Fußball-WM 2018

Der WM-Routenplaner bei n-tv.de Lewy vorm Aus, Senegal liebt den Big Boss

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Lewandowski gegen James - verlieren verboten.

(Foto: REUTERS)

Na, schon wieder bei Atem? Am Tag nach der Kroos-Tat gibt es eines der spannendsten Teams der WM zu bestaunen - und seinen faszinierenden Trainer. "Prince Harry" hält Hof gegen Panama und zwei Bayern-Stars spielen "Do or Die".

Dieses Spiel dürfen Sie nicht verpassen

Verlieren verboten. So einfach ist die Ausgangslage vor dem Abendspiel der Gruppe H um 20 Uhr in Kasan zwischen Polen und Kolumbien (ARD/n-tv.de-Liveticker). "Es wird heißen: Wir oder sie", sagte Stürmerstar Falcao, der mit seinen Kolumbianern den unglücklichsten WM-Auftakt aller Teams hingelegt hat – Carlos Sanchez leistete sich in Minute drei ein Handspiel, von der Roten Karte und dem 0:1 für Japan konnten sich die Südamerikaner nie richtig erholen. Auch, weil Superstar James Rodriguez von den Bayern erst nach rund einer Stunde von der Bank kam. Gegen Polen soll er starten, auch wenn die "Marca" schreibt: "Wie es um seinen Wadenmuskel im linken Bein aussieht, ist ein Staatsgeheimnis."

Die Spiele am Sonntag

  • 14 Uhr: England - Panama, Nischni Nowgorod
  • 17 Uhr: Japan - Senegal, Jekaterinburg
  • 20 Uhr: Polen - Kolumbien, Kasan

Im Duell der Bayern-Offensivkünstler hat Robert Lewandowski auf Seiten der Polen viel gutzumachen, bei der Auftaktpleite gegen Senegal blieb er so blass, wie seine Kritiker ihn auf der großen Bühne stets sehen. Kurz nach der Auslosung hatte er seinem Teamkollegen Rodriguez noch eine vollmündige Ankündigung gewidmet: "Ich erinnere mich an deine großartigen Tore während der letzten WM. Ich hoffe, du wirst dich an meine in Russland erinnern." Außer zwei mageren Torschüssen gegen Senegal hat Lewandowski allerdings noch kein Material beisammen fürs WM-Poesiealbum.

Zeit für ein WM-Päuschen

Oops! ... They did it again. Vor dem Duell mit Panama in Nischni Nowgorod (14 Uhr/ARD, Sky) haben die Engländer mit einer Unachtsamkeit ihre Aufstellung preisgegeben, wie schon bei der EM 2016 erspähten Fotografen auf Notizen eines Co-Trainers die Startelf. Damals passte es ins Bild von "Bad Luck and Mishaps", das niemand so verkörperte wie Trainer Roy Hodgson, eine tragikomische Figur mit der Mimik von Mr. Bean, über dessen Kompetenz man nicht viel mehr wissen muss, als dass er Harry Kane die Ecken treten ließ. Nun heißt der Trainer Gareth Southgate, er stellt Kane in den Strafraum, wo der 24-Jährige die beiden Treffer zum 2:1 gegen Tunesien erzielte – nach Ecken.

*Datenschutz

Southgates Tragik beschränkt sich bislang auf die Vergangenheit, in der er den entscheidenden Elfmeter gegen Deutschland bei der EM 1996 verballerte, aber so etwas soll dem ein oder anderen Engländer schon passiert sein. Unter der Woche kam er von einem Waldlauf mit einer ausgerenkten Schulter wieder, was überrascht, weil die britischen Tabloids zwar streunende Hunde rund ums Mannschaftslager ausmachten, nicht aber einen streunenden Sergio Ramos. Keinesfalls tragisch, meinte Southgate mit feinem englischen Humor: "Lieber ich als einer meiner Jungs. Blöd nur, dass ich gerade auf dem Weg zu meiner neuen 10-Kilometer-Bestzeit war." Seine Jungs könnten jedenfalls mit Schultermanschetten auflaufen, sie würden nach Lange der Dinge trotzdem gegen Panama bestehen, das neben Saudi-Arabien die beste Bewerbung um den Titel des des schlechtesten Teams der WM abgegeben hat. Oh, wie schnöd ist Panama.

Was verursacht WM-Herzrasen?

"Big Boss" nannte Liverpools Roadrunner Sadio Mané gestern seinen Nationaltrainer Aliou Cissé, und wer den Jubel von Senegals Coach gegen Polen gesehen hat, wird es ihm gleichtun: Cissé fixierte die Kamera, als würde er sie nur durch seine pure Willenskraft führen, er rammte den Ellbogen dreimal wie einen Hammer auf einen Amboss, so entschlossen wie eine der Kampfmaschinen bei "American Gladiators", und wen hätte es gewundert, hätte er den Rasen gestürmt und die Gegner mit diesen gigantischen Wattebäuschen aus dem Stadion geboxt?

