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Der Bundesliga-Check: Wolfsburg … und dann kam Mario

André Schürrle weg, Mario Gomez da, Julian Draxler irgendwas dazwischen: Wolfsburg erlebt turbulente Tage vor einer Saison, die den VfL zurück nach Europa bringen soll. Viele Fragezeichen bleiben.

Welche Musik Barack Obama im Urlaub hört, wissen wir dank des umtriebigen PR-Stabs des US-Präsidenten ganz genau. Was Klaus Allofs dieser Tage im Büro laufen hat, können wir nur vermuten, aber wir tippen auf Dinah Washingtons größten Hit: "What a difference a day makes." And the difference is: Mario Gomez. Vor dem Wechsel des Angreifers sah es so aus, als verabschiede sich der VfL von sämtlichen Ambitionen, jetzt blitzt wieder die Angriffslust in den Augen der Wölfe.

Was gibt’s Neues?

André Schürrle weg, Naldo weg, Max Kruse weg. Dante will weg, Luiz Gustavo will weg, Julian Draxler will so dringend weg, dass er sich um Kopf und Kragen redet. Und dann noch die hartnäckigen Gerüchte um Ricardo Rodriguez und Bas Dost. Nein nein, ein Umbruch sei das nicht, was in Wolfsburg gerade geschieht, sagt Trainer Dieter Hecking, und Mittelfeldmotor Maximilian Arnold pflichtet ihm bei: "Früher sind 14, 15 Spieler gewechselt, jetzt sind es nicht so viele."

Früher hieß der Trainer Felix Magath, möchte man an dieser Stelle anmerken- und tatsächlich sah es lange Zeit so aus, als würde in Wolfsburg nicht nur ein Umbruch stattfinden, sondern eine Fluchtbewegung. Ob der Transfer von Mario Gomez die Dynamik aufhalten kann? Von der Verpflichtung geht ein Signal aus: Seht her, wir haben noch viel vor. "Er passt gut zu unseren Ambitionen", sagte Klaus Allofs denn auch begeistert, und Dieter Hecking lobte den Neuzugang für seine Verhältnisse überschwänglich. "Für mich ist er der beste deutsche Stürmer."

Auf wen kommt es an?

Julian Draxler auf Mario Gomez, das hat schon einmal geklappt, ist gar nicht so lange her: Achtelfinale bei der EM gegen die Slowakei, die 43. Minute, Draxler setzt sich auf links durch und bedient Gomez im Fünfmeterraum, der das 2:0 erzielt. Noch ist unklar, ob die beiden gemeinsam das Wölfe-Trikot tragen werden. Zwar betont Klaus Allofs immer wieder, Draxler werde zu 100 Prozent in Wolfsburg bleiben, aber diese Sprachregelung hatte der 59-Jährige auch im Fall Kevin de Bruyne durchgehalten – bis einen Tag vor dem Ende des Transferfensters.

Sollte Draxler bleiben, könnte er mit Gomez eines der gefährlichsten Offensiv-Duos der Liga bilden, wenn er denn seine Motivation wiederfindet und nicht so eine Art Schrödingers Katze der Bundesliga wird: Gleichzeitig da, aber auch nicht da. Klaus Allofs hat dem 22-Jährigen jedenfalls schon eine Brücke gebaut, der "Sport Bild" sagte er: "Ich glaube nicht, dass er nur gezwungenermaßen noch eine oder auch mehrere Spielzeiten beim VfL bleibt." Ein paar gute Spiele, ein paar Assists für Gomez, und schon ist der Ärger vergessen. Und die nächste Transferperiode kommt bestimmt.

Was fehlt?

*Datenschutz

Jakub Blaszczykowski ist ein Ehrenmann, das rappte M.I.K.I. dem Polen zum Abschied vom BVB ins Poesie-Album, und wir wollen es gerne glauben. Die Gefahr scheint also eher gering, dass "Kuba" den VfL wie Julian Draxler nur als Sprungbrett benutzen und sich nach einer Saison wieder raus dem Staub machen will - zumal Blaszczykowski mit 30 Jahren in einem Alter ist, in dem heutzutage schon der Rentenvertrag abgeschlossen wird. Abgesehen von der Dortmunder Legende und Mario Gomez verpflichtete Manager Klaus Allofs bislang eher Talent: Daniel Didavi erzielte 18 Scorerpunkte beim Absteiger Stuttgart, Yannick Gerhardt konnte seine Qualität in Köln nie konstant unter Beweis stellen. Dazu kommt mit Jeffrey Bruma ein 24-Jähriger Innenverteidiger, der in Wolfsburg zum Abwehrchef reifen will, und mit Josip Brekalo ein 18-jähriges Juwel. Allofs und Trainer Dieter Hecking vertrauen darauf, dass sie alle beim VfL sofort auf einem Top-Level agieren können. Für die eigenen Zielsetzungen braucht es aber mehr Qualität. Simone Zaza, ein deutscher Held des Halbfinal-Siegs über Italien, soll für 25 Millionen Euro von Juventus Turin kommen, allerdings ziehen sich die Verhandlungen seit Wochen hin. Weltmeister Matthias Ginter bleibt wohl ebenso wie Salif Sané nur ein Wunschkandidat.

Wie lautet das Saisonziel?

Das muss man Klaus Allofs lassen: Er ist ein Mann der offenen Worte. Sein Coach Dieter Hecking weiß also, woran er ist, wenn der Manager sagt: "Mein Wunsch ist es, dass wir wieder die Champions League erreichen." Wenn Hecking Allofs diesen Wunsch nicht erfüllen kann, sollte es als Entschuldigung wenigstens die Europa League sein, sonst wird der Umbruch auch auf der Trainerbank sichtbar. Allofs weiß aber auch, was er Hecking noch schuldig ist: "Wenn man wieder in die Champions League kommen möchte, dann gelingt das nicht nur mit jungen Spielern. Das wäre ein frommer Wunsch", sagte er der "Sport Bild".

Die n-tv.de-Prognose

Hinter dem eher unspektakulären 8. Platz des Argentiniers Emiliano Grillo beim olympische Golfturnier steckt eine aufregende Geschichte: Auf dem Flug ging nämlich die Tasche mit seinen Schlägern verloren, Grillo saß also in Rio und musste darauf hoffen, dass er überhaupt starten kann. Mehrere Tage und ungeduldige Tweets an diverse Airlines und Flughäfen später bekam der Argentinier die erlösende Nachricht: die Schläger wurden rechtzeitig gefunden.

Was das mit dem VfL zu tun hat? Nun, es wäre sinnlos gewesen, über Grillos Chancen in Rio zu debattieren, ohne zu wissen, ob diese verdammte Tasche überhaupt wieder auftaucht. Genauso wenig Sinn ergibt es, zu diesem Zeitpunkt die Chancen der Wolfsburger auf die Königsklasse zu bewerten. Gehen Draxler, Gustavo und Dante ohne adäquaten Ersatz, könnte es am Ende der Saison trotz Mario Gomez heißen: Liebling, ich habe den VfL geschrumpft. Auf Liga-Mittelmaß. Bleiben Draxler, Gustavo und Dante - und schalten vom Bocklos-Modus um auf professionelles Auftreten -, dann spielen die Wölfe um die Champions-League-Plätze mit.

Quelle: ntv.de