Fußball-WM 2018

Gruppe F unter der n-tv.de-Lupe DFB-Stimmungskiller trifft Bunga-Bunga

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Das DFB-Team - aufgereiht und gekämmt.

(Foto: imago/Hartenfelser)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft stimmt sich ziemlich trostlos auf das WM-Turnier ein - ganz anders Auftaktgegner Mexiko. Schweden-König Zlatan hat derweil keine Einladung bekommen, Südkorea viele Schwächen - und einen südkoreanischen Joachim Löw.

Gestatten, Deutschland

Bundestrainer Joachim Löw wollte den ultimativen Stress- und Stimmungstest vor der Fußball-Weltmeisterschaft. Bekommen hat er eine Bestandsaufnahme, die ziemlich schonungslos die Probleme aufdeckte, welche die DFB-Elf bis zum Auftaktspiel gegen Mexiko am 17. Juni (ab 17 Uhr im n-tv.de-Liveticker) zu lösen hat. Ein Stimmungskiller allererster Güte. Auch wenn Löw die Bedeutung der beiden Testspiel-Auftritte klein reden wollte: "Ich mache mir keine Sorgen. Ich weiß, dass wir uns steigern müssen. Aber wenn das Turnier beginnt, werden wir da sein." Acht Tage, das ist halt auch nicht wirklich viel, um die größten Baustellen anzugehen. Da ist der laxe Umgang mit den Chancen aus dem Ohje-ohje-ohje-Abschlusstest gegen Saudi-Arabien und das schlampige Fehlerfestival im Nachbarschaftskick gegen Österreich. Hinzu kommen die sphärischen Störungen um die beiden deutschtürkischen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil, die der DFB gerne eliminieren will, aber nicht kann. Den Geist des "Campo Bahia", Keimzelle des WM-Triumphs in Brasilien, haben die deutschen Nationalspieler noch nicht entwickelt - und das, obwohl die gemeinsame Vorbereitungszeit im Trainingslager in Eppan so lang war wie noch nie. Der Bundestrainer, er gibt sich trotzdem tiefenentspannt - vielleicht wegen unseres nächsten Punkts:

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Top-Favorit bei den Wettanbietern ist Deutschland, gefolgt von Brasilien, Frankreich, Spanien, Argentinien Belgien und England.

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Mexikanische Anhänger in - nun ja - Vorfreude vielleicht.

(Foto: picture alliance / Isaías Hernán)

Buenos días México
Vergessen sie Tiki-Taka, im mexikanischen Fußball ist jetzt Bunga-Bunga angesagt. Was man dazu braucht? 30 Escort-Ladies, acht Fußballprofis, Klamotten runter, Sombreros rauf, fertig ist der Ringelpiez mit Anfassen. Gelungene WM-Vorbereitung. Nur, dass der mexikanische Fußballverband sich das ein wenig anders vorgestellt hatte - für die acht Profis dürfte die 24-Stunden-Orgie noch ein Nachspiel haben. Allerdings werden sich die kurzfristigen Strafmaßnahmen in Grenzen halten, Trainer Juan Carlos Osorio bleibt gar nichts anderes übrig, als mit den Spielern zum Turnier zu fahren, die er gemeldet hat. Die dürfen dann zum Auftakt gegen Deutschland ran, in einem möglichen Achtelfinale würde wohl Brasilien warten - Osorio hatte schon gewarnt: "Unsere Gruppe ist die schwerste von allen bei der Weltmeisterschaft." Die Eindrücke vom Confed-Cup im vergangenen Jahr widersprechen ihm nicht. Die 1:4-Klatsche gegen den DFB nagt noch heute am Selbstbewusstsein, genau wie das 0:7 gegen Chile bei der Copa America. Ob es nun endlich mal klappt? Das hängt wohl größtenteils davon ab, ob es die Mexikaner schaffen, ihre größte Schwäche in den Griff zu kriegen: Die Physis. Ansonsten ist der Kern der Elf seit 2010 zusammen und mit zahlreichen Europa-Legionären gut aufgestellt. Bester (und bekanntester) Mann ist der frühere Leverkusener Chicharito, dazu kommen in der Offensive ein paar Spanien-Profis, die zwar nicht ganz, aber doch relativ weit oben mitspielen. Andres Guardado, Hector Guerrera, auch der Offensiv-Allrounder Carlos Vela, das ist alles solide. Ganz vorne wartet dann noch einer der ganz aufregenden europäischen Jungspieler: Irving Lozano von PSV Eindhoven, der sich mit 19 Toren und acht Vorlagen während der Saison für höhere Aufgaben als die niederländische Eredivisie empfahl. Ein unangenehmer Gegner, auch für den DFB.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: Keine Mannschaft hat sich öfter für eine Weltmeisterschaft qualifiziert, ohne dabei jemals zu gewinnen, als Mexiko: Ganze 16 Mal.

God dag Sverige

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Emil Forsberg - Stürmerstar in Leipzig.

