Technik

F&A zur Corona-Warn-App Sicher, sparsam, wirksam?

Corona-Warn-App Android.jpg

So sieht die Corona-Warn-App für Android aus.

(Foto: GitHub)

Die deutsche Corona-Warn-App ist fertig und funktioniert auf den meisten aktuellen Smartphones. Bevor Nutzer sie installieren, haben sie vielleicht Fragen - ntv.de beantwortet sie.

Morgen soll die deutsche Corona-Tracing-App starten. Sie soll Nutzer warnen, wenn sie in einem möglicherweise gefährlich nahen oder langen Kontakt zu Corona-Infizierten waren. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Corona-Warn-App:

Wo und wann gibt's die App?

Heruntergeladen werden kann die "Corona-Warn-App" nach Angaben der Bundesregierung schon in der Nacht zum Dienstag in den App-Stores von Apple und Google.

Was sind die technischen Voraussetzungen?

Die App läuft auf iPhones ab dem Modell 6s, es muss iOS 13.5 oder eine jüngere Version des Betriebssystems installiert sein. Auf Android-Smartphones muss nicht das jüngste System laufen, die benötigte Schnittstelle hat Google mit einem Update der Play-Dienste geöffnet. Älter als Android 6 darf das Betriebssystem aber nicht sein.

Ist die Nutzung freiwillig?

Die Bundesregierung hat mehrfach betont, dass die Nutzung der App freiwillig sein soll. Es soll keine Sanktionen geben, wenn man die App nicht herunterlädt - aber auch keine Belohnung für einen Einsatz. Nutzer sollen entscheiden, ob sie freiwillig Daten zur anonymisierten epidemiologischen Auswertung an das Robert-Koch-Institut übermitteln wollen. Freiwilligkeit besteht auch darin, in der App eine eigene Infektion anzugeben. Außerdem gibt die App im Falle einer Ansteckungsgefahr nur Hinweise - Nutzer sind im Falle einer Warnung nicht verpflichtet, zum Arzt zu gehen.

Nicht alle glauben an die Freiwilligkeit, deshalb gibt es die Forderung nach einer gesetzlichen Festschreibung, die die Bundesregierung für unnötig hält. Andere fürchten einen indirekten Zwang. So mahnt Verbraucherzentrale-Chef Klaus Müller, es dürfe nicht sein, dass Arbeitgeber, Restaurants oder staatliche Behörden die App-Nutzung als Zutritts-Voraussetzung definieren und damit die Freiwilligkeit schleichend zum Zwang machen.

Saugt die App den Akku leer?

Die App nutzt die vorhandene Bluetooth-Technologie der Endgeräte. Da die App die sogenannte Exposure Notification API von Apple und Google verwendet, unterstützt sie die energieeffiziente Bluetooth-Technologie BLE (Bluetooth Low Energy). Der Stromverbrauch der Anwendung sollte sich also kaum auf die Laufleistung der Geräte auswirken.

Wie gut ist der Datenschutz?

Bei der Programmierung der App und der dazugehörigen Dienste wurde ein mehrstufiges Konzept umgesetzt, um einen möglichst hohen Datenschutz zu gewährleisten. Es werden nicht die Identitäten der Anwender ausgetauscht, sondern anonymisierte IDs, die sich mehrfach in der Stunde ändern. Die IDs der Kontaktpersonen werden nicht zentral gespeichert, sondern dezentral auf den jeweiligen Smartphones.

Nur die Liste der anonymisierten IDs der Infizierten wird auf einem zentralen Server vorgehalten. Die eigenen und von anderen Smartphones empfangenen Zufalls-IDs und die weiteren Begegnungsdaten (Datum und Zeitpunkt des Kontakts, Dauer des Kontakts, Signalstärke des Kontakts und verschlüsselte Metadaten) werden für 14 Tage auf dem Gerät gespeichert. Die App gleicht sie regelmäßig mit den auf dem zentralen Server gespeicherten IDs der Infizierten ab. Nach 14 Tagen werden die gespeicherten Daten automatisch gelöscht.

Hat die App Schwachstellen?

