Olympia

Bei Rückkehr von Winterspielen Pechstein schließt ARD von Pressekonferenz aus

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Mit ihren Leistungen in China war Pechstein sehr zufrieden.

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Die Berichterstattung der ARD über ihre frühere Dopingsperre lässt Claudia Pechstein offenbar noch immer keine Ruhe. So zumindest erklärt sich Dopingreporter Hajo Seppelt, dass die Eisschnellläuferin nach der Rückreise von den Olympischen Winterspielen die ARD vom Gespräch ausschließen lässt.

Sportlich spielt Claudia Pechstein bei den Olympischen Winterspielen nur eine Nebenrolle, auch wenn ihr neunter Platz im Massenstart natürlich aller Ehren wert ist. Immerhin ist die Eisschnellläuferin die erste Frau, die es achtmal zu Olympia geschafft hat. 30 Jahre nach Bronze in Albertville noch immer zur (erweiterten) Weltspitze zu gehören, beeindruckt. Und wird mit Aufmerksamkeit belohnt, zumal die streitbare Pechstein an diesem Dienstag ihren 50. Geburtstag feiert und in China offen ließ, ob sie ihre einzigartige Karriere fortsetzt oder nicht.

"Ich schließe nichts aus", sagte Pechstein vor ihrer Rückreise nach Deutschland, zurück in der Heimat folgte dann allerdings doch ein Ausschluss. Die ARD durfte beim Pool-Interview, wenn zahlreiche Medien gleichzeitig Fragen stellen können, nicht dabei sein. "Wir werden beim DOSB vom Sammel-Interview ausgeschlossen, weil Claudia Pechstein der ARD keine O-Töne gibt'", schreibt ARD-Reporter Peter Gerhardt zu einem Foto, das er auf Twitter veröffentlicht. Es zeigt die 49-Jährige in der Kleidung der deutschen Olympia-Mannschaft vor einer Werbetafel des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert diesen Ausschluss, nennt das Verhalten von Pechstein "ein starkes Stück", das "ein seltsames Verständnis von Pressefreiheit" offenbare. Hajo Seppelt bietet derweil einen Erklärungsansatz an, warum die fünffache Olympiasiegerin schlecht auf den Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu sprechen ist. "Frau Pechstein boykottiert die ARD, weil meine Kollegen von der ARD-Dopingredaktion und ich nicht so über sie und einen Dopingverdacht berichteten, wie sie es für angemessen hielt", twittert der Investigativjournalist.

Dabei geht es im Kern um die Dopingsperre, wegen der Pechstein die Spiele 2010 im kanadischen Vancouver verpasst hatte, der Streit über deren Rechtmäßigkeit läuft noch immer und liegt aktuell beim Bundesverfassungsgericht. Die Dopingredaktion der ARD um Seppelt hatte sich damals wiederholt mit Pechstein und ihren Blutwerten beschäftigt, wegen derer der Eisschnelllauf-Weltverband ISU Anfang 2009 die zweijährige Sperre gegen Pechstein veranlasst hatte.

Pechstein selbst erläuterte im Rahmen dieses Termins nicht, warum sie mit der ARD nicht sprechen wollte. Einige Kommentatoren auf Twitter werfen der 49-Jährigen allerdings ebenfalls ein schwieriges Verhältnis zur Pressefreiheit vor, zumal sie fast ihre ganze Karriere über von der Spitzensportförderung des Bundes profitiere, durch ihre Ausbildung und anschließende Verbeamtung bei der Bundespolizei. Die ehemalige langjährige Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, wirft zudem die Frage auf, wieso der Deutsche Olympische Sportbund "sich dafür hergibt, die ARD auszusperren". Das sei "mehr als nur fragwürdig", so die SPD-Politikerin.

Quelle: ntv.de, tsi

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