Samsung wird sich freuenApple muss neue KI-Siri wohl erneut verschieben
Von Klaus Wedekind
Im KI-Rennen gerät Apple einem Bericht zufolge weiter ins Hintertreffen. Demnach muss der Konzern die für ein März-Update geplanten Siri-Verbesserungen erneut verschieben, möglicherweise sogar bis September. Derweil bereitet Konkurrent Samsung eine weitere "galaktische" KI-Offensive vor.
Eigentlich hatte Apple für dieses Frühjahr ein großes Update geplant, das Siri (wieder) zu einem Top-KI-Assistenten machen sollte. Damit wäre das Unternehmen schon sehr spät dran gewesen, denn angekündigt hatte es die Verbesserungen bereits 2024 und dann mehrmals verschoben. Doch "Bloomberg" berichtet jetzt, dass Apple mit iOS 26.4 bestenfalls teilweise abliefern können wird, etliche entscheidende Verbesserungen sollen erst später im Jahr oder sogar erst 2027 folgen.
Auf Schwierigkeiten gestoßen
Der Bericht stammt von Mark Gurman, der aktuell die besten Quellen innerhalb der Zentrale in Cupertino hat und in der Vergangenheit meist richtig lag. Die Entwickler seien in den vergangenen Wochen auf Schwierigkeiten gestoßen, die "die Veröffentlichung mehrerer mit Spannung erwarteter Funktionen möglicherweise verzögern wird", schreibt er.
Gurmans "mit der Materie vertrauten Quellen" zufolge arbeitet Apple daran, Verbesserungen, die mit iOS 26.4 im März kommen sollten, auf später folgende Updates zu verteilen. Dies könnte bedeuten, dass sie erst mit iOS 26.5 im Mai oder gar erst mit iOS 27 im September veröffentlicht werden.
Nicht immer korrekt oder zu langsam
Eine der wichtigsten Siri-Verbesserungen soll die Möglichkeit sein, mit Sprachbefehlen Apps von Apple und Drittanbietern präzise steuern zu können. Das soll so weit gehen, dass man beispielsweise Siri nach einem Bild suchen, es bearbeiten und dann über eine weitere App verschicken lassen kann. Gurmans Quellen berichten, die Tests hätten ergeben, dass der Assistent Anfragen nicht immer korrekt bearbeitet oder zu lange dafür benötigt. Siri soll sich sogar ausklinken, wenn Nutzerinnen und Nutzer zu schnell sprechen.
Ein Kernproblem ist, dass Apple versucht, eigene große Sprachmodelle (LLMs) mit externer KI zu kombinieren, um Siri aufzumöbeln. Dafür hat das Unternehmen unter anderem eine langjährige Partnerschaft mit Google vereinbart, um dessen Gemini-KI nutzen zu dürfen. Doch egal, wie kompetent ein Partner auch sein mag, ist eine solche Konstruktion kompliziert.
Datenschutz mit KI-Wünschen schwer vereinbar
Dabei spielt auch eine Rolle, dass Apple seine Datenschutzanforderungen gewährleisten möchte (Private Cloud Compute: isolierte Hardware, keine dauerhafte Speicherung, überprüfbarer Code). Das bedeutet eigentlich, dass die Modelle entweder auf iPhones und anderen Apple-Geräten oder auf eigenen Servern ausgeführt werden müssen.
Gurman schreibt, besonders wahrscheinlich sei, dass Apple Siris erweiterte Zugriffe auf persönliche Daten verschieben wird. Mit dieser Funktion könnten Nutzer den Assistenten beispielsweise bitten, alte Textnachrichten nach einem von einem Freund geteilten Podcast zu durchsuchen und ihn sofort abzuspielen.
Öffentlicher Betatest?
Möglicherweise wird Apple die Funktion mit iOS 26.5 "unter Vorbehalt" veröffentlichen. Die von Entwicklern genutzte Version der Software hätte eine Art Vorschau-Option, schreibt Gurman. "Dies deutet darauf hin, dass Apple erwägt, Nutzer darauf hinzuweisen, dass die erste Version unvollständig ist oder möglicherweise nicht zuverlässig funktioniert – ähnlich wie bei Betatests neuer Betriebssysteme."
