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Apple geht andere Wege Wird das neue iPhone ein Langweiler?

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So könnte das iPhone XI aussehen.

(Foto: CompareRaja/@OnLeaks)

Die kommende iPhone-Generation wird sich offenbar kaum von den aktuellen Geräten unterscheiden, die vermuteten Neuheiten haben andere Hersteller schon 2018 umgesetzt. Auch alte Weggefährten fürchten, dass Apple nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Aber stimmt das?

Wie immer hat Apple den Mobile World Congress (MWC) auch diesmal offiziell ignoriert. Doch man kann sicher sein, dass Scouts des iPhone-Herstellers in Barcelona unterwegs waren, um zu sehen, was die Konkurrenten zu bieten haben. Die Apple-Späher dürften mitbekommen haben, wie groß das Interesse an den Falt-Smartphones von Samsung und Huawei war, dass Triple-Kameras in der Android-Welt inzwischen Standard sind und dass sich alle Konkurrenten bereits für die 5G-Zukunft rüsten. Welche Lehren zieht Apple daraus? Womöglich keine oder die falschen, fürchtet Mitbegründer Steve Wozniak.

"Was Handys angeht, ist Apple erledigt"

Apple sei in Bereichen wie Fingerabdrucksensoren, Gesichtserkennung oder dem einfachen Bezahlen mit dem Telefon lange Zeit führend gewesen, sagte "The Woz" dem Wirtschaftsmagazin "Bloomberg". In anderen Bereichen wie bei Falt-Smartphones gehe Apple nicht voran und das mache ihm Sorgen. Denn er wolle wirklich so ein Gerät haben. Wozniak sieht Apples Zukunft daher eher abseits des iPhones in anderen Techniken und Diensten.

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Falt-Smartphones wie das Huawei Mate X sind spannende Geräte, aber bisher noch reine Nischenprodukte.

(Foto: kwe)

Star-Designer Philippe Starck, der für den sterbenden Steve Jobs noch eine Super-Yacht gestaltete, sagte der "Süddeutschen Zeitung" sogar, "was Handys angeht, ist Apple erledigt - und das wissen sie auch. Deswegen versuchen sie sich jetzt auch an anderen Dingen." Mit Falt-Smartphones bekomme man zwei Produkte in einem, schwärmt der Franzose. "Für den Preis, den Energieaufwand und Materialverbrauch eines Geräts."

Das "iPhone Fold" kommt vielleicht noch

Doch vielleicht ist die harsche Kritik etwas verfrüht. Denn es war noch nie das Ziel des Unternehmens, eine Technik als Erster umzusetzen - auch nicht unter Steve Jobs. Apples Prämisse war immer, etwas besser als alle anderen zu machen und erst dann auf den Markt zu bringen. Das war beim iPod so, beim iPhone und auch beim iPad.

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Das Patent sagt wenig darüber aus, wie ein faltbares iPhone letztendlich aussehen könnte. Es konzentriert sich auf das beheizbare Scharnier.

(Foto: USPTO)

Tatsächlich arbeitet offensichtlich Apple bereits an einem Falt-Smartphone, wie ein Patent zeigt, dass am 28. Februar veröffentlicht wurde. Laut "Patently Apple" beschreibt es, wie mit Heizelementen verhindert werden soll, dass ein kaltes Display bricht, wenn es gefaltet wird. Es bleibt also abzuwarten, ob man Apple in Sachen Falt-Smartphone tatsächlich schon abschreiben sollte. Was das kommende iPhone betrifft, gibt es eher Gründe, pessimistisch zu sein.

Keine aufregenden Neuerungen

Der bekannteste und treffsicherste Apple-Analyst Ming-Chi Kuo hat vor rund zwei Wochen mitgeteilt, was er erwartet. Seinen Informationen nach werden die neuen iPhones im Wesentlichen wieder wie die aktuellen Geräte aussehen. Sie sollen nach wie vor einen Lightning- statt eines USB-C-Anschlusses haben und eine verbesserte True-Depth-Kamera soll wieder in einer Display-Notch Gesichter erkennen. Der Prozessor wird sicher stärker sein und vielleicht bekommt der XR-Nachfolger mehr Arbeitsspeicher.

Von links nach rechts: Das Sony Xperia 10, das Xperia 1 und das Xperia 10 Plus.