*Datenschutz

Cissé war als Spieler dabei, als Senegal 2002 die Gegner bei der WM verblüffte – inklusive Weltmeister Frankreich - und bis ins Viertelfinale vorstieß. Das hat der 42-Jährige wieder als Ziel ausgegeben. Ein Erfolg gegen Japan um 17 Uhr in Jekaterinburg (ARD/n-tv.de-Liveticker) würde schonmal die Tür zum Achtelfinale so weit aufstoßen, dass selbst Senegals Verteidiger-Schränke hindurch passen. Allerdings, und da sind wir bei der alten Weisheit von Albert Camus, laut der sich beim Fußball alles wesentlich verkompliziert durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft, gilt all das auch für die Japaner. Also bis auf die Schränke. Auch im Camp der "Samurai Blue" hat der Auftaktsieg das Selbstvertrauen steigen lassen, und mit den drei Punkten haben sich die Japaner das Privileg erworben, Dinge zu sagen wie: "Wir stehen alle zusammen, wir sind ein Team, deswegen ist die Stimmung." Jaja, schon klar. Mal schauen, wo die Stimmung auch vor dem Gruppenfinale noch gut ist.

Ras, dwa, tri – die Zahl des Tages: 2

Zwei WM-Tore, so herausragend klingt die Bilanz von Harry Kane noch nicht, aber er hat damit immerhin schon doppelt so viele einer, der stets mit den größten Hoffnungen zu Weltmeisterschaften reiste: Wayne Rooney. Der letzte Vertreter der "Goldenen Generation" um John Terry, Frank Lampard und Steven Gerrard machte im August 2017 Schluss, mit 119 Länderspielen und 53 Toren, imposante Zahlen. Aber bei seinen drei WM-Turnieren brachte Rooney es nur auf einen einzigen Treffer in elf Partien. Einen Wert, den Kane schon innerhalb von 90 Minuten übertroffen hat. "Prince Harry" macht England Hoffnung auf das erste gelungene Turnier seit der Euro 1996 – und sich selbst auf den "Goldenen Schuh" für den besten Schützen des Turniers, sein erklärtes persönliches Ziel. Gegen Panama hat er beste Gelegenheit, Wayne Rooney weiter zu distanzieren und zu Cristiano Ronaldo und Romelo Lukaku aufzuschließen. Wayne Rooney hat Kane übrigens vor einigen Monaten als "besten Stürmer Europa" geadelt: "Wenn England in diesem Sommer gut spielt, dann weil er gut spielt."

Angeberwissen für's Public Viewing

Schussfahrt! In ihrem Teamhotel müssen die Spieler Senegals nur in den Lift steigen – und schon stehen sie auf einer Skipiste, die auf dem Dach des "SK Royal Kaluga" beginnt und in eine natürliche Abfahrt übergeht. Im Sommer vielleicht verzichtbar, aber trotzdem das gewisse Etwas, oder, Joachim Löw? Hauptsache, Sadio Mané und Co. müssen am Ende nicht selbst für ihre Unterkunft aufkommen. Im März 2017 beglich Napolis Kalidou Koulibaly laut "L’Observateur" bei einem Match in London eine Hotelrechnung von rund 22.000 Euro für das gesamte Team, weil Senegals Verband gerade mit Geldnöten zu kämpfen hatte.

Redelings WM-Zeitreise

Der Stürmer Luis Suárez legt eine beeindruckende Karriere hin: Dreimal spanischer Meister, viermal Pokalsieger, Champions-League-Sieger, 100facher Nationalspieler und Rekordtorschütze Uruguays – und wer weiß, wie weit er sein Land in Russland noch trägt. Er wird seine Karriere als eine sportliche Legende beenden, und trotzdem werden sie im Fernsehen dann wieder diese Bilder zeigen, vom 24. Juni 2014 in Natal. Ben Redelings erinnert in seiner WM-Zeitreise heute an den Tag, an dem sich der Weltklassestürmer Suárez im Gedächtnis der Fußballwelt endgültig als "der Kannibal", nun ja, festbiss – und an ein nicht ganz ernst gemeintes Angebot von Dr. Markus Merk. Lesen Sie die ganze Geschichte heute auf n-tv.de.

Der Spruch zum Spieltag

"Wir haben daran gearbeitet, dass Inui (1,69 m, 59 kg) und Oshima (1,68 m, 64 kg) je fünf Kilo zunehmen und fünf Zentimeter wachsen, aber das ist uns nicht gelungen. Jetzt müssen wir leider so spielen."

Ganz verwegene Prognose: Japans Nationaltrainer Akira Nishino wird wohl gegen die körperlich überlegenen Senegalesen eher nicht auf Lizarazu-Gedächtnis-Flanken aus dem Halbfeld setzen.

Quelle: n-tv.de

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