Gurmans Quellen nach soll die Testversion von iOS 26.5 auch zwei bisher nicht angekündigte Features enthalten. Eines soll eine Websuche sein, wie sie Perplexity oder Google mit Gemini bieten. Die andere Funktion soll ein weiterentwickeltes Apple Image Playground sein, um benutzerdefinierte Bilder zu generieren.
Laut Gurman warnten Entwickler bereits Ende 2025, die Probleme seien so groß, dass man die Siri-Updates um mehrere Monate verschieben müsse. Doch die Chefetage habe sich – auch noch in den vergangenen Wochen – beharrlich geweigert, etwas, das 2024 angekündigt wurde, später als im Frühjahr 2026 zu veröffentlichen.
Ohne Google geht wenig - vorerst
Angesichts der aktuellen Probleme könnten auch die weiteren Apple-Pläne zu ehrgeizig sein, mit iOS/iPad/macOS 27 eine "runderneuerte" Siri einzuführen, die es tatsächlich mit ChatGPT & Co aufnehmen kann und tief in die Systeme integriert sein soll. Dafür soll Apple sogar bereit sein, vorübergehend auf Google-Server zu setzen - möglicherweise mit einer Opt-in-Option. Das heißt, Nutzerinnen und Nutzer müssten ausdrücklich zustimmen, KI-Funktionen zu nutzen, die auf Google-Servern ausgeführt werden.
Das soll aber kein Dauerzustand sein. Vor einigen Tagen hat Tim Cook seinen Mitarbeitern mitgeteilt, man arbeite an eigenen Chips für Rechenzentren, die maßgeschneidert für Apple-Geräte seien. Dies werde "eine völlig neue Klasse von Produkten und Dienstleistungen ermöglichen".
Apples Software-Chef Craig Federighi fügte hinzu, es sei äußerst wichtig, dass die Daten, die ein Modell zur Beantwortung einer Frage erhalte, vertraulich behandelt würden. In der Branche sei es üblich, "diese Daten an einen Server zu senden, wo sie protokolliert, dem Unternehmen zugänglich gemacht und für Trainingszwecke verwendet werden." Bei Apple blieben die Informationen entweder auf den Geräten der Nutzer oder würden auf datenschutzkonforme Server ausgelagert.
Samsung plant großen KI-Auftritt am 25. Februar
Samsungs großer Konkurrent Samsung sieht das wesentlich lockerer und arbeitet in Sachen KI schon länger ohne Wenn und Aber mit Google eng zusammen. Im Prinzip kann man sagen, dass alle Gemini-Neuheiten auf Galaxy-Geräten umgesetzt werden – manchmal sogar früher als auf Googles Pixel-Flotte. Dazu kommt eine unkomplizierte Ergänzung durch eigene KI-Funktionen.
Insofern dürfte man in Südkorea Apples Probleme mit einer gehörigen Portion Schadenfreude verfolgen. Der Zeitpunkt könnte für Samsung nicht besser sein, denn das Unternehmen hat die Vorstellung der Galaxy-S26-Serie für den 25. Februar in Apples Nachbarschaft in San Francisco angekündigt.
"Neue Ära von KI-Funktionen"
Eine "neue Ära von KI-Funktionen" werde mit ihnen eingeläutet, "in der Intelligenz persönlich und anpassungsfähig ist", heißt es in der Einladung. Die neue Galaxy-S-Serie sei entwickelt worden, "um den Alltag zu vereinfachen, Sicherheit zu stärken und Galaxy AI von Anfang an nahtlos und intuitiv erlebbar zu machen". Nutzerinnen und Nutzer könnten "sich auf ein mobiles Nutzungserlebnis freuen, das sie in ihren täglichen Routinen unterstützt, damit diese flüssiger und müheloser werden."
In seinem jüngsten Geschäftsbericht schreibt Samsung, es werde "seine führende Position im Bereich KI-Smartphones durch die Einführung der Galaxy S26-Serie und die Bereitstellung von Agentic AI-Erlebnissen weiter ausbauen". Das heißt, die KI soll proaktiver arbeiten. Laut "Sammy Fans" bedeutet dies, dass sie nicht nur Fragen beantworten, sondern selbstständig Aufgaben für den Nutzer erledigen können soll – etwa Termine buchen, Einkäufe abschließen oder Abläufe zwischen Apps koordinieren, ohne dass der Nutzer jeden Schritt manuell auslösen muss.