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Weitere 90 Tage Android Was passiert, wenn Huaweis Frist abläuft?

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Huawei ist für die Trump-Regierung ein Faustpfand im Handelskonflikt mit China.

(Foto: REUTERS)

Die Schonfrist, in der Google mit Huawei trotz Handelsembargo zusammenarbeiten darf, wird um weitere 90 Tage verlängert. Das ist eine gute Nachricht für Kunden der Chinesen. Was aber passiert, wenn das im November nicht nochmal geschieht?

Mitte Mai verhängte das US-Handelsministerium auf Betreiben von Präsident Trump ein Embargo gegen Huawei. US-Unternehmen dürfen seitdem grundsätzlich nur mit einer Sondergenehmigung Geschäfte mit dem chinesischen Smartphone-Hersteller machen. Auch Google durfte eigentlich nicht mehr mit Huawei kooperieren. Doch das US-Handelsministerium gewährte den Unternehmen eine 90-tägige Gnadenfrist, in der sie weiter zusammenarbeiten durften. Jetzt hat das US-Handelsministerium die Frist um weitere 90 Tage verlängert. Einigen "ländlichen Unternehmen" die abhängig von Huawei seien, solle so die Entwöhnung erleichtert werden, lautet die Begründung von Handelsminister Wilbur Ross.

Faustpfand im Handelskrieg

Offiziell gilt Huawei als Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA. Doch bisher konnte dem Unternehmen nicht ein einziger Spionageversuch nachgewiesen werden, und es ist ziemlich offensichtlich, dass es letztendlich um ein Faustpfand im Handelskrieg zwischen Washington und Peking geht. Im September sollen die Verhandlungen über ein Abkommen fortgesetzt werden, und Präsident Trump verknüpft recht unverblümt Huaweis Schicksal mit dem Ausgang der Verhandlungen.

Egal was passiert, müssen sich Besitzer eines aktuellen Huawei-Smartphones keine Sorgen machen. Für sie ändert sich auch dann wenig, wenn Google keine Geschäfte mehr mit Huawei machen darf. Denn eine bereits erteilte Android-Lizenz behält ihre Gültigkeit, alle Google-Dienste und Apps können wie bisher genutzt werden. Huawei-Smartphones würden auch weiterhin Sicherheitspatches und Android-Updates erhalten, versichert der Hersteller. Er weist außerdem darauf hin, dass es auch keine Probleme gäbe, wenn ein Gerät auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden müsste.

Android-Q-Updates schon fertig

Sollte Huawei künftig tatsächlich ohne Google auskommen müssen, könnte es Verzögerungen bei der Auslieferung von Updates geben, da der Hersteller dann auf das lizenzfreie Android Open Source Project (AOSP) angewiesen ist und die Software nicht mehr direkt von Google erhält. Was das kommende Android Q betrifft, dürfen sich Nutzer aber eher auf besonders schnelle Aktualisierungen freuen, da Huawei und Google die Updates noch vor Ablauf der Gnadenfrist fertig haben mussten. Diese Geräte sollen Android Q erhalten:

  • P30 Pro
  • P30
  • Mate 20
  • Mate 20 Pro
  • PORSCHE DESIGN Mate 20 RS
  • P30 lite
  • P smart 2019
  • P smart+ 2019
  • P smart Z
  • Mate 20 X
  • Mate 20 X (5G)
  • P20 Pro
  • P20
  • Mate 10 Pro
  • PORSCHE DESIGN Mate 10
  • Mate 10
  • Mate 20 Lite

Doch wie sieht es mit kommenden Huawei-Smartphones aus? Hier kommt es darauf an, ob ein Gerät noch innerhalb der abgelaufenen oder möglichen neuen Schonfrist eine Android-Lizenz erhalten hat. Das dürfte beispielsweise beim für Mitte/Ende September erwarteten neuen Flaggschiff Mate 30 Pro der Fall sein. Bei solchen Geräten kann man davon ausgehen, dass es bei den Google-Diensten und Apps keine Einschränkungen geben wird. Sicherheitsupdates könnte Huawei aber etwas später als bisher ausliefern, und noch komplizierter dürften für die Chinesen ohne Googles Hilfe Android-Aktualisierungen werden.

HarmonyOS kein Android-Ersatz

Läuft die Frist endgültig ab, könnten die Chinesen Smartphones künftig mit ihrem kürzlich vorgestellten Betriebssystem HarmonyOS ausstatten. Dieses ist zwar laut Huawei sehr leistungsfähig und plattformübergreifend, kann aber in absehbarer Zeit Google Android noch nicht ersetzen. Dass westliche Nutzer überhaupt bereit sind, sich in ein rein chinesisches Ökosystem zu begeben, darf bezweifelt werden. Da hilft wohl auch wenig, dass Huawei das HarmonyOS quelloffen (open source) gestalten wird.

Ob es so weit kommt, hängt vor allem von den weiteren Verhandlungen im Handelskonflikt zwischen Washington und Peking ab. Gibt es eine Einigung, ist vermutlich auch Huaweis Smartphone-Sparte vom Haken. Scheitern die Verhandlungen, könnte der bisher so erfolgreiche Hersteller nicht nur in Deutschland am Ende sein. Bis dahin gilt aber: Wer ein aktuelles Huawei-Smartphone besitzt oder ein neues Gerät mit gültiger Android-Lizenz kauft, muss sich keine Sorgen machen, plötzlich ohne Updates, Google-Dienste oder Play-Store-Apps dazustehen.

Quelle: n-tv.de

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