich es mir verbitten, mit Möller verglichen zu werden."

Ein Kino-Held soll es richten

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Funkel funkelt als Superman.

(Foto: Youtube/recklessmedia)

Sensationell sind die Bemühungen der Uerdinger, wie sie für ihren kleiner Verein um mehr Aufmerksamkeit buhlen. Sie drehen einen Kinospot rund um den bärtigsten Trainer der Liga: Der heutige Trainer der Düsseldorfer Fortuna, Friedhelm Funkel, in der Rolle seines Lebens als Superman. Mit strengem Scheitel und den Hoden unter den roten Shorts eng zusammengedrückt, präsentiert sich der KFC-Coach in einem Klassiker der Kinospotwerbung.

Der frisch umbenannte Verein KFC Uerdingen (vormals Bayer) hat für den Imagefilm den prägnanten wie irreführenden Titel "Natural Born Winners" gewählt. Und der ewige Sunnyboy und Liebling der Massen Funkel muss dafür nicht nur die ihm auf den Leib geschriebene Paraderolle Superman, sondern auch den charmanten Humphrey Bogart geben. Mit einem schicken Hut auf dem Kopf und einem Trenchcoat um die Lenden sagt der Trainer zu einer komplett elektrisierten Blondine den berühmten Satz: "Schau mir in die Augen, Kleines."

Und dann kommt es noch zu einer anderen kinoreifen Szene: Im Dezember wird nach der RTL-Sendung "Gottschalk Late Night" der von der Frankfurter Eintracht freigestellte Autonarr Maurizio Gaudino verhaftet. Der deutsche Nationalspieler muss eine Nacht hinter Gittern verbringen. Der Fall sorgt für Aufsehen, und der Star der letzten Jahre entschließt sich spontan zu einem Wechsel auf die Insel - zum Traditionsklub Manchester City.

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Quelle: n-tv.de

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