(Foto: picture alliance / Petter Arvids)

Hilft ja nix, hauen wir die schlechten Neuigkeiten direkt raus. Das Turnier in Russland ist nämlich gar keine Weltmeisterschaft. Jaja, ganz recht, es ist nämlich so: "Eine WM ohne mich, wäre keine WM", sagte Zlatan Ibrahimovic. Und weil die Schweden freiwillig auf das größte Ego im Weltfußball verzichten, ist das Turnier in Russland eben alles, nur nicht das, als was es von der Fifa deklariert wird. Das "Gott" nicht dabei ist, sind übrigens keine schlechten Voraussetzungen für die Skandinavier. Denn mit "König Zlatan"  hat es ja nie für mehr als das Achtelfinale gereicht. Coach Janne Andersson fordert: "Wir müssen endlich anfangen, über die großartigen Spieler zu reden, die wir in dieser Mannschaft haben.“ Na gut, machen wir. Da ist zum Beispiel Emil Forsberg, kreativer Kopf des neu kollektivierten Teams. Ohne den technisch brillanten Mann von RB Leipzig geht nichts im Spiel der spielerisch ansonsten limitierten Offensive: "Man kann nicht nur elf Holzfäller aufbieten. Man kann auch einen Violinisten dabei haben", so Andersson. Das Konzept des Trainers, der vor allem auf den Teamgeist setzt, geht auf: In der WM-Qualifikation haben die Schweden erst Oranje rausgehauen, um dann in den Playoffs Italien den finalen K.o.-Schlag zu verpassen. Allerdings ist das Forsberg’sche Ein-Mann-Orchester oft eindimensional. Mit dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten kickenden Marcus Berg steht nur ein treffsicherer Stürmer im Kader. Nur ist seine überragende Quote von 26 Toren in 21 Spielen in der schwachen Liga international deutlich zu relativieren. Bergs Partner, Ola Toivonen, schoss diese Saison kein Ligator für den FC Toulouse in Frankreich. Im letzten Test gegen Dänemark (0:0) wackelte dann noch das für den Erfolg unabdingbare schwedische Abwehr-Bollwerk um Chef-Axtschwinger Andreas Granqvist. Fazit: Könnte eng werden mit Platz zwei in der Gruppe.

Mit diesem Wissen können Sie punkten: So ganz ohne den selbst ernannten Fußballgott geht es dann doch nicht, vergessen Sie alles, was Sie eben gelesen haben. Ibrahimovic wird nämlich sehr wohl in Russland zu sehen sein - als Werbebotschafter einer Kreditkartenfirma. WM gerettet.

안녕하세요 한국

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Mehr Löw geht in Südkorea nicht: Tae-Yong Shin

(Foto: picture alliance / Lee Jin-Man/A)

In seiner Experten-Kolumne für den "Kicker" schreibt Bum-Kun Cha: "Ich gebe offen zu, dass wir in der Gruppe die schwächste Mannschaft sind. Alle unsere Gegner sind auf dem Papier stärker als wir. Ganz allgemein befindet sich unser Fußball momentan in der Krise. Aber gerade in schwierigen Situationen hat sich der koreanische Fußball und hat sich das Land immer wieder aufgerichtet." Nun, damit ist doch eigentlich alles gesagt. Und es hat Wirkung wenn es der Rekordtorjäger des Landes freimütig raushaut. Also Strich drunter und fertig? Oh, nein! Dafür ist der Kader dann doch zu interessant. Vor allem die Offensive. Die ist nämlich prima besetzt. Sogar für internationale Maßstäbe. Das ist nämlich beispielsweise Tottenham-Stürmer Heung-Min Son. An der Seite von Englands Superstar Harry Kane spielte der Ex-Leverkusener (wie auch Bum-Kun Cha) eine herausragende Saison, erzielte 18 Pflichtspieltore. Der 25-Jährige ist quirlig, raffiniert, dribbelstark, abschlusssicher - und er hat einen Nebenmann mit ähnlichem Potenzial: Salzburgs Hee-chan Hwang gilt als das Top-Talent im südkoreanischen Fußball. Mit Spielmacher Sung-Yong Ki (Swansea City) und Augsburgs Ja-Cheol Koo wird der Topsturm von zwei international soliden Vorarbeitern bedient. Damit erschöpft sich dann aber auch das gehobene Niveau im Kader. Die Defensive um Innenverteidiger Hyun-Soo Jang und Torwart Seung-Gyu Kim ist trotz leidenschaftlicher Duell-Bereitschaft radikal anfällig. Daran hat bislang auch der Trainerwechsel von Uli Stielike zu Tae-Yong Shin kaum etwas bewirkt. Der elegante Shin gilt übrigens als der südkoreanische Löw (also optisch, nicht sportlich). Shin wird dazu in der "Sport Bild" zitiert: "Löw hat einen guten Stil, aber ich kopiere ihn nicht. Er interessiert sich für Mode, ich interessiere mich für Mode. Da kommen Ähnlichkeiten schon vor."

Mit diesem Wissen können Sie punkten (wir haben es allerdings bei den "11Freunden" geklaut, besten Dank und beste Grüße): Der erste Meister der 1983 gegründeten Korean Super League war ein christlicher Klub mit dem überragenden Namen Hallelujah FC. Die "K-League" ist übrigens auch die älteste Asiens.

Diesen Spieler müssen sie im Auge behalten:

Marvin Plattenhardt. Wenn nämlich Jonas Hector bei der WM so weitermacht, wie er in den letzten beiden Testspielen der DFB-Elf aufgehört hat, dann wird der Linksverteidiger von Hertha BSC Berlin ganz fix zu seinem WM-Debüt kommen.

So geht die Gruppe C aus:

  1. Deutschland
  2. Mexiko
  3. Schweden
  4. Südkorea
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

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