Auch Sonys Flaggschiff Xperia 1 hat eine Triple-Kamera mit Super-Weitwinkel-Objektiv.

(Foto: Sony)

Kuo rechnet außerdem damit, dass das Gehäuse eine Milchglas-Optik erhält, die neuen iPhones andere Geräte kabellos laden können und zumindest das XS Max eine Triple-Kamera mit einem zusätzlichen Super-Weitwinkel-Objektiv besitzt. Laut "Appleinsider" könnte das "iPhone XI" auch eine 3D-Kamera auf der Rückseite haben.

Vielleicht wird die Milchglas-Optik einzigartig, ansonsten wurden alle genannten Neuerungen von anderen Herstellern bereits umgesetzt. Vor allem Huawei ist Apple ein gutes Stück voraus. Triple-Kamera und induktives Laden am Smartphone-Rücken bietet bereits das Mate 20 Pro, Ende März wird das P30 Pro voraussichtlich mit Triple-Kamera plus 3D-Sensor kommen.

5G erst 2020

Bleibt 5G. Apple würde wahrscheinlich auch gerne in diesem Jahr ein iPhone vorstellen, das den Mobilfunkstandard der Zukunft unterstützt. Aber weil sich das Unternehmen heillos mit Chip-Hersteller Qualcomm zerstritten hat, ist es jetzt auf Intel-Modems angewiesen und die funken erst ab kommendes Jahr in 5G-Netzen, berichtete "Reuters".

In Deutschland und anderen europäischen Ländern mag das kein größeres Thema sein, hier startet der Ausbau kaum vor 2020. Aber vor allem in den USA, Japan, Südkorea und China geht schon in diesem Jahr die Post ab. Zwar werden auch dort Normal-Nutzer kaum vor 2020 mit Smartphones im 5G-Netz surfen. Aber ein iPhone hält mindestens fünf Jahre und wer zukunftssicher einkaufen möchte, sollte die 2019er-Geräte meiden.

Kalkül statt Unvermögen

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Tim Cook ist kein Visionär wie Steve Jobs, aber er plant vorausschauend.

(Foto: AP)

Apple hat beim iPhone offensichtlich einen Gang zurückgeschaltet. Aber das hat vielleicht weniger mit Unvermögen als kühlem Kalkül zu tun. Steve Wozniak liegt vermutlich richtig, wen er sagt, das Unternehmen habe abseits des iPhone eine strahlende Zukunft. Tim Cook ist vielleicht kein Visionär wie es Steve Jobs war, aber er weiß sehr gut was er tut und er geht geplant vor.

Wie Cook umstrukturiert und die Schwerpunkte in anderen Bereichen setzt, geht aus einem Artikel von "The Information" hervor. Dem Magazin liegt die neue Führungsstruktur mit den 180 wichtigsten Apple-Managern vor. Sie erlaubt es, zu erkennen, in welche Richtungen sich Apple in den kommenden Jahren entwickeln möchte. Ein Schwerpunkt liegt auf Augmented Reality (AR), andere bei künstlicher Intelligenz (KI) und Gesundheit. Außerdem baut das Unternehmen weitere Dienste aus und auf. Unter anderem soll es demnächst einen Video-Streamingdienst geben, mit dem Apple Netflix & Co. Konkurrenz machen möchte.

Langweilige iPhones sind besser

Auch wenn sich bei Apple nicht mehr alles um das iPhone dreht, bleibt es dort ein enorm wichtiger Bestandteil im Ökosystem. Es kommt aber nicht mehr vor allem darauf an, dass sich Nutzer möglichst oft ein neues Gerät kaufen, sondern dass sie Apple treu bleiben. Dazu ist es inzwischen eher schädlich, ständig neue Hard- und Software-Features einzubauen, die nicht unbedingt nötig sind, aber zu Fehlern, Schwachstellen und anderen Problemen führen können.

Zuverlässigkeit, Stabilität, Haltbarkeit, Sicherheit und Unkompliziertheit sind künftig wichtigere Faktoren, um die Kunden im Ökosystem zu halten, damit sie dort Apples Dienste nutzen und bezahlen. Und deshalb ist ein langweiliges Smartphone, das auf hohem Niveau ganz einfach funktioniert und lange mit Updates versorgt wird, nicht falsch. Vielleicht müssen das die Konkurrenten später noch von Apple lernen, wenn ihnen nichts mehr einfällt.

 

Quelle: n-tv.de

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