Wirtschaft

Ölpreis auf neuem Tiefstand Abwärtsstrudel statt Comeback

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Bald vertrautes Bild?

(Foto: AP)

Vor rund 60 Jahren sagten Wissenschaftler ein Ende des Ölbooms voraus. Heute wird mehr Öl als jemals zuvor gefördert. Anleger sollten sich an die fallenden Preise gewöhnen. Wer will das ganze schwarze Gold noch haben?

Der Ausverkauf an den Rohstoffmärkten geht auch in der neuen Handelswoche weiter. Der Preis für ein Barrel des US-Öls WTI sank am Montag in der Spitze auf 38,18 US-Dollar je Fass ab und markierte damit den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Das Nordseeöl Brent wurde mit 44,24 Dollar je Barrel zeitweise 2,7 Prozent schwächer gehandelt und war damit ebenfalls so billig wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr.

WTI Oil
WTI Oil 57,97

Schon oft wurde eine Ölknappheit mit kräftig steigenden Ölpreisen vorhergesagt. Und tatsächlich erreichte der Ölpreis im Frühjahr 2011 und 2012 seinen Höhepunkt mit knapp 130 US-Dollar. Doch technologische Fortschritte haben die Erschließung zusätzlicher Ölvorkommen ermöglicht. Als bestes Beispiel dient die Erschließung der Ölreserven in den USA. Noch vor einer Dekade fiel die US-Ölproduktion unter fünf Millionen Barrel am Tag, um in 2014 mit 11,6 Millionen Barrel am Tag Saudi-Arabien und Russland als größte Ölproduzenten der Welt abzulösen. Durch den Einsatz von Horizontalbohrungen und dem sogenannten "Fracking" können bislang unrentable Vorkommen wirtschaftlich erschlossen werden. Dieser technologische Schub war von vielen nicht vorstellbar.

Ausreichend Ölvorkommen vorhanden

Auch andere Ressourcen, die früher kaum erschlossen werden konnten, rücken immer stärker in den Vordergrund, wie Ölsande und/oder die Tiefsee. So sind die Ölsandvorkommen Kanadas größer als die Lagerstätten in Saudi-Arabien. In anderen Ländern, wo sehr hohe Ölreserven vermutet werden, wie etwa in China, steht man noch ganz am Anfang der Exploration. Gleichfalls erfordern die neuen Rahmenbedingungen einen hohen technologischen Einsatz, der die Erschließungskosten stark ansteigen lässt. Die Frage ist nicht, wann uns das Öl ausgeht, sondern das Geld zur Förderung. Und die lohnt sich nur bei einer bestimmten Nachfrage, die aufgrund der globalen Konjunkturkrise derzeit schwächelt und außerdem politisch nicht mehr gewollt ist.

G7 beschließen Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter

Betrachtet man das Ölnachfragewachstum, so ist dieses in den letzten 15 Jahren vom steigenden Bedarf in den Schwellenländern bestimmt worden. Hauptverantwortlich für die sprunghafte Ölnachfrage war China. Mit zunehmender Entwicklung zu einem Industrieland schwächen sich die Wachstumszahlen allerdings ab. Damit verringert sich auch die Energieintensität des Wachstums. Der chinesische Energieverbrauch stieg in 2014 nur noch um 2,6 Prozent und weicht erheblich vom Durchschnitt der letzten 10 Jahre ab (6,6 Prozent p.a.).

Auch auf politischer Seite wird Druck ausgeübt. Die G7 haben auf ihrem letzten Treffen den Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter bis Ende des Jahrhunderts beschlossen. Bis 2050 sollen etwa zwei Drittel der globalen Treibhausgasemissionen gegenüber 2010 reduziert und die meisten Energiebereiche entsprechend transformiert werden. Davon dürfte insbesondere der Transportsektor betroffen sein, der rund 50 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs ausmacht. Das bedeutet eine höhere Verbrauchseffizienz und der Schritt zur E-Mobilität oder dem Wasserstoffauto wird vollzogen. Auch dabei wird China eine entscheidende Rolle spielen. Das Land sieht mit der neuen Technologie die Chance, seine Autokonzerne an einer gemeinsamen Startlinie mit den westlichen Konkurrenten zu positionieren.

Dabei fördert es nicht nur aus diesem Grund die Entstehung einer E-Mobilitätsindustrie, sondern auch aus Umwelt- und Gesundheitsaspekten. Peking wird ab 2017 nur noch 90.000 Autolizenzen pro Jahr an konventionelle Fahrzeuge ausgeben. Der Rest müssen E-Autos sein. China schreibt den Wandel vor. Auch wenn es heute noch nach Zukunftsmusik klingt, die Veränderungen im Transportsektor können schneller erfolgen als bisher angenommen. Perspektivisch wird die Ölnachfrage sinken, dadurch ist ein Comeback des Ölpreises noch nicht abzusehen.

Für Anleger bedeutet dieses Szenario auch, sich langsam von den großen Ölmultis zu verabschieden und ihr Portfolio strategisch auf Unternehmen mit Geschäftsmodellen auszurichten, die auf alternativen Antrieben, neuen Mobilitätskonzepten und Batterielösungen basieren. Aber wie es mit jeder Vorhersage ist, die Realität holt uns letztendlich immer ein.

Quelle: n-tv.de

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