Wirtschaft

285 Milliarden Dollar gehortet Apple will komplette Barreserve ausgeben

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Dank höherer iPhone-Preise ist Apples Bargeldberg allein im vergangenen Jahr um 39 Milliarden Dollar gewachsen.

(Foto: AP)

Das Warten hat sich für Apple gelohnt: Um Steuern zu sparen, hortet der Konzern jahrelang Bargeld im Ausland, während er sich zu Hause verschuldet. Dank Trumps Steuerreform kann Apple das Geld nun günstig heimholen. Alles soll ausgegeben werden.

Seit Jahren sitzt Apple auf dem größten Bargeldschatz aller Unternehmen weltweit. Allein seit Ende 2016 sind noch einmal 39 Milliarden Dollar hinzu gekommen. Insgesamt 285,1 Milliarden Dollar hortet Apple inzwischen, mehr als 90 Prozent davon außerhalb der USA. Doch nun kündigt der Konzern einen grundlegenden Kurswechsel an. "Wir streben an, mit der Zeit ungefähr netto cash-neutral zu werden", sagte Apple-Finanzvorstand Luca Maestri bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen an. Das bedeutet Apple will seinen gesamten Bar-Bestand - abzüglich der Schulden -ausgeben.

Anlass für die 180-Grad-Wende ist die jüngst beschlossene Steuerreform in den USA. Bislang hätte Apple auf seine größtenteils im Ausland erzielten Gewinne in der Heimat 35 Prozent Steuern zahlen müssen. Daher parkte das Unternehmen, wie viele andere auch, seine Gewinne lieber außerhalb der USA. In der Hoffnung auf eine kommende Steuersenkung nahm Apple in den vergangenen Jahren sogar Schulden auf, um mit Dividenden und Aktienrückkäufen Geld an seine Aktionäre zu zahlen.

Dieses Vorgehen hat sich gelohnt. Wie erhofft hat nun US-Präsident Donald Trump die Steuern, die Apple auf die heimzuholenden Gewinne zahlen muss, kräftig gesenkt: auf nur noch 15,5 Prozent. Das bedeutet für Apple eine Einsparung von mehr als 50 Milliarden Dollar. Das ist erheblich mehr als die Zinskosten für die gut 100 Milliarden Dollar Schulden, die Apple inzwischen anhäufen musste, um seine Barreserven im Ausland nicht antasten zu müssen. Zur Einordnung: Zuletzt brachte Apple im November zehnjährige Anleihen mit einem Zinssatz von gut drei Prozent auf den Markt.

Netflix oder Disney im Visier

Laut Finanzchef Maestri soll nun das gesamte Bargeld heimgeholt und ausgegeben werden. Nach Abzug der Schulden und der fälligen Steuern bleiben ihm zufolge netto 163 Milliarden übrig. Die Summe soll teils über höhere Dividenden und zusätzliche Aktienrückkäufe an die Aktionäre fließen und teils für Übernahmen ausgegeben werden.

Unter Analysten wird bereits spekuliert, ob eine Änderung der bisherigen Übernahme-Strategie ansteht. Bislang hat Apple meist nur kleine Unternehmen gekauft und alle seine wichtigsten Produkte und Dienstleistungen selbst entwickelt. Die bislang teuerste Übernahme Apples war die des Kopfhörerherstellers und Musikstreaming-Anbieters Beats für drei Milliarden Dollar.

Als mögliches Kaufobjekt werden nun unter anderem das Video-Portal Netflix oder sogar der Unterhaltungsgigant Walt Disney genannt. Damit könnte Apple auf einen Schlag zu einem führenden Video-Streaming-Anbieter mit eigenen Inhalten werden. Apple hat sich entschlossen, in diesen hartumkämpften Markt vorzustoßen, hat aber im Vergleich zu dem Platzhirschen Netflix bisher nur wenige Eigenproduktionen auf den Weg gebracht. Gemessen am aktuellen Marktwert könnte sich Apple sowohl Netflix für 115 Milliarden als auch Disney für 166 Milliarden Dollar leisten. Als wahrscheinlicher gilt allerdings, dass Apple einen Großteils seines Bargelds an die Aktionäre ausschütten und seine Expansion mit relativ kleinen Schritten fortsetzten wird.

Quelle: ntv.de, mbo