Das kann man bei Software nie eindeutig beantworten, aber im Falle der Corona-Warn-App ist es sehr unwahrscheinlich. Der Quellcode (Bauplan) der App wurde für jeden einsehbar auf GitHub veröffentlicht und Tausende Experten haben die Gelegenheit genutzt, nach Fehlern zu suchen und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zu machen. Auch der TÜV, der im Auftrag des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die Anwendung überprüfte, lobt die App. "Die Tester hatten zum Schluss ein sehr positives Bild, weil inzwischen alles sehr stabil läuft. Sie waren auch ziemlich begeistert davon, wie schnell und in welcher Qualität die Entwickler auf noch entdeckte Schwachstellen reagiert haben", sagt TÜV-IT-Chef Dirk Kretzschmar.

Was passiert bei einer Warnung?

Stellt die App fest, dass es einen Kontakt zu einer positiv getesteten Person gab, analysiert die App ein individuelles Infektionsrisiko mit einem Bewertungsalgorithmus. Dieser basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und wird bei Bedarf angepasst. Das kann beispielsweise passieren, wenn es neue Daten zum Einfluss der Dauer eines Kontakts auf das Infektionsrisiko gibt. Die Risikoermittlung findet ebenfalls ausschließlich lokal auf dem Smartphone statt.

Mit der Warnung ist kein Zwang zur Quarantäne et cetera verbunden, es ergibt sich daraus aber auch kein Recht auf einen Test. Am besten spricht man sich mit seinem Hausarzt ab oder ruft eine Hotline der örtlichen Gesundheitsbehörden an.

Welche Rolle spielen Apple und Google?

Die App könnte nicht funktionieren, wenn Google und Apple, deren Betriebssysteme auf fast allen Smartphones laufen, nicht entsprechende Schnittstellen zur Verfügung stellten. Beide Unternehmen forderten von Anfang an eine dezentrale Lösung. Außerdem darf nur eine App pro Land die Exposure Notification API nutzen. Ansonsten halten sich Google und Apple raus.

Wie hoch sind die Kosten?

Die von der Regierung zusammen mit SAP und der Deutschen Telekom entwickelte Corona-Tracing-App kostet nach Angaben aus der Bundesregierung rund 20 Millionen Euro. Der laufende Betrieb werde rund 2,5 bis 3,5 Millionen Euro kosten, unter anderem für zwei Hotlines für Nutzer, heißt es.

Was bringt die App im Kampf gegen die Pandemie?

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn warnt, dass die App kein Allheilmittel, sondern ein weiterer Baustein beim Kampf gegen die Virusverbreitung ist. Sie soll die Arbeit der lokalen Gesundheitsämter unterstützen, die im Infektionsfall die Kontakte der Person in den vergangenen 14 Tagen ausfindig machen müssen. Dabei spielt Zeit eine große Rolle, um lokale Ausbrüche schnell eindämmen zu können. Die Effizienz der App hängt sehr stark davon ab, wie viele Menschen die App nutzen und auch wahrheitsgemäß ihren Krankenstatus eingeben. Je mehr Menschen dies tun, desto größer wird der Beitrag der App im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus sein.

Wie sieht's im Urlaub im Ausland aus?

Mehr zum Thema

Die deutsche Corona-App ist nicht mit Apps anderer Staaten kompatibel. Hinter den Kulissen wird daran gearbeitet, dass ein Datenaustausch bei Reisen im Ausland möglich wird. Dies wird nach Angaben der Bundesregierung noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Ein Problem ist Frankreich, das eine zentrale App eingeführt hat, weshalb der Datentransfer mit der dezentralen deutschen App als schwierig gilt. Urlaubern wird derzeit geraten, eher die App des Gastlandes herunterzuladen - in Deutschland ankommende Besucher könnten die deutsche App herunterladen.

Wie läuft's in anderen Ländern?

Eine Reihe von Staaten haben nationale Corona-Apps eingeführt - teilweise verpflichtend. Die Erfahrungen sind, dass die App tatsächlich kein Allheilmittel ist, nur ein Beitrag im Kampf gegen die Pandemie sein kann und teilweise technische Probleme aufzeigt. Das gilt auch für die zunächst als Vorbild gelobte App in Singapur.

Quelle: ntv.de, kwe/rts/dpa