Wirtschaft

"On My Way" statt UPS Amazon will Privatpersonen ausliefern lassen

Amazon sorgt mit einer ausgefallenen Idee für Aufsehen: In den USA will der Konzern Privatpersonen als Zusteller einsetzen. So könnten massiv Kosten gespart werden. Es könnte aber auch eine Menge schief gehen.

Um die Kosten und die Lieferzeiten beim Zustellen von Paketen zu verringern, will Amazon in den USA möglicherweise Privatpersonen als Boten einsetzen. Amazon entwickele eine App, mit der quasi Gelegenheitsboten beispielsweise auf dem Weg nach Hause Pakete ausliefern, heißt es aus Insider-Kreisen. Somit würden Privatpersonen statt Logistikkonzerne wie United Parcel Service für die Auslieferung bezahlt werden.

Amazon
Amazon 1.751,60

Den Plänen zufolge würde Amazon Einzelhändler in Ballungsgebieten ansprechen, um die Pakete zu lagern. Wahrscheinlich dürfte der Konzern auch Lagerplätze selbst mieten oder eine Gebühr je Paket zahlen, so die Informanten. Der Zeitplan für den Service, der bei Amazon intern unter dem Namen "On My Way" (Auf meinem Weg) geführt wird, sei bisher unklar. Möglich sei derweil auch, dass der Konzern mit dem Service gar nicht an den Start gehe. Eine Amazon-Sprecherin wollte sich nicht zu den Informationen äußern.

Viele Hürden zu überwinden

Grund für die Überlegungen seien vor allem die deutlich gestiegenen Lieferkosten, die bei Amazon auf den Gewinn drücken. Allein im vergangenen Jahr kletterten die Aufwendungen dafür um 31 Prozent stärker als die Umsätze. Sollte Amazon die Pläne tatsächlich umsetzen, hätte der Konzern vermutlich künftig auch eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den großen Logistikkonzernen. Allerdings gibt es noch viele Hürden, die Amazon passieren müsste.

Warum sollten beispielsweise Einzelhändler vor Ort mit einem ihrer ärgsten Rivalen kooperieren? Zudem stellt sich für den Internethändler die Frage, wie die Paketlieferungen letztlich überprüft werden sollen.

Die großen Logistikunternehmen arbeiten sehr effizient. Bei UPS beispielsweise kostet die Zustellung eines Pakets im Durchschnitt rund 8 US-Dollar in den USA. Insgesamt liefert Amazon täglich etwa 8,5 Millionen Pakete aus, wie aus Daten der SJ Consulting Group hervorgeht. Von daher bedürfte es einer ziemlich großen Menge an Zustellern, damit der Service überhaupt eine nachhaltige Wirkung entfalten würde. Zudem sei eine entscheidende Frage ungeklärt: Wer ist verantwortlich, wenn ein Paket beschädigt oder sogar verloren gegangen ist?

"In der Idee steckt eine gewisse Logik, aber es hat den Anschein, dass dabei auch eine ganze Menge schief gehen könnte", sagt Marc Wulfraat, Präsident des Logistikberaters MWPVL International aus Montreal. "Was würde letztlich Personen davon abhalten, diese Pakete mitzunehmen und an der Haustür anderer Personen abzugeben?", fragt Wulfraat gleichzeitig.

Quelle: n-tv.de, bdk/DJ

Mehr zum Thema