Redelings Nachspielzeit

Ingrid Kühne im Fragen-Hagel Ronaldo ist wohl "extrem unsicherer Mensch"

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Ronaldo unsicher? Das sagt Ingrid Kühne über den Superstar.

(Foto: imago images/Gribaudi/ImagePhoto)

Comedian Ingrid Kühne liebt ihren FC Schalke 04 - doch im Moment unterscheidet beide etwas Wesentliches: Sie ist deutlich erfolgreicher. In der Fragerunde "22 + 3 Antworten sollt ihr sein!" plaudert Kühne auch über ihren Mann und seine Zettel auf Bierkästen: "Leer gut - voll besser!"

Welche Fußballmannschaft war die erste Liebe Ihres Lebens?

Also von Anfang an schlugen zwei Herzen in meiner Brust. Einmal zwangsweise Bayer Uerdingen, weil wir von meinem Onkel immer Freikarten bekamen, aber auch Borussia Mönchengladbach, weil es einfach die Traditionsmannschaft am Niederrhein war. Mittlerweile über meinen Sohn bin ich dann doch Schalker geworden, und da stimmt der Spruch … einmal Schalker - immer Schalker!

Von welchem Spiel schwärmen Sie noch heute?

Der legendäre 2:5-Schalke-Sieg in Mailand 2011. Sohnemann war noch sehr jung und schrieb am nächsten Tag eine wichtige Klassenarbeit. Beim Stand vom 2:1 hat mein Mann ihn ins Bett geschickt. Irgendwie hatte ich plötzlich so ein Gefühl, das wird was Legendäres und habe ihn beim 2:2 wieder aus dem Bett gerufen. Wir haben dann das Spiel zusammen bis zum Ende geschaut. Sven sagt heute noch - das hätt' ich euch nicht verziehen, wenn ich das Spiel nicht live erlebt hätte. PS: Die Klassenarbeit schrieb er übrigens 2!

Welche Vorzüge hatte das Leben mit 20?

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Ingrid Kühne ist eine deutsche Kabarettistin. Die 51-Jährige ist bekennender Fan des FC Schalke 04

(Foto: imago images / Future Image)

Oh, sehr viele. Man war freier, spontaner, hatte keine Verantwortung für andere, sondern nur für sich und man konnte tun und lassen, was man wollte. Man brauchte kaum Schlaf, fuhr spontan auf 'nen Kaffee zum Eiffelturm und hatte genug Träume und Ideen fürs ganze Leben!

Welche Nachteile hatte das Leben mit 20?

Im Grunde war alles gut! Vielleicht fehlte das finanzielle Polster hier und da, sodass man manch richtig gute Ideen leider nicht umsetzen konnte und verschieben musste.

Wer ist Ihr Lieblingsspieler aller Zeiten?

Ganz klar Frank Mill. Er kam Anfang der 80er zur Borussia und ich hab ihn geschätzt, nicht nur wegen seiner vielen Tore, sondern vor allem wegen seines Willens zu siegen. Und er kämpfte um jeden Ball. Er war nicht der Größte, aber machte zig Kopfballtore. Er war nie jemand, der sich in den Vordergrund spielte, nie jemand, der sich aufdrängte. Er hatte keine Skandale, war glücklich verheiratet - trotzdem war ich in ihn verliebt. Obwohl er sogar zehn Jahre älter war. Ich hab die Bundestrainer so extrem gehasst, die ihn 1982 und 1986 kurz vor Schluss aus dem WM-Kader geschmissen haben. Zumindest konnte er sich dann 1990 - zwar ohne einen einzigen Einsatz - Weltmeister nennen! Es gab leider nicht so viele Poster von ihm wie von Rummenigge, und so hatte meine Mutter beim Staubsaugen einmal eines kaputtgerissen. Ich hab' fast 'ne Woche nicht mit ihr gesprochen!

Wer ist Ihr Lieblingstrainer aller Zeiten?

