Technik

Microsofts Edge-Offensive "Chrome saugt den Akku schneller leer"

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Viele Windows-10-Nutzer sind anscheinend noch nicht bereit für Microsoft Edge.

(Foto: Microsoft)

Welcher Browser hält länger durch? Mit einer neuen Strategie versucht Microsoft, Firefox und Chrome die Nutzer abzujagen und sie vom Haus-Browser Edge zu überzeugen. Geht der Software-Riese damit zu weit?

Microsoft und Google sind beide kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Versuche geht, der Konkurrenz die Kundschaft abzujagen und neue Nutzer an die eigenen Produkte zu binden. Dass das ziemlich nach hinten losgehen kann, zeigte sich bei Microsofts Scroogled-Kampagne. Doch auch andere IT-Giganten liefern Beispiele dafür, wie man Nutzer einfangen kann.

Werbung auf Systemebene

Neuester Coup von Microsoft: Der Konzern verfolgt Chrome-Nutzer bis in die System-Benachrichtigungen. "The Verge" berichtet, dass Windows-10-User neuerdings nicht nur hilfreiche Hinweise zur Windows-Nutzung in den Benachrichtigungen erhalten, sondern auch die wenig subtile Botschaft, zu Edge zu wechseln: "Chrome saugt Ihren Akku schneller leer", steht dort sinngemäß zu lesen. "Wechseln Sie zu Microsoft Edge für bis zu 36 Prozent mehr Laufzeit." Ein Klick auf diese Meldung soll dann laut The Verge direkt den Browser starten.   

Die Benachrichtigungen seien Anfang Juli aufgetaucht, sowohl Chrome- als auch Firefox-Nutzer hätten sie bereits bekommen, berichtet The Verge. Offenbar sind aber bisher nicht alle Nutzer betroffen. "Googlewatchblog" mutmaßt, dass die Meldung bei deutschen Nutzern nicht oder noch nicht angezeigt wird.

Mit der Werbe-Benachrichtigung im Menü des Betriebssystems geht Microsoft einen aggressiven Schritt, nachdem der Konzern schon im Juni mit einem nicht ganz lupenreinen Akkuvergleich für Aufsehen gesorgt hatte. Der Test hatte ergeben, dass Edge auf einem Surface Book länger durchhält als Chrome, Firefox und Opera. Im Funktionsumfang und damit im Leistungsverbrauch kann Edge aber noch nicht mit den anderen mithalten. Der Vergleich ist deshalb nicht ganz gerecht. Er sollte in Anbetracht der Tatsache, dass Microsoft einen Microsoft Browser auf Microsoft-Notebooks als Gewinner sieht, mit Argwohn betrachtet werden.

Chrome ist deutlich Marktführer

Google ist aber auch nicht unschuldig, wenn es darum geht, Nutzer weg von der Konkurrenz und hin zu Chrome zu holen. Wer mit einem anderen Browser Googles Seiten besucht, zum Beispiel die Google-Suche, Maps oder Youtube, bekommt oft einen dezenten, aber eindeutigen Hinweis, er möge doch Chrome installieren, anstatt einen anderen Browser zu nutzen. Das ist etwas nervig, lässt sich aber leicht wegklicken und ignorieren.

Ob es an dieser Strategie liegt, dass der Marktanteil von Chrome ständig wächst, ist nicht bekannt - jedenfalls ist Googles Browser laut dem Statistik-Portal "Statista" weltweit mit 56,94 Prozent der mit Abstand am meisten genutzte Internet-Browser und auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Im Mai 2016 lag Chrome laut Statista mit 33,16 Prozent nur rund ein Prozent hinter Firefox, der mit 34,42 Prozent immer noch der Lieblingsbrowser der Deutschen ist.  

Microsofts Edge kommt da noch lange nicht heran. Der mit Windows 10 eingeführte neue Browser ist aktuell bei einem Marktanteil von 3,25 Prozent. Er ist allerdings auch auf einen PC mit Windows 10 angewiesen, was die potentielle Nutzergruppe enorm einschränkt. Ob Microsoft mit seiner offensiven und von manchen als übergriffig empfundenen Strategie dennoch sein Ziel erreicht, bleibt fraglich. 

Quelle: ntv.de, jwa