Fußball-WM 2018

Spanien-Debakel im Auftaktspiel Holland schießt den Weltmeister sprachlos

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Die Niederländer wissen auch nicht, was sie sagen sollen - vor lauter Freude.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Schlimmer hätte es aus Sicht der Spanier nicht kommen können: In ihrem Auftaktspiel nehmen starke Niederländer den Titelverteidiger auseinander. Spanien wirkt zuweilen fast hilflos. Nach dem Spiel sucht man nach Worten - Erklärungen gibt es noch keine.

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Wie weit kommt Weltmeister Spanien bei der WM?

Spanien in Schockstarre: Nach der desaströsen 1:5 Niederlage im Auftaktspiel gegen die Niederlande ringt die Titelverteidiger-Nation nach Worten - für Erklärungen scheint es noch zu früh zu sein. Der spanische Fußball-Nationaltorhüter Iker Casillas hat nach seiner Vorstellung schlicht um "Vergebung" gebeten. "Es war nicht mein bestes Spiel, ich war nicht auf der Höhe, damit muss ich leben", sagte der Keeper von Champions-League-Sieger Real Madrid und Kapitän des Titelverteidigers in der Mixed-Zone. Er wisse, dass nun Kritik auf ihn einprassele, "aber zu allererst muss ich mich für das Spiel entschuldigen, das wir alle und ich im Besonderen abgeliefert haben", betonte der Schlussmann.

Auch Xavi suchte nicht lange nach Ausflüchten. "Es war ein Debakel", gab der spanische Mittelfeldstar zu: "Wir haben alles falsch gemacht." Auf den Punkt brachte es Nationaltrainer Vicente del Bosque: "Ich f inde keine Worte, das zu erklären.""Ich fühle mich schlecht, ich bin sauer und enttäuscht", gab der 63-jährige del Bosque zu. Doch von denen, die in den sechs Jahren unter seiner Ägide von Erfolg zu Erfolg geeilt waren, wollte er keinen Schuldigen auswählen: "Es ist nicht der Zeitpunkt, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen."

Was war da los?

Iker Casillas, einer der größten Helden der vergangenen Jahre, patzte vor allem beim 1:4. Nach einem Rückpass versprang ihm der Ball, van Persie traf zum zweiten Mal und besiegelte endgültig das spanische Debakel.

Doch auch andere Sieger von gestern waren nur noch Schatten vergangener Tage. Andres Iniesta und Xavi kombinierten lediglich eine Halbzeit lang mit gewohnter Präzision, dann wurden sie von entfesselten Niederländern überrannt. Und Sergio Ramos, zusammen mit Gerard Piqué sonst das unüberwindliche Bollwerk in der Defensive, lief Arjen Robben und Co. nur hinterher - bemitleidenswert chancenlos.

Nicht nur bei der Mannschaft, auch in Spanien selbst war die Ernüchterung nach der Partie groß. "Weltmeisterliche Demütigung", war in der Sporttageszeitung "Marca" zu lesen. "Der schlimmste Albtraum des Meisters", titelte das Sportblatt AS und brachte das kollektive Entsetzen in Spanien auf den Punkt. Nun geht die Angst um, dass es die Mannschaft von Trainer Vicente Del Bosque schon in der Vorrunde erwischen könnte. Diese Furcht ist nicht unberechtigt: Am Mittwoch (21 Uhr, n-tv.de Liveticker) gegen Chile stehen die Spanier bereits mit dem Rücken zur Wand, denn die hoch eingeschätzten Südamerikaner haben nach dem 3:1 (2:1) gegen Australien ebenfalls drei Punkte auf dem Konto und sind Gruppenzweiter.

"Initialzündung" für die Niederlande

In den Kneipen von und sonstwo in den Niederlanden hingegen wurde es eine lange Feiernacht. Das berauschende Fußball-Fest der Oranje-Stars in Salvador wurde entsprechend euphorisch gefeiert. "Es ist unglaublich. Für die ganze Niederlande ist ein Traum wahr geworden. Ich kann es nicht erklären, aber es ist fantastisch. Niederländer, geht auf die Straßen. Das müsst ihr genießen", hatte Robin van Persie bereits unmittelbar nach Spielschluss seine Landsleute zu ausgiebigen Feiern aufgefordert.

Die Revanche für die Niederlage im WM-Finale 2010 hätte eindrucksvoller kaum gelingen können. Einer der Matchwinner war Bayerns Superstar Arjen Robben, der wie van Persie zwei Treffer erzielte. "Dafür lebt man, dafür spielt man Fußball", sagte Robben.

Oliver Kahn traut der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft nach Coup gegen Spanien eine Menge bei der WM zu. "Der Sieg gegen den Welt- und Europameister zu einem so frühen Turnierzeitpunkt kann eine Initialzündung sein", sagte der ehemalige Nationaltorwart. "Wenn eine Mannschaft mit international unerfahrenen Spieler mit einem solchen Erfolgserlebnis in das Turnier startet, und dazu so erfahrene Spieler wie Robben, Sneijder, van Persie und de Jong kommen, kann ganz viel Energie entstehen. Und dann ist alles möglich", äußerte der einstige Bayern-Keeper.

Quelle: ntv.de, fma/dpa/sid

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