Kampfansage des BVBWie groß ist die Wut des FC Bayern wirklich?
Von Ben Redelings
Eine einzige Niederlage des FC Bayern - und die Bundesliga hofft wieder auf ein echtes Meisterschaftsrennen. Die Lustlos-Pleite der Münchener zu Hause gegen den FC Augsburg sollte in jedem Fall ein Weckruf für die Bayern gewesen sein. Denn tatsächlich macht sich der BVB wieder Hoffnung.
Sandro Wagner wird am Samstag nach dem 2:1-Sieg seiner Ex-Mannschaft, dem FC Augsburg, beim FC Bayern München möglicherweise ein wenig geschmunzelt haben. Damals, nach der knappen 2:3-Niederlage seiner Augsburger in der Hinrunde, hatte er noch für einen viel belächelten Spruch ("Ich sehe nicht, dass wir weniger Qualität haben als Bayern") gesorgt. Nach dem überraschenden Erfolg seines früheren Klubs in der Arena ist sein damaliges Zitat zwar nicht weniger gaga, aber ein Signal an den Rest der Liga hat der nicht unverdiente Sieg des Außenseiters in jedem Fall gesendet, wie auch der sportliche Leiter des BVB, Lars Ricken, richtig erkannte: "Es ist ein gutes Zeichen für die Bundesliga, dass sie auch mal verloren haben. Es zeigt, sie sind schlagbar."
Und die Bayern? Die versuchten zwar nach außen hin Ruhe zu bewahren und die Niederlage herunterzuspielen, doch man merkte den Spielern eine gewisse Irritation ob der gezeigten Leistung an. Denn bei genauerem Hinhören zeigte sich, dass die Spieler offensichtlich recht genau wussten, woran es in der Partie gegen die mutigen Augsburger gelegen hatte. Joshua Kimmichs Worte bestätigten alle Beobachter der Begegnung, die den Bayern eine gewisse Laxheit auf dem Platz unterstellten: "Ich glaube, jeder in der Kabine merkt und hat gemerkt, dass es eben harte Arbeit braucht, um immer am Top-Limit zu sein. Diese Arbeit, die müssen wir wieder reinstecken."
Auch wenn aktuell natürlich (noch) wenig passiert ist, sollte das "wieder" in Kimmichs letztem Satz aufhorchen lassen - denn die fehlende Arbeit bzw. Einstellung zur Arbeit könnte den Bayern in der Crunchtime der Saison noch teuer zu stehen kommen. Schließlich weiß man aus der Vergangenheit, dass sich manchmal erst etwas ganz leise anschleicht, um dann in den entscheidenden Momenten plötzlich nicht mehr zu verschwinden. Umso bedeutsamer ist es, dass die Bayern gleich am Mittwoch in der Champions League im Philips-Stadion von Eindhoven das auf den Platz bringen, was Kimmich direkt nach der Pleite gegen Augsburg auch einforderte: "Die Reaktion ist jetzt natürlich schon sehr wichtig. Die wollen wir natürlich auch zeigen."
Tah spricht von "Wut"
Während sich die Worte des Kapitäns der deutschen Fußball-Nationalmannschaft fast so seltsam emotionslos anhörten, wie die Bayern zuvor auf dem Rasen gegen den FC Augsburg agiert hatten, versuchte Abwehrchef Jonathan Tah mit etwas mehr Gefühl auf die unerwartete Niederlage zu reagieren: "Die Wut, die jetzt in uns steckt, wollen wir im nächsten Spiel auf den Platz bringen und wieder unsere Qualität und Energie zeigen." Man wird allerdings abwarten müssen, wie groß die "Wut" der Bayern wirklich ist - oder ob man momentan noch davon ausgeht, dass sich die Dinge ohne allzu viel Aufwand schnell wieder von selbst einrenken.
Sollte das allerdings nicht gelingen, muss man schauen, was die Bayern in der Liga machen. Denn der BVB, der bereits wie der sichere Zweite aussah und dem man fast schon unterstellte, sich im Titelrennen aufgegeben zu haben, hat die Pleite des Rekordmeisters sichtlich und hörbar gutgetan. Nach dem Erfolg der Borussia in Berlin bei Union meinte Emre Can: "Acht Punkte sind viel. Bayern spielt eine überragende Saison, wir aber auch. Wir schauen auf uns und werden sehen, was am Ende passiert." Und auch Nico Schlotterbeck schien wieder etwas mehr Mut geschöpft zu haben: "Ich will einfach so lang wie möglich dranbleiben. Wenn es dann irgendwann vier oder fünf Punkte sind, werden sie auch überlegen." Eine klassische Kampfansage war das zwar noch nicht, aber der Nationalspieler des BVB hatte noch etwas Entscheidendes nachgeschoben, das sich in der Tat wie eine erste zarte Drohung anhörte: "Sie kommen auch noch zu uns!"
Direktes Duell steigt Ende Februar
Das wird Ende Februar der Fall sein. Und sollten die Bayern in den nächsten Wochen beispielsweise gegen die aktuell extrem gut aufgelegten Hoffenheimer zu Hause straucheln oder auch einmal auswärts einen so leidenschaftslosen Auftritt wie am Samstag gegen Augsburg hinlegen, dann könnte es tatsächlich noch einmal spannend werden. Und das in einer Saison, in der die Münchener bisher von Rekord zu Rekord gerannt sind.
Es wird nun also darauf ankommen, dass die von Tah geäußerte "Wut" und die von Kimmich geforderte "harte Arbeit" nicht nur bloße Worte waren, sondern auch mit Taten auf dem Platz gelebt werden. Angesichts der schon gezeigten Leistungen der Bayern in dieser Spielzeit sollte wenigstens in der Liga eigentlich nichts mehr anbrennen. Doch eine Sache ist seit Samstag in jedem Fall unwiederbringlich anders: Die Bundesliga weiß jetzt, dass auch die bisher so übermächtigen Bayern schlagbar sind. Was die Liga daraus macht (oder auch nicht), wird man wohl schon Ende des nächsten Monats wissen. Auf den Showdown in Dortmund dürfen sich die Fans bereits jetzt schon freuen!
