Fußball-WM 2018

WM-Zeitreise - 6. Juli 1974 Der Kampf um die ewige Torjägerkrone

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Lato (l.) ist Torschützenkönig, aber kein Weltmeister.

Der Pole Grzegorz Lato wird bei der WM 1974 Torschützenkönig. Damit setzt er die Tradition fort, dass die Krone kein Weltmeister mit nach Hause nimmt. Das war auch 1958 schon so, als Just Fontaine einen Fabelrekord für alle Ewigkeiten aufstellte.

Als Grzegorz Lato am 6. Juli 1974 im Spiel um Platz 3 in der 75. Minute das 1:0 für sein Heimatland Polen schießt, steht fest, dass wieder einmal kein Weltmeister die Krone des Torschützenkönigs mit nach Hause nimmt. Nur in den seltensten Fällen stellte seit 1930 das siegreiche Team bei den Fußball-Weltmeisterschaften auch den erfolgreichsten Torschützen. Alleinige Champions wurden nur Mario Kempes 1978, Paolo Rossi 1982 und Ronaldo 2002. Hinzu kommen die Brasilianer Garrincha und Vavá 1962 und Spaniens David Villa 2010, die sich ihre Krone mit anderen Torjägern teilen mussten.

Dem Russen Oleg Salenko gelang es 1994 als einzigem Schützen bei einer WM, 5 Treffer in einem Spiel zu erzielen. Dies war noch nicht einmal einem Mann geglückt, der den bis heute gültigen Fabelrekord aufgestellt hat, 13 Mal bei einer einzigen Weltmeisterschaft ins gegnerische Tor zu treffen. Dem Franzosen Just Fontaine gelang dies bei der WM 1958 in Schweden. Alleine 4 seiner 13 Tore schoss Fontaine dabei im Spiel um Platz 3 gegen die deutsche Elf. 3:6 ging diese Partie aus. In 35 Begegnungen fielen damals bei der Weltmeisterschaft 126 Tore. Fontaine traf in jedem seiner sechs Spiele mindestens einmal.

Fontaines Zitate - legendär

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Fontaine (mit sich selbst) hat seinen Humor trotz des bitteren Karriereendes nicht verloren.

(Foto: imago sportfotodienst)

Und mit Sicherheit hätte er heute noch einen anderen Titel - den des WM-Teilnehmers mit den meisten Treffern überhaupt - inne, wenn ihm eine weitere Weltmeisterschaftsteilnahme vergönnt gewesen wäre. Doch 1962 musste er mit gerade einmal 28 Jahren seine Laufbahn aufgrund einer schweren Verletzung beenden. Fontaine wollte jedoch nicht klagen, denn vier Jahre zuvor, so glaubte er, habe ihn eine Operation am Meniskus erst stark gemacht für das Turnier. Durch seine Zwangspause, die von Dezember 1957 bis in den März 1958 dauerte, habe er sich die nötige körperliche Frische geholt, die so wichtig und entscheidend für seine vielen Tore bei der WM gewesen sei.

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Aber seine frühe Verletzung ist auch einer der Gründe, warum so wenig über einer der großen Stars der WM 1958 bekannt ist. Dabei strahlte Fontaine in Frankreich mit seinem Humor und seiner Intelligenz stets weit über den Fußball hinaus. Seine Zitate sind legendär. Als er einmal gefragt wurde, gegen welche Art von Fußballer er am liebsten gespielt habe, meinte Fontaine: "Gegen die großen Abwehrrecken. Schließlich hat schon der frühere französische Nationalspieler Jean-Jacques Marcel so schön gesagt: 'So einer braucht so lange, bis er sich gedreht hat, dass du in der Zeit einen Esel mit einer Baskenmütze totschlagen könntest!'"


"Ich bin doch Milliardär!"

Nach seiner aktiven Spielerkarriere landete Just Fontaine ziemlich überraschend für gerade einmal zwei Partien auf der Trainerbank der französischen Nationalmannschaft. Doch nachdem beide Begegnungen verloren wurden, war seine Laufbahn als Coach der Équipe Tricolore bereits wieder vorbei. Fontaine nahm es wie gewohnt mit Humor: "So hatte ich eben noch einen Rekord!"

Der Torschützenkönig der WM 1958 wurde einmal gefragt, ob er es denn nicht bedauern würde, dass er nicht in der heutigen Zeit spielen würde, schließlich wäre er dann - so gut, wie er gewesen ist - Milliardär. Doch Fontaine meinte nur: "Ich habe denen gesagt: 'Wieso? Ich bin doch Milliardär!'. Die sollten mich mit diesem Blödsinn einfach in Frieden lassen!"


Nur eine Sache kann Just Fontaine, der am 18. August 1933 in Marrakesch geboren wurde, heute noch nicht haben. Immer wenn die Leute ihm erzählen wollen, dass die heutigen Fußballer viel fitter und schneller seien, reagiert er unwirsch. Seinen Humor hat er aber auch in diesen Situationen noch nie verloren: "Quatsch. Das liegt nur an diesen modernen Flachbildfernsehern, dass der heutige Fußball schneller wirkt."

Grzegorz Lato hatte übrigens noch das Glück, bei zwei weiteren Weltmeisterschaften mit Polen dabei zu sein. Seinen persönlichen Erfolg von 1974 konnte er allerdings nicht wiederholen. Mit insgesamt 10 Treffern liegt er aber immerhin mit Namen wie Gabriel Batistuta, Gary Linker und Helmut Rahn auf Platz 8 der ewigen Rekordtorschützenliste. Rang vier belegt Just Fontaine. Und die vorderen drei Plätze gehen an Gerd Müller (14), Ronaldo (15) und Miroslav Klose (16).

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Quelle: ntv.de

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