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Eine Statistik sagt nicht alles Das iPhone verliert und gewinnt

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Neue iPhones verkaufen sich schlechter, aber Apple verliert deswegen keine Nutzer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Weltweit sinken die Verkaufszahlen der iPhones einer Statistik nach dramatisch, schon bald könnte Apple demnach nicht mehr unter den Top-3-Herstellern sein. Betrachtet man die iOS-Zahlen, ergibt sich allerdings ein etwas anderes Bild, und wie weit darf man einer Statistik überhaupt trauen?

Das iPhone hat seinen Zauber verloren und die Zeiten, als ein Verkaufsrekord den anderen jagte, sind Vergangenheit. Im Gegenteil: IDC-Zahlen zufolge verkaufte Apple im zweiten Quartal 2019 mit 33,8 Millionen iPhones rund 18 Prozent weniger Geräte als noch vor einem Jahr, als es noch 41,3 Millionen waren. Der Marktanteil schrumpfte demnach um zwei Prozentpunkte und liegt jetzt nur noch bei 10,1 Prozent. Vor Apple liegen mit großem Vorsprung Samsung und Huawei, die ihre Verkäufe auf 75,5 (+5,5%) beziehungsweise 58,7 Millionen Smartphones (+8,3%) steigern konnten und auf Marktanteile von 22,7 und 17,6 Prozent kommen.

Platz 3 in Gefahr

Wie üblich wird Apple mit der kommenden iPhone-Generation wieder aufholen, aber voraussichtlich weniger deutlich als früher. Neben den hohen Preisen und fehlenden Innovationen dürfte die fehlende 5G-Integration die Absatzzahlen drücken. In den folgenden Monaten wird Apple daher möglicherweise auch noch von Xiaomi überholt, das mit einem Marktanteil von 32,3 Prozent dem iPhone-Hersteller im Nacken sitzt. Zwar stagnieren die Verkäufe der Chinesen (-0,2 Prozent), aber letztendlich liegt vorne, wer weniger verliert.

Dass Apples Verkäufe so drastisch zurückgehen, liegt zu einem guten Teil daran, dass das Unternehmen ausschließlich Premium-Geräte verkauft - auch das iPhone XR ist mit einem Startpreis von 850 Euro ist kein Mittelklasse-Gerät. In diesem Segment ist der Markt weitgehend gesättigt. Das trifft auch Samsung hart, aber die Südkoreaner haben sich laut Gartner-Analyse rechtzeitig in der Mittel- und Einsteigerklasse breiter aufgestellt, die noch großes Wachstumspotenzial haben.

Chinesen drängen in die Oberklasse

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Lange Schlangen vor den Apple Stores am Tag des iPhone-Marktstarts sind Geschichte.

(Foto: REUTERS)

Beide Unternehmen spüren auch in der Oberklasse zunehmend den Druck chinesischer Hersteller. Das ist vor allem Huawei, das Counterpoint zufolge mit 16 Prozent im ersten Quartal des Jahres den drittgrößten Marktanteil im Premium-Segment hatte. Apple gehörten 57 Prozent des Kuchens, Samsung 25 Prozent.

Huawei könnte nach den hervorragenden Zahlen im ersten Halbjahr allerdings durch US-Sanktionen ins Straucheln kommen. Viel hängt davon ab, ob Trumps "Gnadenerlass" greift und in welchem Ausmaß US-Firmen die Chinesen wieder beliefern dürfen.

Treue iOS-Nutzer

Apples rückläufige Verkaufszahlen bedeuten nicht, dass auch die Zahl der iPhone-Nutzer sinkt. Laut Statcounter gibt es weltweit heute mehr iOS-Nutzer als vor einem Jahr. Im Juni 2018 betrug der Marktanteil 18,9 Prozent, im vergangenen Juni waren es rund 22 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung hat Kantar auch für Deutschland ermittelt hat. Hier stieg der iOS-Anteil von 18,8 auf 20,3 Prozent.

Apples Kunden nutzen ihre iPhones also vermutlich länger und kaufen seltener ein neues Gerät. Sie wechseln nicht scharenweise ins Android-Lager, sondern bleiben treue iOS-Nutzer. Apples Strategie, sein Geld zunehmend mit seinen Online-Diensten zu verdienen, geht auf. Dabei ist es unerheblich, wie alt ein iPhone ist, Hauptsache die Kunden bleiben in Apples Ökosystem.

Statistiken ohne konkrete Verkaufszahlen

Außerdem ist IDC zwar eine verlässliche Quelle, aber das Unternehmen hat wie andere Analysten keine konkreten Verkaufszahlen. Seit Ende 2018 gibt Apple sie nicht mehr heraus. Stattdessen nutzt IDC für seinen Worlwide Quaterly Mobile Phone Tracker beispielsweise Informationen von großen Händlern. Die Statistik daher mit Vorsicht zu genießen.

Auch Strategy Analytics hat einen Rückgang ermittelt, allerdings weit weniger drastisch. Laut dieser Statistik gingen die Verkäufe lediglich von 41,3 Millionen auf 38 Millionen zurück. Das sind immer noch rund 8 Prozent, aber 10 Prozent weniger als IDC errechnet hat.

Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. So gibt Apple zwar keine Verkaufszahlen mehr heraus, nennt in seinem aktuellen Quartalsbericht aber die Erlöse pro Gerätekategorie. Demnach gingen die iPhone-Erlöse um rund zwölf Prozent auf knapp 26 Milliarden Dollar zurück.

Es geht wieder aufwärts - irgendwie

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Apple verkauft zunehmend runderneuerte iPhones.

(Foto: REUTERS)

Und wie geht es weiter? IDC erwartet weiter leicht sinkende iPhone-Marktanteile auf rund 13 Prozent 2023. Das ist für Apple eine relativ positive Entwicklung, denn der Analyst sieht ab der zweiten Hälfte dieses Jahres wieder einen insgesamt wachsenden Smartphone-Markt.

Dies könnte bedeuten, dass der Hersteller insgesamt wieder mehr Geräte verkauft und dabei größere Gewinnmargen hat als die Konkurrenten, da es ein echtes "Billig-iPhone" wohl nie geben wird. Wobei Apple sich vermutlich erst im kommenden Jahr erholen wird, wenn seine Geräte 5G-tauglich sein werden.

IDC erwartet außerdem, dass Apple zunehmend runderneuerte (refurbished) iPhones verkaufen wird. Auch das bestätigt, dass es dem Unternehmen vor allem darauf ankommt, Nutzer im iOS-Lager zu halten oder hinzuzugewinnen, die seine Online-Dienste nutzen. Ob sie die teuren neuen iPhones kaufen, ihre Geräte länger behalten oder gebrauchte Smartphones kaufen, ist egal. Apple macht so oder so Kasse. Keine schlechte Strategie.

Quelle: n-tv.de