Technik

Besser als die Allerbesten? Das HTC 10 nimmt es mit jedem auf

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Edles Alu-Kleid: Das HTC 10 ist ein schickes Topmodell.

(Foto: jwa)

Es ist das beste HTC-Smartphone seit Langem: Die Kamera ist top, das Display brillant, Verarbeitung und Hardware sind Weltklasse. Dazu gibt's Spitzenklang und eine kleine Weltpremiere. Kann da noch etwas schiefgehen? n-tv.de hat das HTC 10 getestet.

Das HTC 10 ist das Flaggschiff, das die Taiwaner schon seit Jahren hätten bauen müssen. Wer die Vorgängermodelle kannte und jetzt das 10 in die Hand nimmt, wird nicht umhin kommen, zu denken: Na also, geht doch. Es ist ein klasse verarbeitetes Gerät, das technisch auf der Höhe ist und keine Schwächen hat. Reicht das?

Noch vor wenigen Jahren hätte die Antwort gelautet: Ja. Doch HTC ist nicht mehr der gewichtige Smartphone-Riese, die Marktanteile sind geschrumpft. Um sich durchzusetzen, bedarf es deshalb etwas mehr Anstrengung. Die Voraussetzungen sind gut: Das edle Gehäuse des HTC 10 ist aus einem Stück Metall gefräst, Haptik und Gewicht strahlen Wertigkeit aus. Mit 161 Gramm und 9 Millimetern in der Mitte ist es schwerer und dicker als die direkten Konkurrenten. Doch ein Handy-Klotz ist es nicht, es liegt gut in der Hand und fühlt sich toll an.

Schlank und schnell

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Schöne Front: An der Vorderseite des HTC 10 wurde kein unnötiger Platz verschwendet.

(Foto: jwa)

Schön ist auch die Front: Der Platz ist gut ausgenutzt, das brillante und superscharfe QHD-Display nimmt einen Großteil der Fläche ein, dicke Ränder und breite Balken sind Vergangenheit. Helligkeit, Kontraste und Blickwinkel sind erstklassig, die Anzeige ist im Vergleich mit Samsungs Galaxy S7 neutraler und heller - volle Punktzahl. Wer möchte, kann das Farbprofil in den Einstellungen unter Anzeige anpassen. 

Dank vorgefertigter Themes lässt sich die Benutzeroberfläche personalisieren, Nutzer können aber auch selbstständig Töne, Symbole, Schriftart und -farbe, Hintergründe und Homescreen-Layout anpassen - es lebe die Vielfalt. Die Software-Auswahl hat HTC aber zusammengekürzt. Wo es ein gutes Google-Pendant gibt, verzichtet man auf eigene Apps, zum Beispiel bei der Foto-Galerie oder beim Kalender. Wer will, kann die HTC-Ableger aber immer noch aus dem Play Store herunterladen.

Die wichtigsten technischen Daten

  • System: Android 6.0.1, Sense
  • Display: LCD, 5,2 Zoll, 2560 x 1440 Pixel, 564 ppi
  • Prozessor: Snapdragon 820, Quad-Core, 2,2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Kamera: 12 Ultrapixel, f/1.8, OIS
  • Frontkamera: 5 Megapixel, f/1.8, OIS
  • LTE Cat. 9, WLAN ac (2,4 & 5 GHz), Bluetooth 4.2, NFC, AirPlay
  • USB-C
  • Akku: 3000 mAh
  • Maße: 145,9 x 71,9 x 3-9 mm
  • Gewicht: 161 g

Die Schlankheitskur tut gut, der Systemspeicher ist nicht vollgestopft und die Performance des HTC 10 könnte kaum besser sein. Mit 4 Gigabyte Arbeitsspeicher und dem Snapdragon 820 unter der Haube liefert es Höchstleistungen. Unter Volllast oder beim Laden wird das Gehäuse warm, doch die Hitzeprobleme des Snapdragon 810 sind passé. Apps und Kamera starten sofort, der Fingerabdruckscanner reagiert fast verzögerungsfrei.

Im Vergleich zu denen von Apples oder Huaweis Top-Geräten ist er aber weniger treffsicher und braucht mitunter mehrere Anläufe. Es lohnt sich also, zusätzlich ein Entsperrmuster einzurichten, falls Zeit und Nerven knapp sind. Mit den "Motion-Launch"-Gesten kann man das Smartphone zudem direkt aus dem ausgeschalteten Bildschirm aktivieren. Ein Doppeltipp schaltet den Bildschirm ein, zweimal nach unten wischen startet die Kamera - das Herzstück des HTC 10.