Da gibt es zwei. Peter Neururer und Huub Stevens. Beides Menschen, die mir so gut gefallen durch ihre Gradlinigkeit, die sagen, was sie denken, ihren Sinn für Humor, lustige Sprüche und Zitate, die ihre eigene Meinung vertreten und dazu stehen, eine Respektsperson für die Spieler sind und eine Größe am Spielfeldrand. Trainer, mit denen sich jeder Fan, jeder Mensch im Stadion identifizieren kann. Man hat das Gefühl: "Er ist einer von uns!" Und gerade in einer Mannschaft wie Schalke hat das - sich Identifizieren - mit einem Trainer, eine unglaubliche Wertigkeit. In diesen anderen, diesen "geldgesteuerten" Vereinen, wird ein Trainer nur am Tabellenplatz gemessen. Bei Schalke kann es auch der Trainer sein, der uns aus der Krise führt oder damals zum Aufstieg. Ich möchte nur nicht den erleben, der uns zur Meisterschaft führen sollte. Der bekommt 'ne 300 Meter große Statue vor dem Stadion gegossen. Leider blieb es mir bisher verwehrt, auch nur eine einzige Meisterschaft feiern zu dürfen.

Was ist Ihr Lieblingsstadion aller Zeiten?

Der Bökelberg war schon schön, aber die Arena auf Schalke ist einfach ein Hightech-Stadion der Spitzenklasse. Und man ist als Fan mittendrin. Mein Sohn sitzt im Rollstuhl und hier sitzen die Rollstuhlfahrer zwischen all den anderen Fans. 30 Reihen Fans vor ihnen und 15 Reihen hinter ihnen über die gesamte Gegengerade. Ohne Aufzug zu erreichen, man fährt auf der gleichen Ebene von draußen ins Stadion. Hier sind wirklich alle zusammen und alle gleich. Das findet man selbst als Rollstuhlfahrer in den neugebauten Stadien kaum so positiv vor wie auf Schalke!

Worin besteht der Sinn des Lebens?

Das habe ich bis heute auch noch nicht komplett herausgefunden. Nicht erst seit der Geburt meines Sohnes weiß ich, dass Gesundheit das allerhöchste Gut ist und der große Teil des Sinnes des Lebens darin besteht, die Gesundheit zu erhalten und zu schützen. Sich an kleinen Dingen zu erfreuen und anderen eine Freude machen. Schwächeren zur Seite zu stehen und zufrieden zu sein, mit dem was man hat. Wir leben hier schon privilegierter als zwei Drittel der Weltbevölkerung und doch streben wir immer mehr nach Macht und Reichtum … gut ist es, zu merken, dass das nicht alles ist!

Was ist Ihr Lieblingswitz?

Oh, als Humorbeauftragte gibt's glaub ich keinen richtigen Lieblingswitz. Ich liebe so kurze knackige Einzeiler! Zum Beispiel: Ralfs Zettel auf einem leeren Kasten Bier, den er mir in den Flur stellt: "Leer gut - voll besser!"

Lieber ein Abendessen mit Cristiano Ronaldo oder Rihanna?

Ganz, ganz klar Ronaldo. Erstens, weil ich als Frau über 50 gerne die Blicke aller sehen würde, die dann sagen: "Wat is dat denn für eine, wat sitzt der denn da mit der da und isst. Warum grad die? Und dick isse auch noch!"

Aber auch zweitens, weil ich denke, dass man ihn doch als Mensch sehr verkennt. Ich persönlich glaube, dass er ein sehr unsicherer Mensch ist. Extrem selbstkritisch, oft auch ungerecht zu sich selbst und dass der Erfolg und der Ruhm ihn als sehr junger Mensch überrannt haben. Er strebt nach Anerkennung, die ihm aus Neid von vielen verwehrt wird. Viele schimpfen über ihn, aber kaum einer wäre traurig, wenn er in ihrer Mannschaft spielen würde und mit zig Toren die Meisterschaft holt. Ein sehr interessanter und sehr sozialer Mensch!

Schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, das entscheidende Tor in einem WM-Endspiel geschossen zu haben?

Nein, weil ich überhaupt nicht sportlich bin. Aber ich habe mir schon vorgestellt, dass mein Sohn das wäre! Er spielt Rolli-Basketball, und bei seinem ersten Korb habe ich vor Freude fast die ganze Halle auseinandergenommen! Ich hab am Spielfeldrand so herumgetanzt und geklatscht, dass ich seinen zweiten Korb gar nicht mitbekommen habe. Wie erst, wenn er für unser ganzes Land der Held wäre? Du bist in einer Sekunde in deinem Land eine Legende. Und noch mehr freue ich mich, wenn es nicht der "Megastar" ist, sondern einfach einer aus der Mannschaft. Ich sitze dann vor dem Fernseher und heule wie ein Schlosshund und freue mich wie blöd. Nicht mal über unseren Sieg, sondern für den Schützen. Und meine Männer gucken mich an und schütteln den Kopf!

