Wirtschaft

Schuldenkrise in Griechenland Athen scheitert an Privatisierungszielen

60097921.jpg

Thessaloniki ist einer von 14 Flughäfen, die verkauft werden sollen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Griechenland kann eines seiner Versprechen wieder einmal nicht halten: Im Gegenzug für Milliardenhilfen sollte Athen reichlich Tafelsilber verscherbeln. Doch das Erlösziel bleibt unerreicht. Allerdings soll dies im kommenden Jahr anderes werden.

Griechenland wird den im Gegenzug für neue Rettungshilfen angestrebten Milliarden-Erlös bei Privatisierungen in diesem Jahr verfehlen. "Die 1,4 Milliarden Euro sind nicht zu erreichen", sagte der Chef der Privatisierungsbehörde, Stergios Pitsiorlas. Das liege unter anderem an den Verzögerungen beim Verkaufsprozess von 14 Regionalflughäfen an den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport. Zwar werde das Vorhaben mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro wohl bis zum Jahresende unter Dach und Fach sein. Das Geld werde aber erst einige Monate später fließen.

Fraport war im November 2014 zusammen mit einem örtlichen Partner als Favorit aus einem Bieterrennen hervorgegangen. Seitdem sollte eigentlich an den Vertragsdetails gefeilt werden. Doch stoppte die neue griechische Regierung das Projekt zu Jahresbeginn für rund sechs Monate.

Ziele sollen für 2016 erreicht werden

Inzwischen sei das Vorhaben aber wieder in der Spur, sagte Pitsiorlas. Zuletzt hatte es geheißen, dass auch ein Erfolg des Neustarts ungewiss ist, da die Regierung zurückgetreten war und nun Neuwahlen anstehen. "Es scheint aber realistisch, dass wir die Ziele für 2016 erreichen werden", sagte der Chef der Privatisierungsbehörde.

2016 sollen 3,7 Milliarden Euro aus dem Verkauf von Staatsbesitz erlöst werden, im Jahr darauf weitere 1,3 Milliarden. Die bisherigen Eckdaten für den Verkauf der Mehrheit des Hafens von Thessaloniki sollen Pitsiorlas zufolge verändert werden. Interessenten könnten nun zunächst nur 51 statt 67 Prozent der Anteile erwerben. Die Angebote dafür müssen bis Februar eingereicht werden. Der Behörde zufolge gibt es acht Interessenten in der engeren Wahl, darunter APM Terminals aus den Niederlanden, Duferco Holding aus der Schweiz, ICTS von den Philippinen und Mitsui aus Japan. Wer den Zuschlag erhält, muss Pitsiorlas zufolge 100 Millionen Euro in den Hafen investieren.

Der aufgeschobene Verkauf von zwei Dritteln der Anteile des Gasnetz-Betreibers Desfa an die staatliche aserbaidschanische Socar für 400 Millionen Euro soll zudem nun abgeschlossen werden. Pitsiorlas sagte, Socar werde Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörden ausräumen, indem die Aserbaidschaner 17 Prozent der Desfa-Anteile an eine dritte Partei weiterverkaufen.

Griechenland hatte sich zu den Verkaufszielen von rund 6,5 Milliarden Euro für 2015 bis 2017 bekannt, um im Gegenzug von seinen internationalen Partnern ein drittes Hilfspaket von 86 Milliarden Euro zu erhalten.

Seit 2010 hat das Land etwa 3,5 Milliarden Euro durch Privatisierungen erlöst - angestrebt waren 50 Milliarden. In der Zeit leiteten fünf Regierungen das Land und die Privatisierungsbehörde verbuchte den sechsten neuen Chef.

Quelle: ntv.de, kpi/rts