Gute Fotos

Der große Sensor hat 1,55 Mikrometer große Bildpunkte, die sogenannten Ultrapixel, die größer sind als bei den Konkurrenzmodellen. Damit kann der Sensor mehr Licht aufnehmen, wovon vor allem Fotos im Dunkeln profitieren. Die Auflösung ist mit 12 Megapixeln hoch genug, die Bilder sind angenehm hell, farbecht und relativ rauscharm, ohne Details zu sehr glattzubügeln - auch auf übermäßiges Scharfzeichnen verzichtet HTC. Der Dynamikumfang ist gut, bei Tageslicht neigt die Kamera aber zu recht heller Belichtung. Korrigieren lässt sich das entweder per Schieberegler direkt im Sucher oder im manuellen Modus.

Die App lässt sich gut bedienen und ist nicht unnötig aufgeblasen. Allerdings fehlen Grundfunktionen, zum Beispiel verschiedene Film- und Farbfilter, die dem Bild einen künstlerischen Touch geben können. Auch konnte man bei den Vorgängermodellen Schärfe, Kontrast und Helligkeit per Schieberegler selbst bestimmen und das als eigene Voreinstellung speichern. Etwas weniger Rotstift beim Funktionsumfang hätte gutgetan.

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Hochwertige Kopfhörer gibt's beim HTC 10 mit dazu.

(Foto: jwa)

Auch die 5-Megapixel-Frontkamera macht gute Bilder, sie beherrscht ebenfalls HDR und hat als weltweit erste Frontkamera einen optischen Bildstabilisator (OIS), dessen Effekt man aber kaum sieht. Auffallend: Im Sucherbild sehen Porträts schärfer aus als nach der Aufnahme, auch ohne Make-Up-Modus scheint die Kamera hier kräftig nachzuglätten. Schade, denn so wirken die Aufnahmen unschärfer als nötig.

Spitzenklang

Das HTC 10 will auch als Soundprofi punkten. Es spielt hochauflösende Audio-Dateien ab und nimmt Videos mit 24-Bit-Auflösung auf. Wer Bluetooth-Kopfhörer nutzt, bekommt davon aber nur bedingt etwas mit. Erst wenn ein Kopfhörerkabel steckt, können Nutzer ihr eigenes Hörprofil erstellen, indem sie erst links und dann rechts einzelne Frequenzen anhören und die Lautstärke anpassen. Der Effekt ist deutlich, Durchschnittshörern dürfte aber auch ein herkömmlicher Equalizer genügen. Pluspunkt: Im Lieferumfang sind hochwertige und wirklich gut klingende Kopfhörer enthalten.

Wer viel knipst und unterwegs Musik hört, verbraucht viel Akku. Dank 3000 Milliamperestunden geht dem HTC 10 zwar nicht vorzeitig die Puste aus, bei moderatem Gebrauch sind anderthalb Nutzungstage locker drin. Die Laufleistung ist aber auch nicht überdurchschnittlich. Sie liegt mit rund 50 Prozent Ladeverlust in 9,5 Stunden gleichauf mit dem LG G5. Weil der Akku 200 Milliamperestunden mehr Reserven hat, hält das HTC 10 zwar länger durch, im Schnitt verbraucht es pro Stunde aber mehr Energie als das G5. Trostpflaster: Dank Schnellladegerät bekommt der Smartphone-Akku in einer halben Stunde rund 60 Prozent Ladung.

Ist das HTC 10 nun ein Top-Smartphone? Ja, das ist es. Kann es dem Galaxy S7 und den anderen aktuellen Spitzengeräten das Wasser reichen? Kein Problem. Es spielt mit den Allerbesten in einer Liga - trotzdem könnte das noch zu wenig sein. Denn HTC muss erst einmal aus der Nische heraus und viele Neukunden für sich gewinnen. Und dafür braucht es Geräte, die nicht nur auf Augenhöhe kämpfen, sondern die anderen übertrumpfen. Mit besonderer Ausstattung, einzigartigen Funktionen oder einem Kampfpreis - ob das Gesamtpaket des HTC 10 attraktiv genug ist, muss sich zeigen.  

Quelle: n-tv.de

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