Welcher Mensch außerhalb des Fußballs imponiert Ihnen?

Ganz klar mein Sohn, der sein "Schicksal" - eigentlich mag ich das Wort nicht - im Rollstuhl zu sitzen, angenommen hat und sein Leben so genial meistert, ohne auch nur einmal zu klagen. Wenn ich bedenke, dass viele Menschen wegen Kleinigkeiten nur am Wehklagen sind und er bestimmt Grund genug hätte, öfter mal an Gott und der Welt zu verzweifeln. Dann lob ich mir seine Art, seine Zufriedenheit, seinen grenzenlosen Optimismus und vor allem seinen Humor. Beim Einstellungsgespräch zum Verwaltungsfachangestellten antwortete er auf die Frage, warum er gerade diesen Beruf lernen möchte?: "Naja, Dachdecker im Rolli wär' ja doof, ne?"

Gibt es in Ihrem Leben "erfolgsorientierte Rituale", wie Peter Neururer sie nennen würde?

Ja, sicher. Ich gehe nicht auf die Bühne ohne einen Glücksstein in der Tasche und einer kleinen Figur des "Det" von den Mainzelmännchen. Den hab ich vor meiner ersten großen wichtigen Fernsehaufzeichnung von dem ZDF-Redakteur Peter Walscheid geschenkt bekommen. Ohne die beiden Dinge geht nix und ich werde hibbelig, wenn die nicht da sind. Beim "Kölner Treff" musste mir Ildiko von Kürthy die beiden noch zustecken, weil sie ein paar Minuten nach mir auf die Bühne kam und mir eine Mitarbeiterin die noch extra flott aus der Garderobe geholt hatte. Selbst in Klamotten ohne Taschen werden die irgendwohin gesteckt, Socken, BH, egal, die müssen einfach mit!

Welche Umarmung werden Sie nie vergessen?

Als mich mein Sohn nach seinem Erwachen aus dem wochenlangen Koma in den Arm nahm und wir froh waren, dass er entgegen der Aussagen der Ärzte diese schwere Krankheit überlebt hat und keine Schäden zurückgeblieben sind.

Würden Sie Werbung für Toilettenpapier machen?

Vor Corona hätte ich gesagt - na klar, warum denn nicht. Muss man haben, lebenswichtig. Heute kommt noch "systemrelevant" dazu. Wobei ich bis heute nicht verstanden habe, warum man 856 Rollen nachweislich zu Beginn einer Pandemie im Haus haben muss. Es gibt mehr als 100 akzeptable Alternativen. Aber ja, ich würde für alles werben, von dem ich überzeugt bin, dass es gut ist. Für Marzipan zum Beispiel ginge nicht - ich hasse Marzipan!

Würden Sie mit Helene Fischer ein Lied aufnehmen, wenn der Erlös für einen guten Zweck ist?

Da muss ich wirklich sehr lachen. Das möchte ich Helene nicht antun, die ich sehr schätze. Also wer mir diese Frage stellt, hat mich noch nie singen gehört. Charitymäßig mache ich einiges, und wenn's der Sache dient, mache ich mich auch zum Narren, aber Singen? Nein! Bei unserer Charity-Weihnachtsshow singen wir immer ein Duett, das kostet jedem Techniker Nerven und bündelweise graue Haare. Im Karneval träume ich immer davon, dass mal eine der Bands sagt - "Komm Ingrid, wir singen mal was zusammen!" Und dann steht in großen Buchstaben auf der CD "… featuring Ingrid Kühne!" Aber ganz ehrlich - mein "Fitschering" wird ein Traum bleiben und das ist auch definitiv besser so. Für alle!

Tiger, Ente, Lutscher. Wenn Sie sich selbst einen Spitznamen geben sollten, wie würde er lauten?

Ich fand meinen Spitznamen aus Kindertagen immer doof. "Igel", weil meine Mutter mir die Haare geschnitten hatte. Heut find ich "Fennixa" gut, zusammengesetzt aus "Fenni", so sagte Svenni immer seinen Namen, als er anfing zu sprechen und das Xa für Xanten, der Stadt, wo ich lebe!

Wann hat Sie Ihr Verein das letzte Mal zu Tränen gerührt?

