Redelings Nachspielzeit

Redelings über Liga-Turbulenzen "Großkotziges Grinsen von Hoeneß und Co."

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Er steigt in dieser Saison eher nicht mehr auf: Markus Anfang, bis vor Kurzem noch Trainer des 1. FC Köln.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Die Klubs in den beiden Bundesligen spielen Platzierungs-Jojo. Souverän sieht anders aus. Selbst der FC Bayern nimmt sich in seinem Umbruchsjahr Auszeiten. Das kennt man von der einzigen Konstante im deutschen Fußball gar nicht mehr. Gott sei Dank gibt es den SC Paderborn.

Was ist eigentlich in diesem Jahr los? Seit Wochen vermitteln die Fußballklubs in der zweiten Bundesliga den Eindruck, dass sie sich um den Aufstieg in die erste Liga herumdrücken. Wer die ständig wechselnden Platzierungen der potenziellen Aufstiegskandidaten im oberen Viertel beobachtet, reibt sich verwundert die Augen. Von einer soliden eigenen Stärke kann bei keinem der Vereine die Rede sein. Höhepunkt dieser Farce war der durchaus nachvollziehbare Rauswurf des Kölner Trainers Markus Anfang am vergangenen Wochenende. Dass nun der ambitionierte Aufsteiger aus der dritten Liga, der SC Paderborn, hinter den Kölnern auf dem zweiten Tabellenplatz steht, ist fast schon zwangsläufig zu nennen. Die Ostwestfalen machen wenigstens den Eindruck, dass sie für ihr unverhofft dargereichtes, neues Saisonziel brennen.

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Gerne auch in Tracht: Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß.

(Foto: imago/Laci Perenyi)

Und in der Bundesliga? Natürlich ist es für alle neutralen Fans in Deutschland toll, dass es endlich wieder so etwas wie eine Art Zweikampf um den Titel gibt. Doch wie dieser abläuft, verwirrt eher, als dass er begeistert. Souverän sieht auch in der ersten Liga anders aus. Das wird auch einen Mann irritieren, der schon fast alles in dieser an Legenden so reichen Bundesliga miterlebt hat. Am 1. Mai feiert Uli Hoeneß ein Jubiläum: Vor genau 40 Jahren hatte der jetzige Klubpräsident seinen ersten Arbeitstag als Manager des FC Bayern. Und wenn er eins in dieser Zeit - neben einer riesengroßen Ahnengalerie - wirklich bis fast zur Perfektion geschafft hat, dann das: Er hat den FC Bayern zur einzigen Konstante und zum Feindbild Nummer 1 im deutschen Sport werden lassen.

Dabei spielte Hoeneß seine Rolle an dieser Entwicklung durchaus gerne und bewusst herunter. So sagte der Bayern-Manager nach der dritten deutschen Meisterschaft in Folge am Ende der Spielzeit 1986/1987: "Wir haben dieses Feindbild nicht selbst gemacht. Das haben andere aufgebaut, ganz bewusst. Aber wir leben nicht schlecht mit diesem Image. Das Schlimmste, was uns passieren könnte, wäre, wenn uns plötzlich alle lieben würden."

"Dieses großkotzige Grinsen von Hoeneß und Co."

Damals schwammen die Münchner auf einer Erfolgswelle, fuhren Meisterschaft um Meisterschaft ein, und langsam drohte es ob dieser Dominanz etwas öde in der Bundesliga zu werden. Nach einem 1:1 der Bayern in Bremen rief Werders Trainer Otto Rehhagel deshalb der Liga verzweifelt zu: "Schlagt die Bayern, stoppt die Langeweile!" Beim Blick zurück fühlt man sich deutlich an heute erinnert - obwohl damals schon drei Titel in Folge reichten, um das Land in eine Art emotionale Schockstarre zu versetzen.

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Und deshalb ist es auch kein Wunder, dass an den Kiosken, in den Kneipen und Imbissstuben der Republik nun lauthals geunkt wird: "Ich kann die Dortmunder nicht ausstehen, aber dieses großkotzige Grinsen von Hoeneß und Co., wenn sie wieder Meister werden sollten, würde ich nicht ertragen!" Übrigens: 1979 hatte Hoeneß, kaum als Manager bei den Bayern im Amt, eine Idee, die bis heute nachwirkt.

Mittelstürmer Karl-Heinz Rummenigge verriet den Plan seines ehemaligen Mitspielers: "Es gibt ernsthafte Überlegungen bei unserer Klubführung, ob wir in Zukunft bei Auswärtsspielen nicht im bayerischen Trachten-Look anreisen. Das ist kein Witz! Ich fände so was unheimlich originell." Tatsächlich feierten die Münchner seitdem ihre Titel gerne im Trachten-Look, was ein paar Jahre später den damaligen Stadionsprecher des 1. FC Kaiserslautern, Udo Scholz, auf den Plan rief. Er erfand den Gassenhauer: "Zieht den Bayern die Lederhosen aus". Leider werden die Tage, an denen das Lied voller Inbrunst in den Stadien gesungen wird, immer seltener. Man hat im Moment auch nicht wirklich den Eindruck, dass sich daran so schnell etwas ändern wird. Es sei denn, die tapferen wie forschen Ostwestfalen aus Paderborn steigen auf. Die scheinen ja wenigstens noch gewinnen zu wollen.

Quelle: n-tv.de

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