Bei der Choreo, die die Fans zum Tode von Rudi Assauer auf die Beine gestellt haben. Leider konnte ich nicht live im Stadion sein. Das Ganze muss da noch emotionaler gewesen sein, aber auch am Bildschirm habe ich sehr berührt gesessen, geweint und gedacht, was hätte Rudi wohl dazu gesagt: "Ja kommt, is schön, aber jetzt haut se weg und gewinnt!" Für solche Menschen wie Assauer, Charly Neumann und die ganzen Menschen, die Schalke leben, für eine ganze Region, möchte ich einmal die Meisterfeier auf Schalke erleben dürfen!

Wohin würden Sie mit einer Zeitmaschine reisen?

Nirgendwohin! Ich liebe die "Zurück in die Zukunft"-Filme, aber ich möchte nicht weg. Es ist schön, wie es ist. Ich hab 'ne tolle Familie, ganz viele, unfassbar liebe und klasse Menschen, die um mich herum sind und mein Leben bereichern. Wir haben keine wirklichen Sorgen. Warum soll ich in die Zukunft reisen und sehen, dass etwas schlechter wird? Oder zurückreisen und dann würd ich versuchen, Sachen, die schlecht gelaufen sind, ändern zu wollen. Lieber nicht!

In welchem Film hätten Sie gerne die Hauptrolle gespielt?

Fällt mir spontan jetzt nichts ein. Auf jeden Fall was Lustiges und was die Menschen gleichzeitig bewegt. Kein Klamauk, aber auch nichts total Ernstes oder Trauriges. Ich liebe "Sissi" oder "Der kleine Lord", aber weder als Sissi im langen Kleid, noch als Earl oder so hätte ich wohl eine gute Figur gemacht.

Was war die netteste Begegnung, die Sie je hatten?

Ich hatte in meinem Leben so viele nette und schöne Begegnungen, da könnte ich ganz klar keine hervorheben. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt. Allerdings die schönste und wichtigste Begegnung war am 12. Mai 1990, da habe ich meinen Mann Ralf kennengelernt, und wir haben auf den Tag genau fünf Jahre später geheiratet. Ohne ihn und seinen Rückhalt wäre ich nichts.

Uli Hoeneß antwortet einmal auf die Frage: "Liebe oder Fußball - was würden Sie wählen?" mit: "Muss ich und würde ich Fußball wählen". Und wie würden Sie antworten?

Ganz klar die Liebe. Denn so wichtig Fußball in meinem Leben auch ist, so ersetzt er nicht das Zwischenmenschliche, das Vertrauen in den anderen, das füreinander da sein. Aber so'n Sieg ist natürlich auch sehr schön - aber eben noch schöner ist so ein Sieg, wenn man jemanden hat, der sich mit einem freut.

Was ist die tollste Telefonnummer, die Sie abgespeichert haben?

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Ich selber empfinde keine als wirklich was Besonderes. Wenn ich die Nummer habe, dann verbindet mich etwas mit dem Menschen, meist freundschaftlich, das Geschäftliche regeln für mich andere. Spannender finde ich, wenn ich mein Handy irgendwo liegen habe (und ich hab's ja immer dabei) und da steht dann: Sowieso hat dir eine Whatsapp geschickt und andere geraten bei dem Namen dann völlig aus dem Häuschen und werden fast hysterisch. "Boah von dem/von der hast du die Nummer? Wie cool!" Erst dann denke ich, stimmt, der/die ist schon echt was Besonderes.

Was ist die schönste Erinnerung an früher?

Dass ich dank meiner Eltern und Großeltern eine wirklich wunderschöne und sehr behütete Kindheit hatte. Zwar als verzogenes Einzelkind und einziges Enkelkind, aber auch das hab ich psychologisch gut verarbeitet. Manchmal vermisse ich das Unbeschwerte, das wir als Kinder erleben durften. Ich glaube die Kinder heute sind zu früh keine Kinder mehr, weil wir ihnen zu viel abverlangen.

Berti Vogts hat auf die Frage nach seinem Lebensmotto geantwortet: 'Heute ist der schönste Tag der Woche.' Was Ihr Motto?

Lebe - liebe - lache! Damit ist alles gesagt. Zu leben und nicht sich kaputt zu planen und zu organisieren, lieben ist wichtig für Geist und Seele und für alles und lachen noch viel mehr. Ich freue mich, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte, dass ich Leute zum Lachen bringen darf. Lachen verbindet die Menschen, egal welcher Hautfarbe, welcher Sprache, welcher Religion. Ein lachender Mensch wirkt auf jeden positiv. Mehr braucht's nicht!

Quelle: ntv.de